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STUDIEN DER BIBLIOTHEK WARBURG
HERAUSGEGEBEN VON FRITZ SAXL
XUl PAUL LEHMANN , PSEUDO-ANTIKE LITERATUR DES MITTELALTERS
B.G.TEUBNER-: LEIPZIG :- BERLIN: 1927
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PAULI LEHMANN
PSEUDO-ANTIKE LITERATUR
DES MITTELALTERS
BG.TEUBNER.LEIPZIG:- BERLIN. 1927
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INHALT
Seite
Einleitung. u. 0 2 0. u ee ee a Bee a BAER I
Pseudo-Ovidiana . . 22.222 02020 a ei ee re eier 2
Pseudo-Martialis . . 2. 2 22 22er. Be Sa ae ren Bares Nadal u 1. 16
Pseudo-Apuleas: nu... Sea a a ar ee ae ee 16
Pseudo-Fulgentiana . . . 2. 2 2.2.2 .. Be a gi 20
Valerius de non ducenda uxore . 2. 2 2 2 0 re nr Er ern. 23
Flavianus und fingierte Inschriften . . 2.2.2 22 2 0 0222 nn. 25
Boethius de disciplina scolarium . 2.2.2 2 22 0 ren nr ren. 27
Gesta Romanorum: „u... za a # Se Eee ee a en 28
ANHanp. 2 Se a N ea BB 31
I. Die Pyramus- und Thisbe-Dichtung des Matthaeus von Vendöme . ... . 31
IIa. Die Pyramusdichtung des Dietrich . . . . 2 2 2 2 2 2 2 2 2 020. . 35
IIbundc. Anonyme Pyramusdichtungen DR er a gl Aa ae; 440
III. Ovidiusde somni6 2.03 0. Su u wu 2 waren 2ve...63
IV. Heroiden des Baudri de Bourgueil. . . . 2. 2 2 2 2 2 2 er 0 2 en. 65
V. Venus verteilt die Frauen . ...2.. 22 2 2 2 nen ee a0 nn... 88
VI. Mittelalterliche Listen ovidianischer und pseudo-ovidianischer Dichtungen . 89
Anmerkungen. . .. 2.2.2... u 92
Verzeichnis der Abbildungen . . 2.2.2 2 2 0 0 En u Er Er Ener. 104
Abbildungen Tafel I—VI.
Register .. .... Be ee ee a a ee 105
Als im 13. Jahrh. eine große lateinische Dichtung auftauchte, dieOvids
poetisches Testament sein sollte, da erzählte man, sie wärein elfenbeinerner
Kapsel auf einem Friedhofe in Dioscurias in einem Grabe gefunden, das
durch eine Inschrift in armenischer Sprache als letzte Ruhestätte Ovids
bezeichnet gewesen wäre. Man hätte das Buch nach Konstantinopel ge-
schickt und von dort aus den Text als Schlußdichtung Ovids verbreitet.
Für uns besteht kein Zweifel, daß es sich um ein mittelalterliches
Machwerk handelt, nicht um antike Poesie, und man könnte von einer
Fälschung sprechen |
Im Hinblick auf diese und andere Erdichtungen, von denen ich
zu reden haben werde, lag es mir nahe, meinem Vortrag den Titel
„Mittelalterliche Fälschungen antiker Werke‘ zu geben und dadurch
anzulocken, da romanhaft und kriminalistisch Aufgeputztes leichter Ohr
und Augen beim Publikum findet, zumal in einem Jahre, wo wir aus
Italien durch die Liviusfabeln aufgeregt worden sind. Mir schien es besser,
auf den Kniff zu verzichten. Denn einmal ist keineswegs alles Fälschung
im modernen Sinne, was unter entlehnten Namen in die Welt hinaus-
geschickt ist. Neben den Erdichtungen aus Böswilligkeit und Eigennutz,
die im Mittelalter vorhanden sind, aber sehr viel weniger in der pseudo-
antiken Literatur als in Chroniken, Legenden, Urkunden, stehen Fiktionen,
die, ohne ehrgeizige und habsüchtige Ziele, rein ein Spiel von Phantasie
undLaune, eineÜbung der Sprache, des Geistessind, Lehrdichtungen, deren
guter Zweck die Mittel geheiligt hat, Machwerke, bei denen das Fremde,
Erborgte nur ein leichter durchsichtiger Schleier über dem Mittelalter-
lichen ist, Fiktionen schließlich, bei denen Mißverständnisse oder Un-
verstand Späterer zur falschen Firma und zum Fälschungsverdacht ge-
führt haben. Der Titel Fälschungen würde zu Unrecht verallgemeinern
und mich wie meine Forschungen anders erscheinen lassen als ich es
möchte. Ich stehe nicht zu aufreizender oder behaglicher Unterhaltung
vor Ihnen, und wir wollen nicht, wie man es gegenüber mittelalterlichem
Geistesleben so oft getan hat, anklagen, nicht vom Throne moderner
Selbstgefälligkeit richten, sondern schlicht untersuchen, um etwas vom
Wesen und Geist des Mittelalters kennen zu lernen,
Studien der Bibliothek Warburg 13. Heft: Lehmann I
2 Ovids Nachleben
Durch viele Jahrhunderte hindurch ist wohl am meisten von allen
römischen Autoren Vergil, namentlich seine Aeneis, abgeschrieben, ge-
lesen, erklärt worden, im hohen und im späten Mittelalter wetteifert mit
ihm durch seine fabulösen Metamorphosen und seine Liebesdichtungen
Ovid. Meines Wissens hat kein alter heidnischer Schriftsteller lateinischer
Zunge, auch nicht Vergil, seit seinem Tode so viele Werke nach sich ge-
zogen, die ohne von ihm zu stammen, seinen Namen führen. Die mittel-
alterliche Geschichte von Ovids Nachleben!), die manches reizvolle Kapitel
haben müßte, z.B. über die Überlieferung der echten Dichtungen, ist
noch nicht geschrieben und sollte nur von einem vielseitig gebildeten
Meister angepackt werden, der zu sammeln und zu sichten und zu
schreiben versteht. Allein die Behandlung der Pseudo-Ovidiana würde,
wenn sie Neues bringen, Altes sichern und das Material einigermaßen
erfassen sollte, Anforderungen stellen, die in kurzer Frist nicht leicht zu
erfüllen sind. Vorarbeiten gibt es in großer Zahl vom 17. Jahrh. an bis
zu unserer Zeit?). |
Ovid ist schon im Altertum nachgeahmt, das Corpus seiner echten
Werke sehr bald durch Dichtungen anderer erweitert worden. Im
frühen Mittelalter ist der Einfluß Ovids nicht sonderlich groß, erst seit
dem ıı./12. Jahrh. wird er eine literarische Großmacht, die man gern zu:
Hilfe ruft, ob es sich nun um lebensfrohe, farben- und tönereiche Poe-
sie®), oder um ernste wissenschaftliche und erbauliche Darlegungen han-
delt. Frankreich und England scheinen voranzugehen. In diesen Gebieten
und dieser Zeit häufen sich die Handschriften der echten Ovidwerke, und:
ihnen gliedern sich in bunter Fülle Dichtungen an, die fälschlich Ovids
Namen am Anfang oder Ende tragen. Ä
‘ Die Zahl der bekannten Pseudo-Ovidiana ist hoch genug, auch wenn
man die Gedichte ausscheidet, die nichts weiter sind als gelegentlich
für sich und mit besonderen Bezeichnungen überlieferte Ausschnitte aus
größeren Werken Ovids wie ‘Desomnio’ oder das ‘Somnium’?), die ‘Auro-
a’, ‘De meridie’, der ‘Psittacus’, der ‘Anulus’, die alles Elegien der
ovidianischen Amores sind, “De aetate’ aus der Ars amandi, ‘De incon-
stantia rerum’ aus ‘Ex Ponto’®) u. a. mehr. Einige Pseudo-Ovidiana
waren bisher unveröffentlicht. Daß noch andere auftauchen werden, ist
wohl möglich. Auf zwei die Forschung erschwerende Momente darf ich
wohl gleich hinweisen: auf die Zerstreuung des Materials über viele
Bibliotheken ganz Europas®), deren Bestände nicht immer hinreichend
katalogisiert sind, und auf die verschiedenartigen Titel, unter denen
sich bald ein längst bekanntes, bald ein neues Stück verbirgt. |
Überblickt man die Pseudo-Ovidiana im Ganzen, fällt die Buntheit
des Inhaltes auf. Man läßt die Nachtigall ertönen, führt aber auch
Ovisdius de philomela
den Floh, die Laus und die harmlose Schnecke vor, berühmter be
paare trauriges Schicksal bringen die Dichter neben tragikomischen
Liebesabenteuern, aber auch Rezepte für und gegen die Liebe, Rezepte
gegen Krankheiten, man singt für und wider die Freuden des Bacchus und
klagt über die Macht des Geldes. Ja man lehrt unter Ovids Namen
gutes Benehmen bei Tische und Brettspiele. Vielfach bleiben die Ge:
dichte auf der Erde, vielfach steigen sie auf zu den Olympiern oder gar
zum Christengotte. Ein seltsames Sammelsurium, in und durch das man
sich den Weg des Verständnisses nicht selten mühsam bahnen muß.
Wie ist man dazu gekommen, Ovid zum Vater aller dieser Erzeug-
nisse zu machen ? Ich glaube, man kann die Erklärung zu einem großen
Teile finden, wenn man die mittelalterlichen Ovidiana an die antiken
echten Werke anknüpft oder sie doch zu ihnen und dem Bild, das man
sich von Ovid machte, in Beziehung zu setzen sucht.
Wir haben in vielen Hss. eine sehnsüchtige Klage der Nachtigall
unter Ovids Namen.?) Melchior Goldast (f 1635), jener kenntnisreiche
und verdienstvolle, jedoch skrupellose Gelehrte, der den — ihn vielfach
unterschätzenden — Forschern oft zu schaffen machte, fand oder, ver-
mutlich, erfand einen Namensvetter in einem Albius Ovidius Juventinus.
Wir gehen diesen Ausweg nicht mit, sondern bleiben beim altbekannten
Ovid, nicht freilich um die Philomelaverse als sein Gut anzusprechen, son-
dern um die ziemlich späte Zuweisung an ihn zu verstehen. Man bedenke
bloß, daß das fragliche Gedicht von der Nachtigall ‘De philomela’
“ handelte und daß es ja Ovid gewesen, der im 6. Buche seiner Meta-
morphosen die Geschichte der attischen Königstochter Philomela er-
zählt hatte, die von ihrem Schwager entehrt und der Zunge beraubt, dann
von den gnädigen Göttern in eine Nachtigall verwandelt ward. Für
einen mittelalterlichen Gelehrten — sagen wir des I2. Jahrhunderts —
war es verführerisch, die von ihm vorgefundene Klage der Philomela
dem Dichter, also Ovid, zuzuschreiben, in dessen Metamorphosen er die
Schicksale der Philomela kennen gelernt hatte, wie der Franzose Chrestien
de Iroyes um 1168 seine altfranzösische Philomena den Metamorphosen
nachdichtete. Das Zitat des Jeremia da Montagnone?) am me des
14. Jahrhunderts: Ovidius de phylomena.
Tu valeas felix cew longo tempore Fenıx,
Te foveat tellus veluti papillis vitellus.
auf ein mittellateinisches Seitenstück zu Chrestien von Troyes zu beziehen,
dürfte falsch sein. Denn seit dem 13./14. Jahrhundert haben mehrere
Codices?) die Verse als Schluß des alten Philomelagedichts ‘Dulcis amica
veni’. Es liegt also nicht das Fragment einer wertvollen neuen Bear-
ı*
4 | Pyramus und Thisbe
beitung der Metamorphosenfabel vor, sondern ein etwa im I2. Jahrhun-
dert verbrochener Zusatz zu der alten längst vorhandenen Klage.
Bei der Lektüre der Metamorphosen machte fernerhin von jeher bis
heute tiefen Eindruck die Liebe und das traurige Ende von Pyramus
und Thisbe. In allen Literaturen der verschiedensten Sprachen des
Abendlandes sind die beiden verewigt worden, in der Antike, im Mittel-
alter, in der Neuzeit!°). Auch die bildende Kunst bezeugt, frühzeitig
und merkwürdig, das lebhafte Interesse für den Stoff, der zur Unter-
haltung wie zur Moralisierung und zur Symbolisierung von Christi Opfers
tod dienen konnte, benutzt ihn gegen 1200 im Basler Münster auf
Steinskulpturen, verarbeitet ihn anderwärts für Elfenbeinplastik, Gobe-
lins und Buchkunst.!!) Die durch den Verfasser wichtigste mittellateinische
Bearbeitung dieses Stoffes war bis zu diesem Augenblick unveröffent-
licht, obwohl man mehrmals auf einen überliefernden Cambridger Codex
hingewiesen?) und Rudolf Peiper eine Ausgabe beabsichtigt hatte:
Freilich, gerade diejenigen modernen Forscher, die ausführlich und in
mancher Hinsicht vortrefflich über Pyramus und Thisbe im Mittelalter
geschrieben haben, erwähnen sie nicht; Faralgedenkt ihrer erst jetzt.!3)
Ich meine eine Dichtung des Matthaeus von Vendöme!#), der sich in
der zweiten Hälfte des ı2. Jahrhunderts einen großen Namen durch
seinen Tobias, seine Poetik u. a. errungen hat. Außerdem haben wir 90
erst kürzlich veröffentlichte!5) Distichen einer, wie es scheint, nicht
vollständig erhaltenen Pyramusdichtung, in derselben Glasgower Hand-
schrift 35 noch nicht in Druck gegebene Distichen!$) über dasselbe Thema,
eine von mir einstweilen nur in Münchener Codices gefundene Dichtung!”)
und 2 ebenfalls mittellateinische Pyramus- und Thisbe-Poeme, auf die
vor 200 Jahren Polycarp Leyser aufmerksam machte, die dann in unserer
Zeit Georg Hart und vor ıı Jahren Edmond Faral herausgaben. Alle
drei benutzten nur eine einzige Handschrift des 15. Jahrhunderts, er-
halten in Helmstedt, jetzt in Wolfenbüttel. Die Überlieferung ist in-
dessen viel reicher.18) Bei schnellem Durcharbeiten der Handschriften-
verzeichnisse sind mir sowohl in München wie in Krakau, Wittingau,
St. Petersburg und Kopenhagen unbenutzte Textzeugen aufgestoßen.
Obwohl der Wortlaut nur geringfügig geändert zu werden braucht, ver-
dient nicht nur die Helmstedter Hs. Beachtung. Denn mehrere der
erstmals von mir herangezogenen Codices haben die Gedichte mit Autor-
namen ausgestattet. Der Münchener Codex überschreibt das eine Ovidius
in cwculo. Aus den Manuskripten von Petersburg und Krakau erfährt
man, daß der Verfasser des anderen mittellateinischen Pyramuspoems
ein Dietrich gewesen ist. Er wird sowohl in Überschriften und Unter-
schriften der Codices genannt wie durch 16 Anhangsverse, die in der
Ovidius in cuculo 5
Helmstedter Überlieferung gefehlt haben. Und wir sind auch in der Lage
festzustellen, daß zum mindesten dieser Tidericus nicht erst im 15. Jahr-
hundert gedichtet hat, aus welcher Zeit alle genannten Codices stammen.
Georg Hart und Edmond Faral schlossen sich Karl Bartsch an und hielten
das ı2. oder 13. Jahrhundert für die mutmaßliche Entstehungszeit,
sahen sich aber offenbar die wichtige Stelle, auf die sich Bartsch bei
seiner Datierung gestützt hatte, nicht gleich an. Sonst hätten sie von
Anfang an keinen Zweifel mehr gehabt, daß ans 15. Jahrhundert
ganz und gar nicht zu denken ist. Führt doch Hugo von Trimberg
a.d. 1280 in seinem ‘Registrum multorum auctorum’ ausdrücklich (v.
880ff.) die beiden Anfangsverse des einen Gedichts an!?), so daß wir
einen festen Terminus ante quem haben:
Item libellus parvulus hic eciam locetur,
in quo dolor ei amor Pyrami docetur.
‘Carmina fingo, licet iam nullus carmina curet.
Heu quid carminibus prevalet usus opum.'
Das sind die ersten Verse des Dietrichgedichtes. Es kann von einem
Deutschen verfaßt sein. Starke Beeinflussung durch die lateinische
Elegie des vielgelesenen französischen Dichters scheint mir jedoch durch
viele Ähnlichkeiten der Schilderungs- und Ausdrucksweise nahegelegt
zu werden. Diese Annahme des Zusammenhanges zwischen Matthaeus
und Dietrich und die Bekanntschaft, die Hugo verrät, lassen uns für
das Gedicht ‘Carmina fingo’ den Zeitraum zwischen der zweiten Hälfte
des 12. Jahrhunderts und 1280. Das andere mit den Worten ‘Querat
nemo decus’ beginnende Poem?®), das Hugo von Trimberg nicht nennt,
ist schwerlich wesentlich jünger. Da wo (v. 75{f.) Thisbe ausruft:
Dulcıs amice, veni! Te corde gerens ego vent.
Campus habet flores cum gramine multicolores,
Est arbor plena fructu nec abest philomena.
Diligit hec prata Venus; hec loca sint tibi grata!
Hic pretiosa thorum dat nobis purbura florum.
Dulcis amice, veni! Nisi tu venias, male veni!
liegt eine deutliche Reminiszenz an das alte pseudo-ovidianische Philo-
melagedicht vor, und gerade an dieser Stelle hört man die poetische
. Liebessprache des 12./13. Jahrhunderts heraus.?*)
Unklar ist mir einstweilen, warum die Münchener Hs. als Titel
Ovidius in cuculo gibt. Was hat der Kuckuck mit jener ovidianischen
Liebeselegie zu tun? Und ist es nur ein närrischer Zufall, womit der
Setzerteufel uns äffen will, wenn auch das Philomelagedicht in einem
6 Tierdichtungen
Frühdruck?!°) Cuculus Ovidii genannt wird? Mit dem Cuculus Ovids
ist doch gewöhnlich etwas ganz anderes gemeint, ein Pseudo-Ovidianum,
das unter dem begreiflichen Symbol des Kuckucks den siegreichen
Kampf des Frühlings gegen den Winter besingt. Da wendet sich die
Frage anders: Wie kommt dieses’ karolingische Streitgedicht, das man
in die Umgebung Alcuins setzt??), zu dem gelegentlich anstelle anderer
Autorbezeichnungen auftauchenden Namen Ovid? Noch weiß ich
keine bestimmte vollbefriedigende Antwort. Man könnte daran denken,
daß jener Dichter aus dem Kreise Karls des Großen, der den halb
scherzhaften, halb ehrenvollen Beinamen Naso führte, der Dichter
der Elegie gewesen und sein Nasoname später zur Überweisung der.
Verse ‘an den antiken Ovidius Naso verleitet hätte. Wahrschein-
licher ıst mir, daß der Dichterruhm Ovids hier wie in anderen
Fällen gewisse herrenlos in den Hss. umhergehende Dichtungen an sich
gezogen hat, die einigermaßen zu Ovid paßten und vielleicht gar in den
mittelalterlichen Anthologien zwischen echten oder angeblichen Ovid-
poemen standen. Man kann solche magnetische Wirkung des schrift-
stellerischen Renomees in der mittelalterlichen Überlieferung immer und
immer wieder beobachten, mag es nun ein heidnischer Klassiker, mag es
ein Kirchenvater wie Augustin, ein Kirchenlehrer wie Thomas von
Aquin oder wer sonst sein. Dem namhaften Autor werden in gutem
Glauben viele Schriften untergeschoben, die nach unserem Urteil nie
und nimmer von ihm sind und nicht einmal stets zu seiner Art passen.
Und Ovid war Jahrhunderte lang solche faszinierende Autorität.
Merkwürdig groß ist die Zahl der unter Ovids Namen gehenden z. T.
scherzhaften, z. T. belehrenden Gedichte, die von Tieren handeln. Da
haben wir das satirisch unterhaltende Poem vom Wolf2®), der Mönch
ward, das vom Floh?®), der es auf der Mädchen Fleisch und Blut abge-
sehen hat, von der Laus®®) und von der grotesken Jagd auf eine Schnecke,
wodurch unter des antiken Dichters schützendem Schilde ein franzö-
sischer Scholar die Lombarden zu verspotten trachtete.#) Ich gehe auf
diese Stücke ebensowenig ein wie auf andere pseudo-ovidianische Kleinig-
keiten, die weite Verbreitung gefunden haben, so auch nicht auf den
Streit des Magens mit den Gliedern?”) und die aus Eugenius von Toledo
(saec. VII) gestohlenen Verse über Bacchus®®), in denen vor übermäßigem
Trinken und allem .Prassen und Schlemmen gewarnt wird. Einige Worte
dagegen gestatte ich mir über ein Gedicht, das erst I9I3 und zwar in
einer leicht zu übersehenden Festschrift veröffentlicht worden ist.*®)
In 126 leoninischen Hexametern soll ‘Ovidius’ de mirabilibus mundi
gedichtet haben, d.h. hauptsächlich über Tiere und ihre wunderbaren
Eigenschaften und Gewohnheiten. Den Kunsthistoriker dürfte es inter-
Weltwunder Ovids 7
essieren, daß der Herausgeber M. R. James in den Versen Erläuterungen
zu Bildern vermutet und an Fresken oder Gobelins gedacht hat. Da be-
kanntlich die Bildteppiche des Mittelalters literarische Stöffe und Texte
gern verwertet haben, kann er recht haben. Mir ist es allerdings bei der
großen Zahl der Verse wahrscheinlicher, daß sie anfangs bildliche Dar-
stellungen in einem Buch begleitet haben. Das letzte Wort über dieses
Pseudo-Ovidianum ist noch nicht gesprochen. Anfang und Ende scheinen
zu fehlen. Es wird also jeder Überlieferungszeuge, den der vorzügliche
englische Forscher nicht berücksichtigt hat, geprüft werden müssen.
Noch ist auch mir kein reicherer Text bekannt geworden, obwohl ich von
mehreren Handschriften weiß, die der Herausgeber nicht herangezogen
hat. Für die Datierung konnte James, außer auf das Alter des Codex
Cambridge Fitz William Museum M° Clean Ms. 7 saec. XI/XII, auf die
Anführung dreier Verse (De ira leonis und De hyaena) in dem Bestia-
rium hinweisen, das unter den Werken Hugos de S. Victore gedruckt ®®)
wohl von Hugo de Folieto aus dem ı2. Jahrhundert stammt. Ich füge
hinzu, daß ebenso der normannische Historiker Ordericus Vitalis (f 1142)
im 8. Buche seiner originellen Historia eu) die bei Ps. -Ovid
stehenden Verse |
Parcere prostratis scit nobilis ira leonis.
Tu quoque fac simile, quisquis dominaris in orbe
aus dem /ibellus de mirabilibus mundi eines sagax Poeta zitierte und bald.
darauf der rheinische Erzpoet seine Beichte mit den Rhythmen beschloß
Parcit enim subditis leo rex ferarum,
et est erga subditos immemor irarum.
Et vos idem facite, principes terrarum:
QOuod caret dulcedine, nimis est amarum,
demnach auch er Ovidius de mirabilibus mundi direkt oder indirekt ge-
kannt hat.?2) |
Ob die Zuweisung an Ovid ursprünglich ist oder dicht, läßt sich
schwerlich sagen. Könnte man den Ovidius de mirabilibus mundi mit dem
antiken Autornamen zeitlich vor die Gedichte von Wolf, Floh, Laus,
Schnecke usw. rücken, dann würde ich die Behauptung wagen, daß jenes
Gedicht von den wundersamen Tieren die anderen nach sich gezogen
hätte. Ratsamer ist es, sich mit der allgemeinen Annahme zu begnügen,
daß, nachdem einmal irgend einer irgend ein Tiergedicht mit der Marke
Ovid auf den Markt geworfen hatte, spätere sich nicht mehr scheuten,
auch andere Gedichte von Tieren und ähnlichem durch Ovids Namen
zu schmücken. Die unmittelbaren Berührungen mit echten Ovidstellen
8 Ovid als Erotiker
fehlen zumeist. Nur das befestigte begreiflicherweise die Verknüpfung
mit Ovids Namen, daß der alte Dichter in seinen Metamorphosen ja von
vielen merkwürdigen Erscheinungen der Natur, von vielen wunderbaren
Mythen und Geschichten gesprochen hatte. Und dann sind als Nach-
dichtungen und Neudichtungen und Zuweisungen hervorrufende Kräfte
das Unterhaltende und das Erotische, Laszive der ovidianischen Dich-
tungen zu betonen.
Nicht nur wer von berühmten Liebespaaren und von Liebeshändeln
sang, konnte sich auf die Metamorphosen und andere Werke Ovids
berufen, sondern auch wer indiskrete und schmutzige Kleinigkeiten
wie den ‚Floh‘, die ‚„Laus‘“ dichtete, fand genug beim alten Ovidius
Naso. Ovid war dem Mittelalter der führende Verherrlicher des Welt-
genusses, der Dichter der irdischen, fleischlichen Liebe, der Erotiker.
Der mittellateinische Dichter, der in seinem witzigen ‘Liebeskonzil
von Remiremont’ die Precepla Ovidii doctoris egregii als quasi evan-
gelium verlesen ließ?®), jener andere®®), der in Versen von einem eifer-
süchtigen Priester sich auf die decreta pape Nasonis berief, sie wußten,
was Ovid vielen ihrer Zeitgenossen war. Tausende haben gierig die
erotischen Werke des römischen Poeten verschlungen, viele ihre neuen
Liebesdichtungen nach seinem Vorbilde gesungen. Daß die Vaganten-
poesie, daß die Lieder und Gesänge der Trouveres und Troubadours aufs
stärkste angeregt und befruchtet sind, nicht bloß vom fabulösen, sondern
vor allem auch vom leichtfertigen, in den Lebens- und Liebeskünsten
bewanderten Ovid sind längst bekannte Tatsachen, an die ich nur zu
erinnern brauche. Ich beschränke mich hier auf die Dichtungen, die
Ovids Namen führen. Eine Gesamtgeschichte der Ovidnachahmungen
im Einzelnen und im Ganzen würde viel mehr umfassen müssen.
Man findet mehrfach den Einfluß der Bücher Amores und der
Heroiden auf das Mittelalter weit geringer eingeschätzt?®) als die Wir-
kung der Ars Amandi und der Remedia amoris. Mit dieser an sich
meiner Meinung nach richtigen Vorstellung ist aber eine gewisse Unter-
schätzung verbunden. So übersieht man etwas, daß die Amores allein
schon durch ihre Situationsschilderungen vorbildlich wirkten. Die im
Mittelalter gern aus dem Rahmen des Gesamtwerkes losgelöste 5. Elegie
des III. Buches regte zusammen mit dem von Ovid. Ex Ponto III, 3, 5ff.
erzählten Traum mittelalterliche Poeten an, ihrerseits Traumbilder zu
erfinden. Der Angelsachse Aethilwulf dichtete®®) ein *Somnium’:
Tempus erat noctis, Ilucem cum praedicat ales,
algida post ymnos laxassem membra quieli,
furtive adveniens somnus subrebsit ocells.
Traumbilder; Streitgedichte 9
Walahfrid Strabo ‘De quodam somnio’?”?)
Nox erat et magni alternis per climata caelı
ignibus auxerunt astra vemota iubar;
ein Ire um 850°®):
Umbrifera quadam nocie de dectore somnum
carbebam fessıs luminibusque meis.
Auricomae quaedam tunc fulgens mitra puellae
clarıor enituit sole rubente mihi,
ein Unbekannter — das Gedicht??) vielleicht unvollendet lassend —:
Nox erat et toto fulgebant sidera caelo;
cogebat saevus cuncta silere sobor.
Als im ıı., spätestens 12. Jahrhundert ein uns dem Namen nach un-
bekannter Dichter den Kampf zwischen Fuscus von Jericho und Dicheo-
philus von Jerusalem beschreiben wollte,?%) griff er zu dem beliebten
Mittel einer Traumvision, indem er mit dem Verse
Nox erat et lentus carpebat <lumina somnus'>
anhub, der deutlich den Anfang jener ovidianischen Elegie imitierte:
Nox erat et somnus lassos submisit ocellos.
Ein anderer begann ähnlich“):
Nox erat et blacido capiebam Pectore sombpnum
um dann Tod, Zwietracht, Furcht und Jammer im Kampfe vorzuführen.
Feiner und klarer in der Malerei ist das Streitgedicht Ovidius de luco®),
eine Vision, die sich schon weit vom antiken Ovid entfernt: Ein Heer
von eleganten weibischen Rittern errichtet in einem Hain für die Königin,
die Luxuria, Thron und Tisch. Paris und Ganymedes lagern sich vor
dem Throne. Da erscheint, vom Durst geplagt, Diogenes und trinkt aus
der hohlen Hand Quellwasser. Als ihn die Königin ob seiner Armut
schilt und ihm kostbare Gefäße mit edlem Wein reichen läßt, stimmt er
ein Loblied der echten Vornehmheit an und kehrt der Luxuria den
Rücken. Da enteilen die Ritter in Verwirrung.
Die echte Elegie ‘Nox erat et somnus lassos submisit ocellos’ geht
gelegentlich, so in der Hs. München lat. 18895, unter dem Titel Ovidius
de rustico. Drum mag hier angemerkt werden, daß es noch ein Gedicht mit
derselben Aufschrift ‘Ovidiusderustico’ gibt, dasin der poetischen Samm-
lung des alten Codex Salmasianus als Martialis de habilatione ruris steht“®)
und mit dem Verse Rure morans quid agam, resbondeo bauca, rogatus
anfängt. In Berlin lat. fol. 49 saec. XV? sind die Verse I, 2, 4, 6 dieses
Stückes einer ganzen andersartigen Dichtung vorausgeschickt und das
10 Heroiden und Baudri von Bourgueil
Ganze wiederum ‘Ovidius de rustico’ genannt. Häufiger heißt der zweite
Teil ‘Ovidius in rusticum’ und steht für sich allein, eine Häufung von
Schimpfwörtern, die nicht gerade einem Landmann zugedacht sein
ee Rustice lustrivage capribes cornute bimembris.**)
Schon im ıı. Jahrhundert schreibt der Parisin. lat. 8094 diese Verse
ee Ovidius Naso in amatoria arte de Pan pastore dicit.
Vielleicht wichtiger als die Wirkungen der Amores waren, ist die
Vorbildlichkeit der Heroiden für den literarischen Briefwechsel und den
Austausch wie die Darstellung von Liebesgefühlen und Liebesschick-
salen gewesen. Einige Beispiele mögen das andeuten. Da ist vor allem
Baudri von Bourgueil, dessen Gedichte nur zu einem Teile gedruckt
vorliegen. Er ist zwar erst 1130 gestorben. Da er sein Leben aber schon
1046 begonnen hat), dürfen wir ihn nach seiner sich in verschiedenen
Poesien ausprägenden Bildung für das ıı. Jahrhundert in Anspruch
nehmen, als einen frühen Zeugen für die rege altertumfreundliche und
doch der neuen und originellen Züge nicht entbehrende literarische Tä-
tigkeit, die uns in Nordfrankreich und in Südengland entgegentritt. Seine
Meisterschaft in der poetischen Epistel#®) ist nicht am wenigsten der Be-
Herrschung ovidianischer Diktion zu verdanken. Mönch, Abt, schließlich
Erzbischof ist er Christ seiner Gesinnung nach und doch ein feuriger
Liebhaber antiken Stoffes und antiker Form. In einem 1098 entstan-
denen Gedichte an Gräfin Adele von Blois, Tochter Wilhelms des Er-
oberers, läßt er ihren Palast mit Gobelins und sonstigen Kunstwerken
geschmückt sein, deren Beschreibung Ovidkenntnisse bezeugt.*”) Nur un-
gern trennt er sich von seinem Ovidexemplar und würdigt die Gefahr, daß
man ihm seinen ausgeliehenen Ovid gestohlen haben könnte, eines be-
sonderen Poems.*®) Und Baudri war auch einer derjenigen, die Heroiden-
umdichtungen und neue Heroiden versuchten.) Ein jetzt römischer
Codex enthält von’ihm in 61 eleganten Distichen einen Brief von Florus
an Ovidius, und Ovids Antwort in 87 Distichen. Die ovidianische Korre-
spondenz zwischen Paris und Helena bringt er in eine seinem Zeitge-
schmack entsprechende Form, und er scheut sich auch nicht vor Ana-
chronismen, indem er die Weine der Loireufer rühmt und ihre Bevor-
zugung durch Könige erwähnt. Den Autor eines von A. Riese aus einem
Parisinus des 12. Jahrhunderts herausgegebenen 5°) Versbriefes der Dei-
damia an Achilles kennt man nicht näher. Wie bei Baudri sind Ton und
Art Ovids nicht übel nachgeahmt, ohne daß man es sich versagt hätte,
allzu Heidnisches zu mildern und Christliches durchblicken zu lassen.
Die Absicht zu fälschen lag offenbar in allen Fällen fern. Man hat an
„Scherzrezepte; Liebesanleitung; Liebesbote ıI
poetische Stilübungen zu denken. Gewiß kennen wir davon nur erst.
einen Teil. | u
1250 erwähnt Richard von Fournival ein ganzes Buch mit Heroiden,
durch die Ovid ergänzt werden sollte.5!) Leider scheint diese Sammlung
verloren zu sein, so daß über ihren Inhalt nichts zu sagen ist. Im selben
Bande standen außer echten Liebesdichtungen Ovids mehrere Pseudo-
Ovidiana: Ovidii libellus de cuculo, de pulice, de sompno, de medicamine
surdi. Der Katalog bestätigt so in willkommener Weise, daß die genann-
ten Gedichte schon vor I250 entstanden oder Ovid untergeschoben sind.
‘De medicamine surdi’ steht neben dem echten ‘De medicamine faciei’
Wir kennen aus nicht wenigen Hss. dieses poetische Rezept gegen die
Taubheit2), das natürlich in Nachahmung von Ovids Gedicht über die
weiblichen Schönheitsmittel verfaßt und oft mit ebenfalls angeblich ovi-
dianischen Versen über die vier menschlichen Temperamente5®) ver-
bunden ist. Weiter: Die alte Anleitung, wie man eine lästige Liebes-
leidenschaft loswerden könne, Ovids echte Remedia amoris, hat einen
neuen Ovidius de remediis amoris auf den Plan gerufen, der vor den
fetten, den allzu mageren, den kleinen und den übergroßen, den bleichen,
‚den dunkelhäutigen, den rotharigen und den flachsblonden Frauen warnt,
das Mittelmaß bei der Geliebten empfiehlt und schließlich einige Winke
gibt, wie man von Sinnenlust befreit werde.5*) In mehreren Codices geht
ein Stück voraus®°), das mehr von der Ars amandi beeinflußt ist, eine
Anleitung zur Liebe, zum erotischen Siege durch Schmeichelei, Ge-
schenke und Gewalt. Beide Poeme sind als Werke Ovids unter dem Titel
“Ars procandi’ oder ‘Ars procatoria’ zusammengefaßt:°®) Die Kunst der
Liebesfrechheit. Val. Rose5”) nannte sie humanistisch-barbarisch und
machte einen liederlichen Dichterling des 15. Jahrhunderts, den Deut-
schen Samuel Karoch zum Verfasser. Die Überlieferung, die jenen Stük-
ken besondere Verbreitung in unseren Landen verschaffte5®), führt uns
jedoch ins 14. Jahrhundert, die Entstehung ist schwerlich nach dem
13. Jahrhundert zu vermuten. Auch Dichtungen gegen Ovids Erotik
sind entstanden.) |
Mehr Selbständigkeit und Erfindungsgabe verraten die sog. Elegien-
komödien, die nach Ovid ihren Namen tragen: Der schlaue Liebes-
bote, auch der Mädchenovid genannt, und Der Dreimäderlovid.
Der Liebesbote®®): ein mittelalterlicher Dichter läßt einen Verliebten er-
zählen, wie er seinen Diener mit Geschenken zur Auserwäh'ten seines
Herzens gehen läßt und der Bote klug und keck die Liebenden zusammen-
bringt und was ihm dann geschieht, als er das Mädchen zurückgeleitet.
Von den Frühdrucken an bis auf den heutigen Tag hatte man sich mit der
fragmentarischen Überlieferung des Gedichtes begnügen müssen, die
I2 | Pamphilus; Dreimäderlovid
nach v. 297 abbricht. Bei erneuter nochmaliger Prüfung der Hand-
schriften ist es mir endlich geglückt, den fehlenden Rest ganz oder zum
Teil, jedenfalls nicht weniger als 79 Verse wiederzufinden.®!) Der „Lie-
besbote‘“ hat sich von Anfang an einer ziemlich großen Beliebtheit er-
freut. Schon vor der Mitte des I2. Jahrhunderts hat man Verse daraus
ın einem Liebesbriefe als ovidianisch angeführt.*) Und bald darauf
dichtete unter Benutzung des Nuntius sagax ein Mann, vermutlich ein
Franzose oder ein Engländer, dessen Namen man noch nicht kennt,
seinen Pamphilus de amore®°), der schnell zu einem der beliebtesten
Bücher des Abendlandes geworden ist und als Pamphiletus zu der Bildung
des Wortes Pamphlet Anlaß gegeben hat, das anfangs ganz allgemein
ein kleines Buch beliebigen Inhaltes bedeutet. Der Pamphilus ist ganz
und gar nicht eine Schmähschrift, vielmehr eine sehr gewandte Elegie
mit Monolog und Dialog von Liebessehnsucht, Liebesdienst, Liebeslist und
Liebeserfüllung. In dieser Dichtung, die in der Hauptsache eine Verfüh-
rungs- und Kuppelgeschichte bietet, ist auch viel Ovidianisches aus der
Ars amandi, den Remedia und den Amores, und zuweilen hat man direkt
in Ovid den Verfasser gesehen. Eine irrige Zuweisung, die wir jedoch be-
greifen. Denn in keiner anderen Elegienkomödie ist der Ton der erotischen
Dichtungen Ovids, die Mischung leichter Frivolität und tiefer Leiden-
schaftlichkeit so glücklich getroffen wie in Pamphilus. Der Ovidius
trium puellarum®), der Dreimäderlovid, kann sich mit ihm an Be-
liebtheit und Treffsicherheit nicht messen. Ganz dürfen wir unser Kom-
pliment allerdings dem unbekannten Dichter nicht versagen. Flott
schildert er in Distichen eine Begegnung mit drei Mädchen irdischen
Geschlechts, die ihn und uns natürlich an Minerva, Juno und Venus
denken lassen. Sie singen um die Wette, und er erteilt als Kavalier der
schönsten Sängerin den Preis. Sein Lohn ist dann ihre Liebesgunst, die
deutlich genug zu schildern begonnen wird. Er schließt mit den neckischen
Worten: ‘Was soll ich tun? Soll, was wir ferner taten, ich berichten ?
Die Scham verbeut’s, mein Mägdlein will’s mit nichten. Der Schluß stand
noch bevor. Doch, ob er gut, ob schlecht gelungen ? Amor weiß alles und
meine Venus auch, der ich dies Lied gesungen. ’
Die Datierung ist einstweilen unbestimmt. Die Bemerkung G. Groe-
bers®5), daß Motiv und Ausführung mehr auf die Humanistenzeit zu
deuten schienen, ist m. E. gefährlich. Ein Humanist des 15. Jahrhunderts
würde nicht so viele Reime eingestreut haben. Die Moıvs die graziöse
Frechheit passen sehr gut ins 12. Jahrhundert.
Während beim Liebesboten und dem Dreimäderlovid der Name
des antiken Dichters stets in der Überlieferung zu finden ist, begegnet er
bei anderen Elegienkomödien nur gelegentlich, so erscheint in einem
nn ib ein
Ovidius de vetula | I3
Lambacher Katalog®®) Ovidius de milite et de Afra, womit zwei Stücke,
entweder der ‘Miles gloriosus’ eines unbekannten Verfassers oder die
‘Comoedia de Milone Constantinopolitano et Afra’ des Matthaeus
von Vendöme gemeint sein können.
Von den vielen Dichtungen und Erzählungen, die von der Liebes-
kunst Ovids und vom mittelalterlichen Pamphilus ausgegangen sind,
sei nur noch eine Ihnen kurz vorgeführt: Ovidius de vetula.®)
Nach einem späten, jedoch nicht unglaubwürdigen Zeugnis?) ist
sein wirklicher Dichter ein den Romanisten und historisch gerichteten
Bücherfreunden wohlbekannter Mann gewesen, der bereits vorhin von
mir erwähnte Richard de Fournival, dessen französische Werke intime
Kenntnis von Ovid und eine ähnliche Geistesrichtung wie De vetula be-
kunden. Selbst bekannte sich Richard nicht dazu. In seiner großen
Biblionomia ist die Fiktion ‘Ovidius de vetula’ aufrecht erhalten. Diese
Fiktion beschränkt sich nicht, wie sonst so oft, auf den Titel, den ja
irgend ein Abschreiber dazugesetzt haben könnte. Ovid spricht von
Anfang bis zu Ende von sich, tut so, als ob er De vetula unter Kaiser
Augustus im Jahre 6 vor Christus oder kurz danach geschrieben habe.
Zudem hat man gewißlich schon ursprünglich dem Poem ein hexametrisches
Argumentum Leonis protonotarii sacri palatii Bizantei sub Vatachio prin-
cipe beigegeben. Darin und in den Prosaerklärungen, die in vielen Mss.
zu finden sind, ist klar und deutlich Ovidius Naso Pelignensis ruris
alumnus der Poeta dieses genannt. Es wäre sein letztes im Exil geschrie-
benes Werk gewesen, das er mit ins Grab genommen. Dort hätte man es
gefunden, nach Byzanz geschickt, der Protonotar Leo es dann heraus-
gegeben. Natürlich ist die Auffindungsgeschichte?®) erfunden, der Proto-
notar selbst eine fingierte Person. Mit dem Kaiser Vatachius ist Jo-
hannes III. Dukas Vatatzes gemeint, der von 1222—1254 regierte, frei-
lich nie in Byzanz, sondern in Nikea. Aus den fingierten Angaben ge-
winnen wir somit die Datierung des ganzen Gedichtes. Es ist nach 1222
und, wir dürfen hinzusetzen, wahrscheinlich vor 1250 entstanden. Um
1250 nennen Richard von Fournival”!) und Vincenz von Beauvais”?) es
„bereits. Und bald — vielleicht schon früher — zitieren es andere ohne
Scheu als echtes Werk Ovids. Selbst der Gelehrte, der wie kaum ein
anderer im Mittelalter zu philologischer und historischer Kritik befähigt
und geneigt war, selbst Roger Baco’”?) hat fest an die behauptete Ver-
fasserschaft des Ovidius Naso geglaubt und aus gewissen Versen des 3.
Buches den Schluß gezogen, daß im Jahre 6 vor unserer Zeitrechnung
durch den Heiden Ovid die jungfräuliche Geburt Christi prophezeit wäre.
Als gut beglaubigtes und glaubwürdiges Werk, als literarisches Testa-
ment”*) Ovids ist diese Dichtung des frühen 13. Jahrhunderts, die ein
14 Ovidius de vetula‘
Jugendwerk Richards von Fournival gewesen sein kann, in die Welt ge-
gangen, häufig abgeschrieben, häufig gelesen, ins Französische und an-
dere Sprachen übersetzt worden. Als einer der ersten hat Fr. Petrarca
energisch die Autorschaft Ovids bestritten, aber für viele umsonst.?5)
Die Dichtung ist eine Art Autobiographie. In 3 langen Büchern von
etwa 3000 Hexametern schildert Ovidius zuerst sein Leben der irdischen
Liebe; hier folgt er deutlich den Spuren des echten Ovid, zumal der Ars
Amandi. Einebunte Bilderreihe mit außerordentlich interessantem kultur-
historischen Detail entrollt sich vor uns, so daß schon der Beigaben und
des Hintergrundes wegen die Dichtung eine kritische Ausgabe verdient,
die noch nicht gegeben ist.) Der Dichter schildert uns neben anderem
sein bequemes Schlafgemach, erzählt, wie er den Tag zugebracht, daß
er, da man ja nicht immer zu Hause bei der Geliebten bleiben könne,
auf die Jagd gegangen sei nach Vögeln aller Art, nach Füchsen, Hasen,
Rehen, Hirschen und sonstigem Wild, wie er und wie man sich beim
Würfelspiel ergötze und namentlich wie gut man mit Zahlenrätseln, arith-
metischen und mathematischen Übungen und Rechnungen angenehm
‚und nützlich die Langeweile vertreibe. Im 2. Buch folgen wieder Er-
örterungen über Kunst und Wissenschaft. Den Kern bildet die Er-
zählung, warum er seinen Lebenswandel geändert habe. Besonders mit
Rücksicht darauf heißt das ganze Opus bald ‘De immutatione vitae’,
bald ‘De vetula’. Die Amme seiner Geliebten, die Vetula, vermittelt ihm
ein nächtliches Stelldichein. In der Dunkelheit genießt er aber nicht in
den Armen der jungen Auserkorenen, sondern durch Zufall bei der häß-
lichen Alten das ersehnte Liebesglück. Dann verheiratet sich das junge
Mädchen mit einem andern, und erst nach 20 Jahren wird sie durch den
Tod ihres Mannes für Ovid frei. Sie bietet dem treuen Liebhaber ihre
Hand an, dieser heiratet sie, jedoch nicht, um nun endlich bei ihr sich
des Liebesglückes zu erfreuen, sondern um sich dem Studium zu widmen.
Wie er die Zukunft ausfüllt, führt er im 3. Buche aus: nicht mehr mit
wilder und wechselnder Erotik wie früher, nicht mehr mit Jagd und der-
gleichen Zeitvertreib. Nein, nur gelehrte Beschäftigung wird zugelassen:
Adiciamque iocos docıles mathesisque sequaces
sumptibus exiguis aliquatenus aedificabo
concernens ad maleriam geometrica quaedam,
sic abstracta quidem, quod non sine materia sınt.
Algebraegue memor (er gehört zu den ersten, die das arab.
Wort Algebra im Lat. gebrauchen) gwi ludus arıthmeticorum.
Admittam ludum, qui ritmimachia vocatur
Schachspiel; Tischzucht; Sittenspiegel I5
| De cantu capiam partem, quam musica scribit,
er creatoris laudem mea cantıca vertam
= USW, USW,
Alles das hat zum Ziele, in die Geheimnisse des Alls einzudringen
und Gott zu verehren. Ein sonderbarer Ovid, derunsda entgegentritt. Selt-
sam bis zur Lächerlichkeit, — und doch steckt sehr viel Beachtliches darin,
allein schon für die Geschichte der mittelalterlichen Jagd, der Mathema-
tik, Astronomie und Astrologie, der Rechen-, Brett- und Würfelspiele.
Wenn in mehreren spätmittelalterlichen Hss. ein Gedicht ‘De ludo scac-
corum’, das weit verbreitet war und bereits in der 2. Hälfte des ıı. Jahr-
hunderts abgeschrieben wurde, unter Ovids Namen geht’”), so ist, das
wahrscheinlich eine Folge davon, daß im Ovidius de vetula das Schach-
spiel lang und breit beliandelt ist.
Man konnte Ovid über Zimmerausstattung und menschlichen Ver-
kehr, über Jagd und vornehme Unterhaltungsspiele sprechen lassen, weil
er im Mittelalter zum Vertreter des weltmännischen Wesens geworden
war. Als Weltmann hatte er 'sich ja in. seinen alten erotischen Dich-
tungen genugsam erwiesen. Von Ovid dem Weltmann konnte man alles:
Herrenmäßige erwarten, selbst eine christliche Anweisung zum guten Be-
nehmen bei Tische, die beispielsweise in einem Münchener Codex als
Liber Ovidii de facecia mensae steht.) Tatsächlich hatte ja auch der an-
tike Ovid gelegentlich dem Liebenden Winke solcher Art, wenngleich nicht
jene gegeben. Ovid, der Liebhaber und Verführer, Ovid der Weltmann,
der auf der Höhe der Zivilisation genießerisch lebt, — viele von mir
genannte und ungenannte Pseudo-Ovidiana lassen sich auf diese beiden
Typen beziehen — schließlich Ovid der ernste Gelehrte und gläubige Christ.
Der Mann, der ein frivoles Jugendleben genossen und geschildert, ganz in
der Welt sich bewegt hat, schließt als gen Himmel Strebender mit einem
Gebet an die Jungfrau Maria. De Vetula vereinigt die drei Typen, und
darin liegt eine der Besonderheiten dieses auch in den Einzelheiten
eigentümlichen Werkes. Nun sind dem mittelalterlichen Menschen die
Freiheiten und Frechheiten des leichtlebigen antiken Dichters nicht mehr
Steine des Anstoßes, sondern Marksteine der Entwicklung, die im echten
Christentum mündet. Wenn man seitdem im 13. und namentlich im
14. Jahrhundert Ovid einen christlich gefärbten Sittenspiegel”®) verfassen,
wenn man ihn zum Schluß seiner Metamorphosen zum dreieinigen Gott
beten läßt3%), wenn man dasselbe Fabelwerk allegorisiert und moralisiert,
so sind das bezeichnende Versuche, Ovid in den Dienst der mittelalter-
lichen Sitten- und Glaubenslehre zu stellen, die schon in der ersten Hälfte
des 13. Jahrhunderts Richard de Fournival durch eine fast geniale Fiktion
übertroffen hat.
16 Pseudo-Martialis
Von den anderen römischen Dichtern, die im Mittelalter bei neuen Er-
zeugnissen Gevatter standen, sei noch einer, der Epigrammatiker Martia-
lis genannt. Auch er war bereits in der Antike nachgeahmt und verfälscht
worden. Größtes Ansehen erlangte er im ı2. Jahrhundert, zumal bei den
zu Witz und Satire geneigten Engländern. Der eigenartige, eigensinnige
Giraldus Cambrensis, der unter Heinrich II. von England lebte, zitiert
in seinem Buch über Fürstenerziehung zweimal (Buch I, Kap. ı8) den
echten Martial als ‘Martialis cocus’ und bezeugt durch eine Anekdote die
Beliebtheit des Dichters. Derselbe Giraldus führt aber im gleichen Werke
unter Martials Namen Verse an, von denen der moderne Herausgeber
G. F. Warner 1891 mit Recht, jedoch allzu wortkarg bemerkt:®!) “Die
Verse stehen nicht bei Martial’. Eine Fülle von Pseudo-Martialversen
findet man dann in den 30er und 4oer Jahren des 13. Jahrhunderts bei
Albertanus von Brescia in christlich moralphilosophischen Traktaten®2),
im Anfang des 14. Jahrhunderts bei Jeremia da Montagnone in seiner
Sentenzensammlung®?) und bei-dem Anonymus des Veroneser Florilegs®®)
von 1329, das namentlich wegen der Anführung von Catull und anderen
seltenen Autoren bei den Philologen Beachtung gefunden hat. Alle diese
Verse, auch die von Warner veıgeblich bei Martial gesuchten, stammen
von einem mittelalterlichen Autor, einem um Iıoo dichtenden Gottfried
von Winchester. Daß man sie unter dem Namen des Martialis oder Mar-
tialis cocus gehen ließ, wird begreiflich, wenn man sieht, daß Gottfried
mit unverkennbarem Geschick den alten Epigrammenkünstler bewußt
nachgeahmt hat.3) Von Fälschungsabsicht zu sprechen wäre falsch. Wir
haben Hss., z. B. einen Codex Parisinus, die den Martial nachahmenden
‘Liber proverbiorum’ richtig und offen als Werk Gottfrieds bezeichnen.
Ein anderes Manuskript, in Florenz, nennt dagegen den Verfasser Mar-
tialis, fügt allerdings vorsichtig hinzu: si sua sunt. In beiden Über-
lieferungsträgern geht unmittelbar der wahre Martialis voraus.®) Bei
dieser Verbindung und der tatsächlichen Verwandtschaft und Ähnlich-
keit der alten mit den neuen Epigrammen lag es für die mittelalterlichen
Benutzer, die nicht an literarhistorische Kritik gewöhnt waren, nahe, die
Martialimitation Gottfrieds einfach unter Martials Namen anzuführen.
Das Mittelalter wegen solcher Irrtümer und Willkürlichkeiten zu ver-
spotten, wäre unbillig. Selbst im ıg. und 20. Jahrhundert noch haben
berufene und geschulte Kritiker in mehr als einem Falle für antik ge-
halten, was erst im Mittelalter oder in der italienischen Renaissance
entstanden war. An einem Beispiel kann ich Ihnen das gleich zeigen.
Sie wissen, daß frühzeitig etliche Schriften nach Apuleius benannt
worden sind, die nicht von dem afrikanischen Platoniker und Rhetor
Apuleius herrühren. Ich erinnere an das hermetische Gespräch Asclepios,
Pseudo A 7
an die Kräuterbücher. Sie alle sind noch im Altertume entstanden. Frag-
mente eines Apuleiuswerkes über Orthographie, die in der Renaissance
auftauchten und Jahrhundertelang für antik gehalten wurden, sind von
J. N. Madvig®”) und O. Crusius®®) als freche Fälschungen eines italieni-
schen Humanisten, wahrscheinlich des Caelius Rhodiginus, gebrand-
markt worden. Mit diesen Bruchstücken hat vor rund einem Säkulum
Friedrich Osann den sogen. Apuleius Minor herausgegeben®®), vermeintlich
als erster, faktisch, nachdem man schon im 15. Jahrhundert diese unter
dem Namen Apuleius gehenden Abhandlungen Denota aspirationis und De
diphthongis gedruckt hatte.?%) Über sie ist Verschiedenes zu sagen, das
weiterführt. 1827 behauptete Grotefend?!), sie wären nicht vor 1327 ge-
schrieben, Th. Birt??) setzte sie IgoI nach 1400 an. Dagegen gaben Teuf-
fel®3), Sabbadini®*) u. a. als Entstehungszeit ‘um das 10. Jahrhundert’ bzw.
‘frühestens Io. Jahrhundert’ an. Bei M. Schanz?5) aber war seit 1905
zu lesen, die Traktate gehörten noch dem Altertume an. Welche Datie-
rung hat zu gelten? Die Ansicht und Behauptung von Schanz ist leicht
zu widerlegen. Da in diesem Pseudo-Apuleianum Papst Gregor der Große
‘ und Isidor von Sevilla, also Schriftsteller des 6. und 7. Jahrhunderts,
zitiert werden, so scheidet das Altertum. ohne weiteres aus. Andererseits
haben Grotefend und Birt die Traktate viel zu jung gemacht. Grotefend,
weil er sagt, laut Rhodiginus zitiere Apuleius den Griechen Maximus
Planudes, dererst 1327 ins Abendland gekommen wäre. In Wahrheit wird
Planudes, der nach neueren Forschungen schon 1296 in Venedig erschien,
nicht in den Einzelschriften über dieAspiration und die Diphthonge, son-
dern in jenen Fragmenten angeführt, die erst gegen Ende des 15. Jahr-
hunderts erdichtet worden sind. Birts Datierung stützt sich auf das
scheinbare Vorkommen von Erichthonius und Phthia mit doppelter
Aspirierung bei Pseudo-Apuleius, was nach W. Schulze®) erst im Quattro-
cento üblich geworden wäre. Ich halte dieses orthographische Zeitsym-
ptom für trügerisch. Ist die Doppelaspirierung allgemein auch wirklich
erst nach 1400 Gewohnheit der Gelehrten geworden, so doch vorher
weder unmöglich noch ungebraucht. Ich kenne einige Belege aus dem
Io. Jahrhundert?”) und bin überzeugt, daß man bei längerem Suchen noch
weit mehr Zeugnisse für die praktische Verwendung finden wird. Daß
den mittelalterlichen Theoretikern das Nebeneinander zweier Aspira-
tionen nicht fremd war, kann ich einem orthographischen Traktat des
Codex Monacensis Lat. 21566 vom Anfang des 13. Jahrhunderts ent-
nehmen, wo es fol. 12" heißt: h muta non potest esse, quia bis ponitur in
eadem sillaba cum duabus mutis, ut Phythius, Erichthonius. Die reiche
handschriftliche Überlieferung jener Pseudo-Apuleiana ist zwar jung.
Mir sind bisher nur Hss. aus dem 15. Jahrhundert bekannt geworden.
Studien der Bibliothek Warburg 13. Heft: Lehmann 2
18 Johannes de Janua; Roger Baco
Und wir dürfen als den Entdecker der Texte den Liebling Bessarions,
einen Schüler von Vittorino da Feltre und Guarino, nämlich Niccolo
Perotti ansehen, der sich späterhin als Metriker und Grammatiker einen
großen Namen gemacht hat. In Rom®®) soll das Original seiner Abschrift
liegen. Sie und Kopien von ihr machen durch ihre Unterschrift: Apdulei
fragmentum de dibhthongis, quod in vetustissimo codice repertum_ est,
finit foeliciter per Nicolaum Perottum, quum Ferrarie abud magnificum
ei generosissimum virum A. Gulielmum CR. esset duodevicesimumgue
aetatis suae annum ageret, wahrscheinlich, daß die Pseudo-Apuleiana erst
1447/48 in die Renaissanceüberlieferung eingeführt sind. Der in der
Subscription genannte ‘Gulielmus CR’ ist meines Erachtens der vornehme
und reiche Engländer William Grey, der, gleichfalls Schüler Guarinos,
den armen und jungen Perotti in Ferrara in sein Haus aufnahm, nicht den
20jährigen Perotti, wie G. Voigt schreibt, sondern bereits den 18jährigen.
Daß er und andere Humanisten sowohl durch den Autornamen wie
durch den Inhalt angezogen wurden, ist begreiflich. Ob aber Perotti die
Schriften für antik gehalten hat; vermag ich zur Zeit nicht zu sagen.
Jedenfalls sind die Schriften nur scheinbar antik und, was wir in diesem
Falle Perotti verdanken, ist nicht ein Neufund, sondern eine Wieder-
entdeckung.
Zum mindesten schon der italienische Dominikaner Johannes de
Janua kannte, was meist — nicht immer — übersehen wird, die Schriften
und zitierte siein seinem I286 abgeschlossenen Catholicon unter viermaliger
Nennung von Apuleius.®) Außerdem glaube ich auffällige Übereinstim-
mungen mit Sätzen desOpus tertium und anderer Werke von Roger Baco01%)
entdeckt zu haben. Hat Pseudo-Apuleius Roger Bacos Werke heran-
gezogen, so ist er zwischen dem Opus tertium und dem Catholicon, d.h.
zwischen 1267 und 1286 anzusetzen. Nimmt man umgekehrt Benutzung
durch Roger Baco an, kommt man vor das Jahr 1267. Möglich ist frei-
lich, daß Baco und Apuleius eine gemeinsame Quelle haben. Nach dem
Dominikaner des 13. Jahrhunderts, aber vor Perotti benutzte 1417 der
Karthäuser Oswald Ps.-Apuleius, dessen Bemerkungen mit denen des
Catholicon zusammenschweißend.!%t) Daß man die Traktate bis ins
Io. Jahrhundert hinaufrücken dürfte, glaube ich nicht, ohne einstweilen
dafür festzwingende Gründe nennen zu können. Dem Gesamteindruck
nach passen sie m. E. schlecht in so frühe Zeit und auch Einzelheiten wie
die Besprechung des ‘usus modernus’ michi und nichtl statt mihi und
nihil zu schreiben, spricht für spätere Entstehung. Erst seit dem ıı. Jahr-
hundert kommt jene in der Antike und im Frühmittelalter nur gelegent-
lich angewandte Schreibweise, die man im Io. Jahrhundert schwerlich
eine moderne Gepflogenheit gescholten hätte, massenhaft in Schrift-
Michi und nichil; Varro Ig
stücken aller Art vor!) und führt nun bei den Grammatikern, bei dem
Priscianerklärer des 12. Jahrhunderts Petrus Helie!®), bei Roger Baco!%%)
u.a. zu lebhaften Diskussionen, die dann im 15. Jahrhundert von den
Humanisten in anderer Weise und noch heftiger, unduldsamer fortgesetzt
werden. Ich denke mir das 13. Jahrhundert als Entstehungszeit, lasse
jedoch bis auf weiteres Spielraum vom II.—ı3. Jahrhundert. Das Ent-
stehungsland ist für mich Italien. Die Worte: Ita Heinricus, Humber-
tus ei quaedam alia virorum nomina, quae moderno tempore a transalbinis
accebimus, aspiramus, quontam constat testimontüs eiusdem linguae peri-
forum, quod haec nomina ab eisdem Iransalpinis non sine aspiratione
spiritus proferantur (Ösann S. 112) sind dieeinesmittelalterlichen Italieners.
Vielleicht — mehr als vielleicht sage ich nicht — ist er im Kloster Monte-
cassino oder nicht weit davon zu suchen. An der Spitze der Überlieferung
von Apuleius’ Apologie, Metamorphosen und Florida steht eine Cas$ineser
Hs. saec. XI. Auf diesen Codex Laurentianus gehen alle erhaltenen Manu-
skripte mit jenen Werken in irgendeiner Weise zurück. Ich kann mir vor-
stellen, daß ein mittelalterlicher Grammatiker Süditaliens unter dem Ein-
druck, den im Wirkungsbereich Montecassinos das Wiederfinden oder
Vorhandensein der echten Apuleiusschriften gemacht haben wird, seine
eigenen Arbeiten mit dem die Beachtung sichernden Autornamen Apuleius
versah. Gerade an Montecassino zu denken veranlaßten mich noch andere
überlieferungsgeschichtliche Beobachtungen. Bekanntlich ist die für
Varro de lingua latina maßgebende Hs. Laur. LI 10, aus der allein man
erst in der Renaissance den Text verbreitet hat, ein Casinensis des aus-
gehenden ıı. Jahrhunderts, und der ältere Auszug im Paris. Lat. 7530
stammt seinen süditalienisch-beneventanischen Schriftzügen nach eben-
falls aus Montecassino oder aus seiner Nähe. Nach der Behauptung. von
Georg Goetz und Friedrich Schoell!P5), die uns die beste kritische Aus-
gabe geliefert haben, hätte niemand im Mittelalter Varro direkt benutzt
außer Petrus Diaconus von Montecassino. Alle Varrozitate bei anderen
mittelalterlichen Schriftstellern wären aus bekannten Mittelquellen wie
Priscian und Isidor geschöpft. Diese Behauptungen sind deshalb unrichtig,
weil sie einen, freilich noch ungedruckten, frühmittelalterlichen Orosius-
kommentar!®), und vor allem Pseudo-Apuleius unberücksichtigt lassen.
Da dieser mehrere Varrostellen hat!), die sich nicht mit Zitaten beiälte-
ren Schriftstellern decken, dürfen wir annehmen, daß Pseudo-Apuleius
direkt eine Varro-Hs. herangezogen hat. War das damals anderswo als in
Montecassino oder einer Montecassino benachbarten Bibliothek möglich ?
Es scheint nicht so. Freilich ergeben sich aus der Vergleichung der Var-
rostellen des Ps.-Apuleius mit dem Cassineser Text einige Schwierigkeiten.
Doch dürften sie durch die Annahme zu beheben sein, daß Ps.-Apuleius
2#
20 Pseudo-Fulgentiana
den Varronischen Wortlaut nachlässig wiedergegeben und einige Beispiele
hinzugefügt, diese. aber nicht als Zutaten kenntlich gemacht hat. In
dieser Erklärung der Diskrepanzen stimme ich mit Th. Mommsen!®) und
Th. Birt!%) überein, die ganz nebenbei zu den pseudo-apuleianischen
Varrozitaten Stellung genommen haben. Nun der mittelalterliche Ur-
sprung der Traktate gesichert ist, werden die Varrokritiker nicht umhin
können, die Stellen endlich einmal gründlich zu prüfen und das Auf-
tauchen Varros bei Pseudo-Apuleius überlieferungsgeschichtlich zu er-
klären. |
An Apuleius reihen wir einen anderen Afrikaner, Fulgentius, der
ins 5./6. nachchristliche Jahrhundert gesetzt wird. Für verloren gilt sein
Physiologus. Es gibt zwar in einer Münchener Handschrift vom Jahre
1387, CLM. 8979, einen ‘Fulgentius de naturisrerum’, der zur
Physiölogusliteratur gehört. Indes werden in seinem Texte mittelalter-
liche Autoren wie Isidor, Beda, Hrabanus Maurus zitiert, und aus anderen
Codices ist zu ersehen, daß der Verfasser in Wahrheit Hugo geheißen hat,
wahrscheinlich Hugo de Folieto, ein französischer Theologe des ı2. Jahr-
hunderts, gewesen ist.11%) Wer in diesem Falle Fulgentius statt Hugo
schrieb, hatte sich vielleicht jener Worte erinnert, die der echte Fulgen-
tius über seinen — heute verschollenen — Physiologus ausgesprochen
hat.!!!) Übrigens wird auch die Expositio Virgilianae continentiae des
Fabius Planciades Fulgentius gelegentlich ‘Physiologia’ genannt.!!2) Eine
bewußte betrügerische Verfälschung der Autorschaft bedeutet die Adap-
tion des Namens Fulgentius schwerlich. Wir können mehr als einmal be-
obachten, daß die Bezeichnung Fulgentius im Mittelalter fast zum Gat-
tungsnamen für allegorische Auslegungen geworden ist. Es gibt nament-
lich aus dem 14. Jahrhundert mehrere durch viele Hss. überlieferte Aus-
züge und Erweiterungen der Mythologiae des Fulgentius, die oft kurz-
weg zum Titel haben ‘Fulgentius de imaginibus deorum’ und
dgl. Ihre wirklichen Autoren sind Alexander Neckam, Johannes Ridewall,
Robert Holkot u.a. Auch die sogen. Mythographi II und III werden
zuweilen ‘Fulgentius fabularum’ genannt und Sätze aus ihnen als ful-
gentianisch zitiert, die doch anderer Herkunft sind. Die außerordentlich
schwierige Erforschung der in der Tradition oft mit Fulgentius verknüpf-
ten, moralisierenden Bilderbücher der heidnischen Götterwelt, wichtig
auch für Literatur und bildende Kunst der Renaissance, ist namentlich
durch Professor A. Warburg selbst, dann durch den ebenso gelehrten wie
emsigen Warburgbibliothekar F. Saxl!12) und auf ihre Anregung hin durch
H. Liebeschütz!!#) sehr gefördert worden. Obwohl ich auch über Liebe-
schütz’ Forschungen noch vor diesem — am 29. November 1924 gehaltenen
—- Vortrage unterrichtet worden bin, möchte ich hier nicht näher
Pseudo-Fulgentiana | | 21
darauf eingehen, nur die Hoffnung aussprechen, daß den Problemen
weiter nachgegangen wird. Über die Verfasser der behandelten Werke, z.B.
über Robert Holkot, ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Ungeklärt
ist ferner manches Zitat der Texte. Sowohl in den mit ‘Narrat ma-
gister’ wie in den mit ‘Refert Fulgencius’ beginnenden ‘Imagines
virtutum et viciorum secundum Fulgencium’ werden Titel angeführt,
mit denen ich einstweilen nichts Rechtes anzufangen weiß: ‘Ful-
gencius de ornatu orbis’, ‘Fulgencius libro de contemptu mundi’. Man
muß natürlich damit rechnen, daß unter anderen Namen bekannte Werke
anderer Verfasser hier und da als Fulgentiusschriften gehen, daß Schrift-
steller verwechselt wurden, die ähnliche Gegenstände behandelten und
oft schon in den Kopien vereinigt waren, z. B. Fulgentius der Mytho-
graph und Honorius Augustodunensis!!5), weiterhin damit rechnen, daß
echte Fulgentiana einen auffälligen nicht sofort erklärbaren Titel erhalten
haben. Verhältnismäßig schnell konnte ich einen ‘Fulgentius de fugiendis
litteris’ in Pommersfelden!!®) mit Fulgentius deaetatibus mundi et hominis
identifizieren. Dagegen konnte ich über einen 1412 bei Amplonius
Ratinck befindlichen Kommentar des Fulgentius zu Martianus Capella!!”)
noch nicht ins klare kommen. Es könnte dort Fulgentius für Alexander
Neckam stehen.!!18) An sich ist die Verknüpfung der beiden mit der Alle-
gorie arbeitenden Mythographen Afrikas begreiflich. Und entschuldbar
ist bis zu einem gewissen Grade, daß 1424 in der Enzyklopädie des Arnold
von Rotterdam der Mythograph Fulgentius zu den Historikern gerechnet
ist!19), entschuldbar, wenn der Rotterdamer sich z. B. auf Robert Holkot
gestützt hat, der in Kap. XX seiner Moralitates eine bildliche Darstellung
Amors einleitet mit den Worten: Habet Fulgentius in libro quodam de
gestis Romanorum. “Gesta Romanorum’ war im späten MA. häufig gleich-
bedeutend mit römischer Geschichte. So wird das Werk des Titus Livius
gern Gesta Romanorum genannt. Noch häufiger ist G. R. der Titel des
in verschiedenen Fassungen überlieferten Geschichtsbuches, das Hun-
derte von moralisierten oder moralisierenden Parabeln, Fabeln aus alter
und neuer Zeit römischer und nicht römischer Historie bringt, nicht ein
Geschichtswerk, sondern ein Unterhaltungsbuch mit didaktischer Ten-
denz. Fulgentius hat weder diese Gesta Romanorum noch eine wirkliche
römische Geschichte geschrieben. Aber die echt fulgentianischen 'My-
thologiarum libri’ und die aus ihnen schöpfenden Götterbücher, die unter
- Fulgentius’ Namen gingen, haben für die Gesta Romanorum Stoff gelie-
fert und sind auch in der Überlieferung zuweilen mit den Gesta Ro-
manorum verbunden!?®), so daß wohl einer meinen konnte, Fulgentius
hätte selbst ‘De gestis Romanorum’ geschrieben.
Ich begann meine Ausführungen über die Pseudo-Fulgentiana, indem
22 Fulgentius de musica
ich an die verlorene echte Physiologie des Afrikaners F. erinnerte. Aus
einer anderen verlorenen Schrift desselben Mannes über Musik sollten
nach K. Sittl in der Bibliotheca Vallicelliana zu Rom Bruchstücke vor-
handen gewesen sein. Ich habe diese vermeintliche Entdeckung, die so-
gar in der 6. Auflage von Teuffels Römischer Literaturgeschichte ($ 480,
3) und im letzten Bande von M. Schanz (S. 204, Berichtigung S. 353)
einer Erwähnung gewürdigt ist, in der Berliner Philol. Wochenschrift!?!)
abgetan, als ich die angeblich verschollene Hs. wieder aufgespürt hatte.
Es handelt sich um einen mittelalterlichen Auszug aus den Mythologiae,
der nichts aus eigenem hinzutut, sich selbst gar nicht als ein besonderes
Werk ausgibt, vielmehr deutlich genug als excerptum ex libro de ficticiis
boetarum bezeichnet ist. Zufällig wird nun noch ein anderer musiktheore-
tischer Traktat in einigen mittelalterlichen Hss. (z. B. Erfurt Amp]. 8° 93
u. 94) Fulgentius zugeschrieben. Nicht die ganze Überlieferung teilt diese
Autorbezeichnung, die bestimmt falsch ist. Aus dem Prolog!2) geht her-
vor, daß die Schrift nur einem Fulgentius gewidmet, von einem Johannes
verfaßt ist. Dieser scheint ein Engländer des 11./12. Jahrhunderts gewesen
zu sein und John Cotton geheißen zu haben.12?) Wer mit Fulgentius ge-
meint ist, hat sich noch nicht ganz sicherstellen lassen. Nach der Auf-
schrift einiger Codices1?4) wäre er englischer Bischof gewesen. Da sich in
den Bischofslisten kein Kirchenfürst dieses Namens findet, könnte man
in Fulgentius einen ehrenden Beinamen sehen und sowohl daran erinnern,
daß die Engländer mit Bei- und Spitznamen frühzeitig zur Hand waren,
wie daran, daß auch anderwärts mit Fulgentius in Erinnerung an den
alten Schriftsteller und an die Bedeutung des Wortes ‘fulgere’ gespielt,
bereits im 9. Jahrhundert der Häretiker Gottschalk ehrend Fulgentius
genannt worden ist.125) Vielleicht nennt aber trotzdem Johannes Cotto
den Mann, den er durch sein musiktheoretischesWerk ehrt, mit dem Haupt-
namen Fulgentius. Da käme vor allem der erste Abt des brabantischen
Benediktinerklosters Afflighem Fulgentius (1088—ı122) in Betracht !?®).
Eine Schwierigkeit darf allerdings nicht leicht genommen werden:
in einem Teil der Überlieferung heißt es innerhalb der Widmung Anglo-
rum anüisti oder Anglorum ebiscobo. Sind die Handschriften gründlicher
als bisher durchforscht, dann wird man es vielleicht wagen können in
Anglorum eine falsche nachträgliche Auflösung von A. oder AFFL gleich
Affligensium der Vorlage zu sehen, eine Auflösung, die durch die gelegent-
liche Bezugnahme des Textes auf die ‘Angli’ nahegelegt war. In die Zeit
des Fulgentius von Afflighem paßt Johanns Werk nach dem Stande seiner
musiktheoretischen Meinungen und nach der äußeren Bezeugung. Am
frühesten wird er durch den Prüfeninger Liber de viris illustribus (An-
onymus Mellicensis um I140, cap. LIX: Johannes musicus natione Angli-
——.
Valerius de non ducenda uxore 23
cus vir admodum subtilis ingenii fuit, qui et libellum Prestantissimum de
musica arte composuit erwähnt. Beziehungen eines Engländers zu einem
belgischen Abte sind’nichts Auffallendes. Dagegen schwebt die im An-
schluß an Johannes Trithemius versuchte Identifizierung mit einem um
1050 lebenden Scholasticus Johannes von St. Mathias in Trier!?”) ganz in
der Luft. Den englischen Ursprung des Johannes Cotton aufzugeben,
haben wir keinen Grund.
Mit den Engländern werden wir es auch im Folgenden mehrfach zu
tun haben. |
Unter den Briefen des hl. Hieronymus steht in den Drucken, z.B.
in Mignes Patrologie!2®), und in einigen jungen Hss. eine ‘Epistola Valerii
ad Rufinum de non ducenda uxore.’ Sie ist keineswegs aus der Feder
des Kirchenvaters geflossen. Wir sehen in Valerius einen Decknamen.
Im Mittelalter, das außerordentlich großes Gefallen an der misogynen
Briefabhandlung fand, sie vom 13.—I5. Jahrhundert sehr oft abschrieb
und verschiedentlich lang und breit erklärte, hielt man Valerius, durch den
Namen und den anekdotischen Inhalt verführt, für einen antiken Schrift-
steller. Sz autem queritur quis fuit isie Valerius et hic Rufinus, videtur
mihi adpresens Romanus fuisse et eundem fuisse Valerium qui historias
Romanorum prosaice scripsit, non Valerium Martialem poetam schreibt
ein anonymer Kommentator!2?), ein anderer sagt noch klarer!?%) Tal:
affeccione el dileccione scridsit Valerius Maximus epistolam amico suo
Ruffino ad consulendum et exhortandum ne duceret uxorem. — — —
Iste Valerius scripsit de memorabilibus dictis ei factis Romanorum usw.
Auch Thomas de Hibernia im ‘Manipulus florum’ und andere identi-
fizieren den Briefschreiber mit dem antiken Valerius Maximus. Dagegen
bemerkt Nicolaus Triveth!?!), ein namhafter englischer Schriftsteller,
der bis 1328 lebte: Sciendum, quod tres fuerunt Valerii et omnes erant
Romani. Unus erat Valerius Marcialis cocus, qui fecit ebigrammata lu-
dicra. Alius fuit Valerius Maximus, qui scripsü de dictis et factıs memo-
yabılıbus ad Tiberium Cesarem. Tercius fuit ıste Valerius et non fuit idem
alicui primorum, licet auctor manipuli florum dicat eum esse secundum
predictorum. Rufinus fuit bhilosophus ei Romanus. Ohne die Zuwei-
sung an Valerius Maximus zu billigen, hält Tr. am altrömischen Ursprung
fest. Daß das Werkchen im Mittelalter von einem seiner englischen
Landsleute verfaßt war, ahnte der gelehrte Dominikaner nicht. Sogar
moderne Forscher waren von der Wahrheit noch reichlich weit entfernt,
so Lucian Müller!#), als er die Briefabhandlung ins 6. Jahrhundert
setzte. Man muß sechs Jahrhunderte dazu rechnen, um zu dem richtigen
Urheber, .zu Walter Map, zu kommen. Map konnte solange verkannt
werden, da in der überaus reichen Einzelüberlieferung des Briefes fast
24 Walter Map, De nugis curialium
immer nur Valerius steht. Eine einzige Hs. hat die Aufschrift Eistola
mag. Walteri Map ad quemdam socium suum, ul dicit, uxorari volentem.
Selbst dieser Angabe wäre nicht zu trauen, zumal da auch sonst Werke,
namentlich poetische, unter Maps Namen gehen, die nicht von ihm sind.
Jedoch bezeugt Walter Map, der bis in die ersten Jahre des 13. Jahr-
hunderts am englischen Königshofe, als geistlicher Würdenträger in
Oxford und anderswo lebte, ausdrücklich von dem sicher von ihm her-
rührenden auch nur in einem Codex überlieferten Werke ‘De nugis curia-
lum’, daß er den Brief fingiert hat. Er berichtet von einem philo-
sophisch gebildeten Freunde, den er nach langer Trennung wieder ge-
sehen und ganz verändert, einsilbig, bleich, verstört gefunden habe.
Wodurch dieser Wandel? Uxorari tendebat! Walter habe mit ihm spre-
chen wollen, sei aber nicht angehört worden; u? omnes amicicie vices
implerem, ebistolam ei scribsi, mutatis nominibus, me qui Walterus sum
Valerium vocans, idbsum qui Johannes est et ruffus Ruffinum, pretitulavi
ebistolam sic ‘Dissuasio Valerii ad Ruffinum philosobhum ne uxorem
ducat’. Nach Hintons!#) Untersuchungen ist das betreffende Stück
von Maps De nugis curialium Sept. ıı8r fertiggestellt worden. Den
Brief allein hatte Walter schon früher veröffentlicht. Sein Freund Petrus
“von Blois!%#) hat ihn sehr bald nach Erscheinen literarisch benutzt,
wie andererseits Map manches Peter verdankt. Daß man die Brief-
abhandlung gern gelesen und abgeschrieben, aber seine Autorschaft be-
zweifelt hätte, erzählt Map selbst (p. 158): Scimus hanc placuisse multis,
avide rapitur, transcribitur intente, blena iocunditate legitur. Meam tamen
esse quidam, sed de plebe, negant. Epistole enim invident, decorem suum
ei violenter auferunt et auctorem. Hoc solum deliqui, sed vivo. Verump-
tamen hoc morte mea corrigere consilium non habeo. Und dann spricht er
mehr spottend als klagend über die Unsitte, neue Schriften, weil sie neu
sind, geringer zu schätzen als alte. Mit Rücksicht darauf habe er sich
seinem Werke als Darsteller einer früheren Zeit ausgegeben usw.
Das vor der Ehe warnende Schreiben dieses Valerius-Walter ist voll
von Beispielen, Belegen, Berichten aus der biblischen und der griechisch-
römischen Überlieferung. Manches ist aus der Heiligen Schrift selbst,
anderes aus Hieronymus und Augustinus, anderes aus Ovid, Vergil,
Horaz, Juvenal, Aulus Gellius, Cicero, Martial, Martianus Capella ge-
nommen. Für mehrere Namen und Anekdoten ist die Quelle noch nicht
wiederentdeckt, obwohl danach gesucht ist, namentlich vom letzten
Herausgeber M.R. James, von James Hinton!#) und natürlich auch
von mir. Daß Map alles, was wir heute nicht bei früheren Autoren be-
legen können, einfach aus der Luft gegriffen hätte, glaube ich nicht.
Wenn er z. B. den Mann, der Caesar kurz vor seiner Ermordung gewarnt
Caecilius Balbus und Flavianus 25
haben soll, Tongillus oder Tongtlius nennt, so widerspricht das zwar
der antiken Überlieferung. Aber erfunden ist der verhältnismäßig seltene
Name nicht. Bei Juvenal (VII 130) kommt ein sonst unbekannter auf-
spielerischer Protz Tongilius, bei Martial (II 40) ein Tongilius vor, der
sich krank stellt, um von seinen Freunden Leckerbissen zu erhalten!?),
und in verschiedenen alten Glossaren!?”). erscheint ein Parasit jenes
Namens. Martial und Juvenal waren Map gut bekannt. Ob er den
Namen direkt von ihnen übernommen hat oder auf anderem Wege dazu
gekommen ist, läßt sich kaum sagen. Wir stehen bei Map in einer Sphäre,
wo man sich gern mit Fetzen und Federn aus der antiken Literatur
schmückte und dabei nicht von vielen Skrupeln sich stören ließ.
So wäre hier.der Platz, ausführlich von zwei angeblich antiken Schrif-
ten zu reden, die im ı2. Jahrhundert auftauchten und in neuerer Zeit
die klassische Philologie beschäftigt haben: Ich meine CaeciliusBalbus
de nugis philosophorum, dessen Entdeckungsgeschichte mit Hamburg
verknüpft ist, und Flavianus de vestigiis et dogmate philosophorum.
Beide werden bei Johann von Salisbury (f 1180) angeführt3®) und bringen
allerlei Aussprüche und Geschichten ausdem Altertum. Seitdem A. Reiffer-
scheid im Rheinischen Museum!#®) streitbar und siegreich gegen E. Wölff-
lin auftrat, leugnet man mit guten Gründen die Existenz eines antiken
Schriftstellers Caecilius Balbus. Dagegen ist durch Eduard Wölfflin, Wil-
helm Meyer!@%), Scheibmaier!#) u. a. richtig gezeigt worden, daß das
Material, dem Johann v. Salisbury den Namen Caecilius Balbus beigegeben
hat, mit wirklich alten Sentenzensammlungen zusammenhängt. Die Un-
tersuchung dieser wie anderer Spruchsammlungen ist freilich noch weit
vom Abschluß entfernt. Darum gehe ich auf die Probleme, die sich an
sie und Caecilius Balbus knüpfen, nicht weiter ein. Bei Flavianus hat
man Johann von Salisbury weit mehr Glauben geschenkt. Die meisten
Gelehrten identifizieren ihn mit Virius Nicomachus Flavianus!@), der
um 400 n.Chr. lebte. Johann von Salisbury soll tatsächlich ein sonst
verschollenes Werk dieses Mannes ‘De vestigns et dogmate philoso-
phorum’ gekannt und benutzt haben. Wenig beachtet wurde, daß
Valentin Rose1%), der doch ein beachtenswerter Gelehrter war, die
Meinung ausgesprochen hatte, es handle sich um ein Werk desjenigen
Flavian, den der Langobarde Paulus Diaconus im 8. Jahrhundert seinen
Lehrer genannt hat. Für mich ist die Flavianusfrage keineswegs gelöst.
Es kann auch ein viel späterer Flavianus gemeint sein. Der Name Flavian
kommt mehr als einmal vor. Ja, an einen Decknamen für einen mittel-
alterlichen Schriftsteller oder Sammler zu denken, ist durchaus nicht
absurd; ein englischer Bibliothekskatalog!) des 15. Jahrhunderts führt
‘Versus Flaviani ad Quintillianum de curia vitanda’ auf. Dieser Flavian
26 | Anekdoten und Inschriften
ist doch schwerlich ein echter Zeitgenosse des Rhetorikers Quintilian
gewesen. Stutzig macht mich unter anderem ferner, daß gelegentlich
im 14./15. Jahrhundert, von ‘Flavianus in gestis Grecorum’ gesprochen
wird. Auf ihn berufen sich die leider noch nicht gedruckten und nicht
näher untersuchten Flores morales eines Codex Sangermanensis in Paris.145)
Das ist doch wohl derselbe pseudo-antike Autor, von dem eine Jenaer
Hs. des 15. Jahrhunderts mit der Einführung Hec Flavianus recilat in
Grecorum gestis de urbe Romana’ erzählt, daß auf den vier Toren Roms
je 3x3C, 3x 3F, 3x 3L, 3x 3V in folgenden Versen gestanden
er .146
hätten :'#) Caritas Castitas Combassio refrigescunt,
Census Caro Crudelitas incalescunt,
Consilia Concordia Coniugia evanescunt.
Fortes Fideles Filir regnaverunt,
Ficti Falsi Fatui successerunt,
Fures Fastes Feminei succreverunt.
Lex Latet veritatis sub Livore,
Laus Languet sanctitatis sub Liquore,
Lux Luget civitalis sub Labore.
Vxor Voluptas Vsus prevaluerunt,
Vsura Vates et Vanıtas insonuerunt,
Virtus Vigor et Valor evanuerunt.
Merkwürdigerweise bringen der einzige Textzeuge von Maps De
nugis curlalium in einem Anhang'!#”), der nicht von Map stammen dürfte,
und dann noch zwei andere englische Hss.1#) dasselbe ausführlicher für
Karthago. Da läßt man Hannibal durch Vergil über die Tore und die
seltsamen Verse aufklären. Der Gewährsmann heißt bald Flavianus,
bald Flaccianus, bald Flaccensius, das Werk Gesta Grecorum capıtulo
de prudencia oder Gesta Carthaginiensium. Merkwürdigerweise werden
verschiedentlich noch andere Anekdoten desselben Historikers erzählt. 149)
Sie werden verstehen, daß durch die Nachricht von den Versen eines
Flavianus an Quintilianus, durch die wunderlichen Geschichten von
den Toren Roms bzw. Karthagos meine Bedenken gegen den Flavianus
des Johannes von Salisbury gesteigert sind. Ich gebe zu, daß die Verse
an Quintilian und die Gesta Grecorum nachträglich in Erinnerung an
die Flavianzitate Johanns fingiert sein können. Jedoch passen alle
Anekdoten so in der Art zusammen, daß ich sie ein und derselben Quelle
zuschreiben möchte. Diese mag antikes Gut mit sich geführt haben.
Sie im Ganzen antik zu nennen wage ich nicht. Einstweilen glaube ich,
daß man es mit einer mittelalterlichen Kompilation zu tun hat, zu der
ein Gelehrter etwa des ız. Jahrhunderts unter dem erborgten Namen
Boethius de disciplina scolarium 27
Flavians von überall her Merkwürdigkeiten zusammensuchte und bei
der auch die Phantasie stark mitgewirkt hat. Von Sicherheit oder
Wahrscheinlichkeit kann man weder*gegenüber dem Problem Caecilius
Balbus noch gegenüber dem Problem Flavianus sprechen, wie es auch
noch ungeklärt ist, daß man in alten Marginalnotizen zu Johann von
Salisbury15%) mehrfach einem Schriftsteller Catulus Parmensis begegnet,
der sonst unbekannt ist, vielleicht ein Fiktionsprodukt aus Cassius
Parmensis!5t) und Catullus Veronensis. Ich bekenne mich zur Skepsis
und möchte zweierlei grundsätzlich betonen:
Wir kennen zwar die antikes Erbe und mittelalterliches Neugut ver-
mengenden Sammlungen von Apophthegmen, Sentenzen usw. noch längst
nicht genug und tun deshalb gut, mit Vorsicht Aussprüche und Erzäh-
lungen, die einstweilen nicht durch glaubwürdige Zeugen für das Altertum
belegt sind, ohne Umstände in Bausch und Bogen als mittelalterliche
Fiktionen abzutun. Andererseits ist im Auge zu behalten, daß es im
mittelalterlichen Schrifttum Erfindungen von Literaturwerken undZitaten
und schein- antike Autorenbezeichnungen gibt. Zumal das 12./13. Jahr-
hundert hat derartiges reichlich geliefert, und gerade in England und
Frankreich hat es die humanistische Richtung dieser Zeit geliebt, Deck-
namen aus der Antike zu wählen und die an sich schon beträchtlichen
Kenntnisse des Altertums noch aufzuputzen und aufzufüllen.
Für uns Mittellateiner ist die Betrachtung und Würdigung der seit
dem 12. Jahrhundert stärker in Erscheinung tretenden Neigung, antike
und pseudo-antike Erzählungen, Sentenzen oder auch nur Namen zu
bringen, wichtig unter anderem deswegen, weil wir so manche Werke
der Erzählungs- und der Erziehungsliteratur des späteren Mittelalters
verstehen lernen. |
Es existiert seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine sehr
schnell zu Ansehen gelangte, oft abgeschriebene, in den Schulen und an
den Universitäten bis ins 16. Jahrhundert planmäßig gelesene und er-
klärte, sogar mittelalterlich ins Deutsche und ins Französische über-
setzte lateinische Schrift mit dem Titel Boethius de disciplina sco-
larium!52). Ihre Absicht ist ganz deutlich das Unterrichtswesen, das
Schülerleben, namentlich an der Universität Paris zu kritisieren. Der
Autor ist weder der karolingische Johannes Scottus noch der einen ganz
anderen Stil als der Pseudo-Boethius schreibende Dominikaner Thomas
von Chantimpre& aus dem 13. Jahrhundert, noch der Karthäuser Diony-
sius Rickel vom Ende des Mittelalters, sondern wahrscheinlich ein
Deutscher, der in Paris seine Bildung empfangen hatte und seine päda-
gogischen Erfahrungen und Ansichten in den ersten Jahrzehnten des
13. Jahrhunderts schriftlich niederlegte.e Er hat mir seinen Namen
28 =» Conradus; Gesta Romanorum
durch ein von der Forschung nicht recht beachtetes Akrostichon ver-
raten 153 er ; |
) Consiliabor item gnatgrum solvere carmen,
Obliqua acie surdus ab arce vehor.
Non pudeat struxisse dolos ex aggere sato,
Rumiferos sonitus dum movit ampla seges.
Aderat interdum rabies sontermina pbonto.
Dum loquor, ex quarto capite confer opus.
Uos precor, o iuvenes,. quibus est celebranda iuventus,
Suggerat innocuos nunc mea lyra modos,
also Conradus, dieser gibt sich aber in der Vorrede und im Werke selbst
für den berühmten Boethius des 6. Jahrhunderts, worauf von Roger
Baco ab bis in unsere Tage mancher tüchtige Forscher hereingefallen
ist154), erzählt von seinem angeblichen Studienaufenthalt in Athen und
bringt in oft schwer verständlicher Sprache eine Menge griechisch-rö-
mischer Anekdoten. Keine einzige habe ich trotz eifrigen Suchens in
der antiken Literatur wiedergefunden. Pseudo-Boethius hat sie erfunden
oder aus ganz unbekannten Quellen, die mittelalterlich sein können,
übernommen, nicht aus Freude am Lügen und Lügenhaften, sondern in
jener großen Verehrung des Altertums, die sich bewußt war durch antik
scheinende Beispiele am leichtesten die gelehrte Welt ihrer Zeit fesseln
und belehrend wirken zu können. Mehr über diesen Mann und sein
Werk möchte ich erst dann sagen, wenn meine Forschungen helleres
Licht über die dunkle Schrift verbreiten können.
Aus der sonstigen mittellateinischen Literatur des 14. Jahr-
hunderts, die erzählend erzieherisch sein wollte, die dann, als der päda-
gogische Erfolg abgeschwächt war, in das Fach der Unterhaltungs-
bücher hinübergewandert ist und für Dichter wie Boccaccio, Chaucer,
Shakespeare u.a. dank Mittelquellen noch über Friedrich Schiller und
Walter Scott hinaus eine Fundgrube für Novellen, Romanzen, für Dich-
tungen verschiedenster Art gewesen ist, seien noch einmal die weitver-
breiteten GestaRomanorum genannt, die zuerst auf deutschem Boden
zusammengestellt zu sein scheinen, frühzeitig in England umgearbeitet
sind. Ein einziges Beispiel kann genügend zeigen, wie man da einen an-
tiken Schriftstellernamen verwertet hat: Valerius. Gewöhnlich ist da-
mit Valerius Maximus und seine Anekdotensammlung gemeint, zuweilen
Walter Map wegen seiner Dissuasio Valerii, gelegentlich Alexander
Neckam.155) Und in einigen Fällen vermögen wir den zitierten Valerius
gar nicht zu identifizieren. So soll ein Valerius erzählt haben, daß in
Rom eine alte Säule mit rätselhaften Buchstaben gefunden und als
Weissagung des Untergangs von Rom gedeutet wurde:
_ Rätselhafte Säuleninschrift 29
Refert enim Valerius, quod in Roma vidit in una columbna quatuor
litteras, quarum quelibet ter scribebatur, ires PPP, ires SSS, tres RRR,
tres FFF. Visis literis dixit ‘Heu, heu! Confusionem video civitatis.’ Isti
satrape hoc audientes dixerunt “Magister, dic concebtum tuum!’ At ille
‘Talis est exbosicio hitierarum:
Pater Patrie Perditur
Sapiencia Secum Sustollitur,
Ruunt Regna Rome
Ä Ferro, Flamma, Fuma.’
Et sic factum est. (ed. Oesterley cap. 42.)
Sieht man sich in der Überlieferung um, was vor mir schon
G. Schepss156) ohne Benutzung der Gesta Romanorum getan hat, findet
man dieselbe Anekdote, hie und da variiert, in Handschriften aller Jahr-
hunderte des Mittelalters wieder!5”), kommt vom 14./15. bis ins 8. Jahr-
hundert zurück und erfährt, daß man direkt im Angelsachsen Beda den
Deuter der Inschrift gesehen und seinen Beinamen Venerabilis als Lohn
für die damals vor der Säule bewiesene Weisheit aufgefaßt hat. Zwar
ist Bedas Autorschaft ganz unglaubwürdig, aber daß die bei der ersten
Lektüre so spätmittelalterlich aussehende Anekdote schon in der angel-
sächsischen Überlieferung des 8. Jahrhunderts umhergeht, ist durch die
handschriftliche Überlieferung fest bezeugt. So reichen sich hier Früh-
mittelalter und Spätmittelalter die Hände im staunenden Hinschauen
nach dem antiken Rom, seinem Geistesleben, seinen weltpolitischen
Schicksalen.
Anstelle der wahrhaft großen und lockenden Erscheinungen und
Namen, deren es im mittellateinischen Schrifttum eine Menge gibt, habe
ich Ihnen Werke vorgeführt, deren Verfasser es oft nicht für gut und
klug gehalten haben, sich selbst zu nennen und infolgedessen leicht ver-
kannt sind, Werke, die, für sich allein genommen, zumeist unbedeutend
oder mittelmäßig sind und gewöhnlich erst dann an Interesse gewinnen,
wenn man ihren Zusammenhang mit der Antike und ihre Wirkungen auf
die Umwelt und Nachwelt, auf die sonstige mittellateinische Literatur
und besonders auch ihren Einfluß auf die Literatur der modernen Sprachen
des Abendlandes abwägt. Gegen den Vorwurf, geldgierige oder ehr-
geizige Fälscher gewesen zu sein, kann ich die meisten der behandelten
Verfasser in Schutz nehmen und erinnern an die Zufälle und Mißverständ-
nisse bei der zuweilen erst nachträglich erfolgten Zuweisung an eine be-
stimmte Größe des Altertums, an die Generalisierung der Namen eines
Ovidius, eines Fulgentius, an die Harmlosigkeit der Namensanmaßung
in schriftstellerischen und schülerhaften Übungen, die antiken Autoren
30 | Schlußwort
nachzuahmen und fortzusetzen., Bewußte Fiktionen größeren Stils liegen
vor in Ovidius de vetula, in Boethius de disciplina scolarium, vielleicht
auch in den dunklen Zitaten der erzählenden und moralisierenden Literatur
des Spätmittelalters. Darüber sich entrüsten und aufregen wird nurder,
der vergißt, wie im IQ. und 20. Jahrhundert Gelehrte, die mit den besten .
Hilfsmitteln und Methoden ausgestattet waren, angesichts der mittel-
alterlichen Erzeugnisse ihre Urteilsfähigkeit keineswegs immer in glän-
zendstem Lichte gezeigt haben, vergißt, wie viel törichter oder wie viel
gemeiner in moderner Zeit gar oft plagiiert und gefälscht ist.
ANHANG.
I.
Die Pyramus- und Thisbedichtung des Matthaeus von
Vendöme.
Cambridge, Trinity College Ms. R. 14, 22 (James Ms. 895) fol. 91”—93”,
saec. XIV, fol. gr” in margine: Vindocinencis composuit versus infra-
scriptos. Bei der Entzifferung und Emendation des ungedruckten Ge-
dichtes unterstützte mich mit Eifer und Scharfsinn einer meiner Schüler,
stud. B. Bischoff.
Est amor amoris species et causa cruoris,
dum trahit insanus in sua fata manus.
Piramus et Tisbe duo sunt nec sunt duo, iungit
| ambos unus amor nec sinit esse duos.
5 Sunt duo nec duo sunt, quia mens est una duorum,
una fides, unus spiritus, unus amor.
Esse duos prohibet amor unicus, una voluptas -
et probat alteritas corporis esse duos.
Sunt duo, sunt unum, sic sunt duo corpore, mente
10 unum sicque duos unicus unit amor.
Mente pares, par forma beat, par gracia morum,
par generis titulus, par pietatis honor.
Sunt similes facies, solus dissimilis sexus
audet eos reliquis dispariare pares.
15 Piramus est preclarus avis, presignis honestis
moribus atque puer nil puerile sapit,
provecte non mentis eget proveccio sensus,
miratur teneras degenerare dies,
non fastus vicium mores predatur honestos.
20 Tot bona nequicie non premit ulla lues.
Est titulo morum Tisbe preclara, benigna
alloquio, vultu florida, dives avis,
nature fragilis impungnat crimina sexus;
femina femineum degenerare facit.
25 Pronior in Venerem puericia labitur annis;
ius habet invitus imperialis amor.
32 | Pyramusdichtung des Matthaeus
Hec iuvenem recolit, amat hunc et amatur et una
mens, virtus fecit durius esse malum.
Est Tisbe minus hoc solo perfecta sed evo,
30 sed specie iuvenis esse coacta potest.
“ — Causa fuere mali lascivia, victus, amice
collogquium mentis contigueque domus,
Irritatur amor, sic maior causa furoris,
verbis nec rebus compatiente loco.
35 Crescit amor nec amor, ymmo furor, ymmo furorem
excedit rabies non habitura modum.
Cui paries perfissus erat; sintillula rime
blandos permittit ire, redire sonos
ad votum pia rima facit, largitur amoris
40 | blandicias, risus, murmura vocis iter.
Verba ferunt, effectus abest; si verba sequatur
res, fiet felix copula iustus amor;
lege thori cupiunt iungi, sed dura parentum
cura vetat fieri, quod voluere duo;
4 quod potuere vetare, vetant; ignara vetari
utitur arbitrio liberiore Venus,
augmentatur amor vetitus nescitque teneri
et vetitas gaudet amplificare vias.
Lux coniungit eos, nox separat, unio mentis
so diversi spacio temporis una manet.
Corpora, non animum nox noxia separat, instat
" presentans, quod abest inviolatus amor.
Piramus augmentat Tisbes incendia, nocte
absentem puerum sedula virgo videt,
s5 nocte videt, quod abest, quod abest presentat amanti
et videt in tenebris queque remota Venus.
Nocte decus iuvenis recolit: pia verba, iuvente
florem, cesariecm), colla, labella, genas.
Que memorat bona queque nocent, dum queque recurrit
60 anxietas geminat congeminata malum.
Non minus excruciat iuvenem prestancia Tisbes:
0S rOseum, rixus gracia, frontis honor,
dum recolit Tisbes rixus, decus oris, ocelli
delicias, crines, colla. Perire potest
65 ignis, uterque perit, sic flamma leditur, urit,
uritur, optatur, optat, amatur, amat,
pensatur rabies rabie, par anxietate
anxietas, ignis igne, furore furor.
Mane petit rimam, voto solacia, verbis
35 Cresscit Hs. 61 iuvenis Hs.
Pyramusdichtung des Matthaeus
70
75
80
85
95
oo
105
pretendunt, rime basia blanda premunt,
hinc iuvat, inde nocet, nocet irritando furorem,
sed iuvat alloquium suscipiendo pium.
Nox ingrata venit, periussa licencia vocis
permittens risus, murmura, rima rimat,
da(m)pnat vota locus, qui prestat murmura vocis,
denigrat paries diminuitque bonum;
ingenium male sollicitant rebusque sinistris
plenius anxietas ingeniosa sapit.
Se dolus egroto medicum pretendit amori,
auxilium fraudis postulat egra Venus.
et Veneri fraudis succurrit macina molis,
evolat ad latebras ingeniosa Venus,
ut rebus miseris intersit gracia; nocte
custodes statuunt anticipare suos,
constituunt loca certa sibi, ne noctis euntes
nubila perturbent multiplicesque vie.
Eligitur Nini tumulus, quem morus obumbrat
ardua, poma gerit candida, fronde viret.
Alter ut alterius gressus expectet, amantes
prestituunt placido murmure, pacta place{n)t.
Nec Veneri parere parant hac fraude mederi.
Hac properant votis calliditate frui.
Tisbe prima suos custodes fallit et exit
et tumulum pacta condicione petit,
incomitata gradum carpit, gradientis amicum
comodat in passus luna secreta iubar.
Prima venit nec nocte timet fraudemque fidelis,
femina feminea deposuisse potest.
Resplendens splendore vitro fecundia rivi
graminea tenui murmure serpit humo;
unguibus armatus venit hic fera pessima vultu
torva, cruenta, boum sanguinis plena nimis.
Ex facili mulier timet occursusque ferinos,
devitat fovee proximitate fruens.
33
Nox, lea visa, comes absens, mala queque minantur,
virgineos triplicant hec tria iuncta metus.
Accelerat, venit, accedit fera pessima, rivi
inpuro purum polluit ore decus,
dum revocat saciata pedem, velamina Tisbes
invenit, asspergit sanguine, sternit humi.
Serior egreditur, custodes fallit amicus,
passu nocturnum Piramus haurit iter,
87 Nini] rivi Hs 93 custodes] custodit Hs 108 purum] puro Hs
Studien der Bibliothek Warburg 13. Heft: Lehmann
IiI amicos Hs
3
34 | | Pyramusdichtung des Matthaeus
accelerat tumulumque petit, festinus hanelat,
virgineosque putat accelerare gradus.
us Dum loca pacta petit iuvenis, vestigia sculpta
pulvere precedunt significata fere;
procedit, Tisbes videt velamina sparsa
sanguine, miratur et notat ora timor.
Queque metus metuenda canit, peiora minatur
120 et malus in dubiis esse solet propheta:
coniectura metus, mala peior pessima, spondet
illas virginei sanguinis esse notas.
Tisbes—nec Tisben—cernens velamina crebros
irruit in fletus, unguibus ora secat.
125 Credulitas festina nocet, consuevit habere
effectus fragiles inpetuosa manus.
Dum nescit vivam, que vivit, fallitur, una,
in sua fata reas audet habere manus;
quem tulerat, vite penitralibus ingerit ensem
130 nec dubitat vite prodigus esse sue;
sanguinis unda volat alternatoque colore -
primitus alba facit poma rubere rubor.
Ex caveis gressum maturat virgo timore
optato iuvene commemorare parat.
135 Quem querit, reperit, videt et vidisse cruentum
mesta dolet, subitus occupat ora tremor,
expulsus subito color est pallore, ruborem
legat in exilium vultus, in ore timor,
dat gemitus, secat ungue genas iuvenisque vigorem
140 .ut redimat, morti succubuisse iurat.
Ingnorat, que causa mali, vultumque labellum \
percurrens crebris vultibus ora rigat.
Ut polluta videt sua tegmina sanguine, sensit
se iuveni causas attribuisse necis,
145 visa veste malum geminatur, femina tota
defluit in lacrimas, non dolet, ymmo furit,
dampno dampna parat sectari, vulnere vulnus,
mortem morte, manu mortificare manum.
Rore sinum replet, gemitu loca, “Pirame” clamat
150 singultu voces impediendo suas.
Restat adhuc iuveni vite sintullula, tollit
mortis ab articulo numina fidus amans,
vite reliquias iuvenis producit, amatam
ut videat, visa virgine vita fugit.
155 Visa morte dolet virgo, lacrimatur et ipsa
115 petit pacta Hs 132 rubere] rubore Hs 140 iurat] iuvat As 149 Nore Hs
| Pyramusdichtung Dietrichs 35
vivere turpe putat, mors fugienda placet;
ensem mesta capit et iam moritura resolvit
sic in votivas ultima verba preces:
“Quos mortis sociat modus unicus, unica causa,
160 clades una, locus unicus, una dies,
non disiungat eos tumulus, non audeat ulla,
| quos mors consociat, dissociare manus.’
Sic loquitur gladioque dolens incumbit et ansa
presumit dominam mortificare manus,
165 jacturam geminans compensat funere funus,
equatur pestis peste, cruore cruor.
Non fuit hec frustra votiva peticio Tisbes
effectusque suos optinuere preces.
Sic vita sic morte pares capiunt rogus, urna:
170 urna capit cineres’reliquiasque rogus.
Iam dictos elegos dictans elegia flevit
fletu flebilius compaciente loco,
flendo legat lector; lacrimas lacrimabile, triste
tristiciam, fletum flebile poscit opus.
175 Explicit architrenius.
II
a) Die Pyramusdichtung des Dietrich.
Krakau,!) Univ.-Bibl. Ms. 2115 saec. XV (polnischer Herkunft) p. 543
sqq-. (K 2115); Krakau, Ms. 2141 saec. XV (polnischer Herkunft) p. 128
sqq. (K 2141); Krakau, Ms. 2233 saec. XV (polnischer Herkunft) p.
244 sqq- (K 2233). Die drei Krakauer Hss. konnte ich Dank dem Ent-
gegenkommen der Krakauer Bibliotheksverwaltung mehrere Monate lang
in München benutzen.
St. Petersburg, vormals Kaiserl. Bibl. Lac. XVII, q. 18. saec. XV,
fol. 255 sqq., in fine: finitur Theodricus de Pyramo et Tysbe. Mir nicht
zugänglich. Vgl. Al. Brückner in Rozprawy akad. Umiejetnoscci. Wyd-
zial. filol. Ser. 2, tom. I (Krakau 1892), p. 330.
Wittingau (Böhmen), Fürstl. Schwarzenbergisches Archiv, Ms. A. 4,
saec. XV (böhmischer Herkunft), fol. 61 sqq. Piramus de amore Thisbe.
Mir nicht zugänglich. Vgl. ]. Feifalik in den Sitz.-Ber. d. Kaiserl. Akad.
d. Wiss., Philos.-hist. Cl. XXXIX (Wien 1862), S. 631.
Wolfenbüttel, Landesbibl. Helmst. 622, saec. XV (Erfurter Herkunft),
157 ense Hs
ı) Ich betone nachdrücklich, daß es aller Wahrscheinlichkeit nach noch andere Hss
mit diesem Gedichte gibt.
3*
36 Pyramusdichtung Dietrichs |
fol. 168 sqq. (H). Nach den Drucken von Hart u. Faral von mir benutzt.
Veröffentlichung: Pol. Leyser, Historia poetarum et poematum medi
aevi, Halle 1721, p. 2086 sq. (nur v. I—38 aus H); G. Hart, Ursprung
und Verbreitung der Pyramus- und Thisbe-Sage, Passau 1889, S. 8ff.
2. Teil, Leipzig u. Passau 1891, mit Abdruck (aus H); E. Faral, Re-
cherches sur les sources Latines des contes et romans courtois du
moyen äge, Paris 1913, p. 4I sqq. (aus H). |
Carmina fingo, licet iam nullus carmina curet.
Heu! Quid carminibus prevalet usus opum ?
Nam puer indoctus et adhuc inplumis egensque
doctrine studio carmina scire cupit.
5 Spernitur omnis inops sapiensque parum reputatur,
si non deliciis polleat ipse satis.
Qui nunc pomposis incedit vestibus, ille
creditur esse sciens, nil licet ipse sciat.
Si sapiens egeat nec abundet vestibus honos,
10 multa licet sapiat, non tamen ipse placet.
Non est prudentis hominem cognoscere cultu,
pulcro vestitu nemo probandus erit.
Si lupus induitur prepulcro vellere nequam,
hunc sua nequitia per sua facta probat.
3 Non propter censum quivis probus esse probatur,
non facit esse probum quemlibet agger opum.
Numquam spernatur sapiens, licet huic dominetur
pauperies nimia, post quia dives erit.
Invidus invidia rogo ne mea carmina carpat
20 nec me crudeli rodere dente velit.
Non quia ditari cupiam per munera multa
nec quia sum vane laudis avarus ego,
sed quia torpentem facit omnis inertia mentem,
hos scribo versus, multa nociva fugans.
'Thidericus de amore Tisbe K2115, Tidericus intitulatur de Piramo et Tisbe etc.
K zı4r, Incipit carmen Titiri de Tisbe et Piramo K 2233 ı iam vor fingo K2233
nullus]n’ 7 curet] curat K 2115, 214I 2 Heu quid Hugo Trimb., Heu! quia H,
Iam, heu K 2115, 2233, Nam heu K 2141 3 egens K 2II5, 214I 4 d. st. dogmata
scribere studet K 2115, 2141, d. st. dogmate scire studet X 2233 5 sapiens parumque
K 2115, 214I . 6.deliciis) divicis X 2141 und Faral als Vermutung im Apparat
satis) solis X 2233 7 vestibus incedit, ille X 2141 8 gestrichen K 2233 esse]
ipse K 2115 9 fehlt K 2233 habundet HZ, abundat K 2141 honos] ille X 2115
ıo sapiat fehlt H, sapiet K 2115 non] nec K 2115, 214I ipse] ille X 2115, 2233
11 congnoscere H 73 prepulcro] de pulcro K 2115, 2141 15 probus] bonus K
214I probetur H, putatur K 2141 ı7z Numquam spernetur X 2115, Non asper-
netur HK 2233 ı8 Paupertas nimiam H post quia H K 2233, probus hic quoque
K 2115, 214I ıgne] non K 2115, 2141, 2233 22laudis vane K 2115 23 torpentem
K 2141, torporem K 2233, torpere H K 2ıı5 mentem K 2115, 214I, mentis K 2233,
sensum H 24 fehlt K 2233, Hos fingo versus multa nociva fugens K 2115
Pyramusdichtung Dietrichs | 37
25 Dirige, musa, stilum, sine te quia scribere frustra
tempto, dictandi sum nec in arte valens.
Ardua temptari possunt a quolibet, in quo
credulitas regnat de benitate Dei.
Hac ego confisus audacter singula tempto
so et metuendo nichil scribere plura volo.
| Est quia parva michi mens et minor ars ratione,
dictandi minimum cogor habere modum,
ut stultos ego subiciam, quoniam sapientes
rodere non cessant et mala facta probant.
35 Cum multi tales sint, qui laudabile culpent,
non pudor ergo michi, si mea scripta premunt.
Est michi pulcrorum verborum copia parva,
sed tamen incipiens dicere pauca volo:
Narratur Babilon urbs dicta duos aluisse,
40 quorum forma decens atque decora fuit.
Illos dissimiles sexu natura creavit,
feminei sexus una, vir alter erat.
Ambo parentela nati de nobiliore
: virtutis titulo floridiore vigent.
s Nomina ne lateant vos: Piramus hic, quoque Tisbe
illa, sed etatis ambo fuere paris.
Et sociis hic exemplum virtutis habetur.
Nam puer ipse manens facta probanda facit,
femineos mores hec transcendens bonitate
so est inter socias virginitatis honor.
Cum sic sint ambo virtutis honore probati,
hos quivis sapiens ex ratione probat.
Qui dum transcendunt sic per annos pueriles,
annis nubilibus aptus uterque fuit.
25 conscribere K 214I 26 t. d. sum hac nec in arte valens K 2115, t. d. sum sine ac
nec arte valens K 2147, t. dictando sum nec arte valens X 2233 27 in quo] equo
K 2115 28 crudelitas K 2115 29 fehlt K 2141 3ı Est] En H K 2115, 2233,
cum K 214I 32 minima H, nimium K 2233 33 stultus X 3115, 214I U. st. e.
quam subiciam sapientes K 214T, u. st. e. subiciam (subiaceam) qui sunt sapientes
HK 2233 subiaceam H 34 et mala] nec bona H 35 sunt K 2II5 culpant
K 2II5, 214I 36 ergo michi K 2115, 2233, go tu K 2147, est ergo H scripta]
facta K 2115, 214I, 3233 premant K 2233 37 Est] En H, Est aus En verb. K 2115
parva] hulla K 2233, multa K 2741 38 Sed] Sic H pauca docere volo K 2747
39 aluisse] habuisse K 2115, 2141, 2233 4o forma] fortuna K 3141 41 dissimili H
natura sexu K 2141 42 femineo sexu K 2115 214I, femina sexu K 2233 una] hec
K 2115, sed K 2141 vir alter] et vir unus alter K 2233, vir et alter K 2115, vix et
alter X 2741 43 natisunt de K 2115 2141, 2233 nobiliore] meliori K 2115, 2233
45 ne]non K 2115, 214 I 46 etate — — pares K 2115,2141,2233 47 virtutisexemplum
K 2115, 2233 49 transcendens] transcendit X 2141, 2233, transcendunt K 2175, ascen-
dens H s5oest] et K 2141, en H 52 hoc K 2115, has K 2233 53qui cum tran-
scenderant annos ambo pueriles K 2233, qui bene transcenderant annos (suos) pueriles H
38 | Pyramusdichtung Dietrichs
ss Omnia que vincit Venus, illos illaqueavit
atque illos nimium ferre iubebat onus.
Cipridis imperio plecti coguntur amore;
‚. namque pari Veneris ardet uterque face.
Hic quod amat, latet hanc, quod et illa, latebat et illum,
60 sed tandem tacitus notificatur amor.
Nullus amor poterit celari tempore longo,
his tamen ille diu dissimulatus erat.
Amborum tecta fundo sociantur eodem,
sed quidam paries dividit illa tamen.
65 Rima vetus patuit, que nuncia verba referre
non negat, hec quoniam vocis habebat iter.
Illuc conveniunt, Veneris sub fasce gementes
et nimium dura se vincula ferre fatentes.
Piramus eloquitur, quod amore nimis crucietur
90 et quod leticie raro sibi copia detur,
dicens: ‘In causa Venus est, cur letificari
non mea corda queunt, si non vult hec moderari.
Plurima vis sub corde meo dominatur amoris;
sunt idcirco michi cause morbi gravioris.
78 Tu morbum poteris permagnum sola mederi
et mea vita potest per te suffulta videri.
Si mea vita perit, tibi nil erit utilitatis.
Unde michi prodit spes magna tue bonitatis.
Est homini magna clementia nolle nocere,
80 vel cum posse datur vel causam possit habere.
Auxilium michi fer, quod unica posse putaris,
et tu sola mee cum vite spes habearis.’
Cum Tisbe nosset hec verba viri referentis
atque gravem Veneris fascem se ferre querentis,
85 conticet et magna suspiria ducit ab imo
56 Atque illos) Ac ipsos H 57 amore] amare K 2233 Cupidinis imperio flecti K 2141
58 Namque] Nam K 2175, 2141, Non K 2233 60 sed tamen hic tacitus X 2115, 214I,
2233 62 ille fehlt K 2233 63 ambo K 2233 64 quidam] quod erat K 2115, 214I
tamen] tantum K 2233 65 nuncia] mitia 7 66 hec ]hanc K 2115, et K 21gI
67 Dlic K 2115, 214I, 2233 face K 214I 68 vincula] iacula K 2175 fatentur
K 2II5, 2233 69 cruciatur K 2II5, 2233 zwischen 69 u. 70 noch der Vers: et
raro poterit letari propter amorem K 2141 70 sibi raro K 2141 71 In causa]
Iucunda H (laut Hart), Materia H (laut Faral) 73 sub] in 7 74. morbo graviores
K 214I 75 morbo — permagna H 76 et per te vita mea (mea fehlt K 2233) potest
suffulta videri X 2115, 214I, 2233 _ 77 erit] est K 2115, 2141 prosit Hss., prodit Hart
79 Est] EnH (laut Faral, während Hart Est liest) 80 datur] detur coni. Hart 80 Ut
cum K 2115, 214I, 2233 81 Idcirco mihi non noceas, quod abinde probaris H que
unica posse K 2175, que unica esse K 214I 83 Dum Tysbe nosset K 2775, cum
Tisbe noscet H 84 fascem Veneris K 2233, faciem Veneris K 214I, pestem Veneris
K 2115 85 Concitat K 2115, 2I14I, 2233 magno K 2233
Pyramusdichtung Dietrichs 39
pectore, reddat ei meditansque verbula primo,
Tandem prodidit hec dicens: ‘O Pirame, vires
in me fixit amor. Utinam tu singula scires,
que mea corda premunt et quanto plector amore!
90 Fortassis simili tu multarere dolore.
Pirame, vera loquor! Tibi longo tempore favi
et nimis ardenter, sed clam te semper amavi.
Nunc sane fateor, si non ego virgo fuissem,
primo de Venere tractare minus timuissem.
95 Sed quia tu primus es causam fassus amoris,
te sequor. Assensum prebes spaci brevioris. |
Sed mora! Jungamur! Nullus prohibere valebit.
Quod duo proponunt, effectu raro carebit.’
His ita finitis, dare basia quisque volebat,
100 sed vetuit paries nec tantum rima patebat.
Huic rime patule maledicunt, iurgia dantes,
corpore coniungi quod non pateretur amantes.
Sed tamen huic grates magnas debere fatentur,
mutua quod per eam sic verba latenter habentur.
105 Dant finem verbis, quia sol sua lumina celat
noxque superveniens lumen lunare revelat.
Illi legitimo sociati iure fuissent,
si non ipsorum patres illud vetuissent.
Non inhibere foret melius, quia nulla cupido
ro censu nec verbis extinguitur ulla libido.
Postera lux aderat, et predicti redierunt
ad loca, nota sibi, sed que secreta fuerunt.
Rursus de Venere tractant et multa queruntur,
per que tortantur minus hii, qui amore fruuntur.
115 Tandem constituunt, quando nox orta fuisset
86 reddit K zı15, 2I14I, 2233 meditansque] meditantis K 2II5, 2I4I, 2233
87 prodidit hec]) hec prodiit K 2115, 2147, prosiliitque K 2233, perdit nil H O Pirame
amandi vires K 2233 39 mea fehlt K 2II5, 214I 90 simuli H mulctabere K 2233,
multo crucioris amore K 2II5, 214I 9ı longo] multo K 2115, 2I4I, 2233 92 sed]
licet K 2141 93 Nunc] et K 2115, 2141, 2233 94 tractasse A minus ]non K 2115
95 primus]) presens K 2141 causam es fassus K 2II5, confessus es causam K 2233
96 prebes] probes H, prebens K 2115, 2141 97 Sic mora K 2115, Sic meam K 2141,
Sit mora K 2233 gg Hiis ita dimissis K 2233 100 Sed] et K 2115 tantum] tamen
K 2115, 2233 rumaK 214I ıoı patule] vetule X 2115, 214I 10% paterentur
H K 2115, petentur K 2141 corpore coniugii quia non K 2115 tamen] bene K 2141
104 mutua sic p. e. quod K 2115, 214I ‚106 lunare ]luminare K 2141, 2233
107 Illi] Isti 7 ı08 Amborum patres si non illud metuissent H 109/110 fehlen
K 2II5, 2233 110 fehlt K 214I ııı PosteaK 2115, 2141, 2233, aderat] redit AM
et] tunc K 2175 predicta A 113 Rursus] tunc K 2115 ı14 tortantur verb.
Faral, tartantur H, tradantur K 2115, 214I, 2233 hii qui verb. Lehmann, hi quod
Ass. fruantur K 2115, 2141
40 Pyvramusdichtung Dietrichs
et quando lumen solare fugam rapuisset,
ut per eos false custöodes decipiantur
deque suis domibus furtive progrediantur.
Ne sit oberrandum, dicunt: ‘Loca certa petamus,
120 ut sic liberius nos coniungi valeamus.’
‘“ Pacta placent, adeant ut busta, constituentes,
qua fons perliquidas facit undas scaturientes.
Desuper alta fuit morus, que mora gerebat,
candida primo, sed hanc nigram tus faciebat.
125 Pactaque constituunt, istius ut umbra petatur
et, si quis veniat prior, illic operiatur.
Sic persuadet amor, placeant ut cuncta votiva,
et facit, omnis amans quod credat mortua viva.
. Suadet amor vite discrimen sepe subire
130 atque suis famulis dat mortis pocula dire.
Omnis amans raro precogitat, utile quid sit;
nam pro velle suo cuncta licere putat.
Piramus et Tisbe sic non sunt premeditati,
utile quid sit eis, sed sua vota replent.
133 Tempora cum noctis sint pacta, queruntur amantes,
sol quod ad occasum non properanter eat.
‘Heu, nox tarda venit, que nos coniungere debet!
Et querimur tardum sideris esse iubar.
Devotis precibus te nos, o Phebe, rogamus,
140 ut cito quadrupedes precipitare velis.
Phebe, recordare, quod quondam pignus amoris
imperio Veneris ferre coactus eras.
Phebe, fave nobis nec protrahe tempora noctis,
immo tuos cicius merge sub equor equos.
116 e. q. 1. fugam solo rapuisset K 2141, e. q. solare fugam lumen rapuisset K 2233
117 falsi K 2115 ıı8 domubus 7 egrediantur K 2141 ııg errandum K 2115,
2I4I, 2233, operandum H, verb. Faral certa loca K 214I 120 coniungere K 2115,
ut nos liberius coniungi nos valeamus K 2233, uti liberius ubi nos coitu vale-
amus H busta adeunt sua K 2175, adeunt sua busta K 2141, 2333 busta (Nini)
Faral statuentes H, K 2233 122 perliquidus H fecit K 2141, 2233, iacit H, iecit
coni. Faral scatientes H 123 fuit fehlt K 2141 124 sed hanc nigram tur f. H,
sed hanc denigrari f. K 2115 verb. zu sed hac nigrescere cor f., sed hac nigra f. K z2ıqr,
sed nigram hanc cor f. K 2233. 125 istius] hic ut arboris umbra K 2141, hac K
2115 verb. zw istius petatur] pateatur K 2115 126 et si prius quis veniat K 2233
operiatur] apperiatur X 2115, constituatur K 214I ı27 Et preservet amor K 2115,
sed preservatur amor K 2141, Sed conservat amor K 2233 votiva] nociva H (an
vecte ?) 134 replet K 2233 134 Amor Veneris sit non hominem noscere bonum
K 214I ı35 Tempore K 32141 sint] sit K 2115, sic K 214I, 2233 136 ad fehE H
138 Et querimur] conquerimur H, et queruntur K 2115 139 Devotis precibus]
De noctis portibus H, de noctis portis coni. Faral a Phebe K 2115, 2233 rogantes H
ı4I pondus amoris AH 142 eras]) thays K 2233 144 sub equore mergas equos
K 2II5, equos sub equore merge K 2233 i
Pyramusdichtung Dieirichs 4I
145 Phebe, iube veniat nox exoptata sororque
auxilium nobis, si patiare, ferat!’
Nec mora; Phebus eis favet, discedere iubet,
et nox solare depulit orta iubar.
Tisbe prima loca petiit, que pacta fuerunt,
150 callida custodes fallit et ipsa suos;
noctu progreditur et tendit ad arboris umbram
ac in gramineo sola sedebat humo. |
Sola quidem sedit, amor audacem quia fecit,
non formidat amans multa pericla pati.
155 Forte leena ferox huic affuit ore cruento,
vicino fonte depositura sitim.
Qua visa Tisbe nimium fit pallida, more
femineo metuens aufugit atque latet.
Que quando fugerat, velamina ventus ademit,
160 que fera reperiens polluit ore suo.
Ne fallat Tisben, sua limina Piramus exit
tardius atque locum, quo fuit illa, petit.
Quo cum venisset et amantem non repperisset,
illius pepla sanguine tincta videt.
163 Piramus obstipuit, palmis sua pectora tundit
atque trahens gemitus hanc periisse putat.
Istas proferre voces dolor cogit illum:
‘O superi, vitam demite, namque gravat!
Me mea vita gravat, quia Tisbe fata subivit.
170 Non vereor mortem, mortua cum sit amans.
Hanc exire domum iussi sub tempore noctis
et solam petere plena timore loca.
Cum pro me Tisbe mortis sit passa periclum,
ergo huius mortis causa probabor ego.
145 veniat michi nox optata K 2115 exoptata] appata K 2141, appea K 2233
146 feret H 147 Nec mora; favit eis et discedere iubet X 2147, nec mora; favet
eos sed et discedere iubet K 2233, nec mora; favet eis et (Phebus) discere rubet K 2115,
'nec mora; Phebus eis favet, discedere visus H 148 orta] arte K 2115, alte K 2141
149 prima loca] post leta K 2115, 214I, 2233, primo loca H 152 fehlt K 2141,
2233 gramine H 153 sedet X 2233 quia] quoque H fecit) reddit X 2233
154 fehlt K 2141 155cruento] truci X 2233 156 vicina fontem K 2115 157 Tisbe]
timuit X 2115, 2I4I 2233 158 affugit H, affuit K 2141, effugit Faral 159 que]
Hec H fugerat] fugeret K 2233, surget H, surgit Faral 160 reperiens] rapiens
K 2115 162 locum fehlt K 2233, loca K 214I 163 nec amantem reperisset K 274I
165 tondit X 2233, tundens K 2115, 214I 167 ista H cogit dolor illum H,
amor cogit illum K 2141, cogit amor ipsius illum X 2115 168 demite] deprimite K 2115,
premite K 2147 gravat] meam K 2115, 214I 169 gravet K 2115 quia] nam K
2233 fatum K 2233 170 Non] Nec K 2115, 214I 171 iussit K 2115, iusi verb.
aus iussit K 2147 sub] pro K 2175 172 timoris K 2ı15, 2233 173 pro) per H
sit mortis passa periclum K 2233, passa Tisbe sit pericula mortis K 2141, passa Tysben
sit pericula mortis K 2115 174 ergo huius K 2714, huius go K 2115, Huius enim H
42 Pyramusdichtung Dieirichs
175 Heu! Quid tardavi? Quid non loca primus adivi,
in quibus hec periit preveniente metu.
Forsan seva fera Tisben vita spoliavit.
Me fera, posco, velit perdere morte pari.
Utere, crudelis, in me, fera, dente feroci
180 et me cum Tisbe fata subire sine!
Me, superi, vite non commoditate sinatis
uti, sed subito sim periturus ego!
Audax posco necem simili de more, sed illam
mucro michi tribuet. Nam necis auctor ero.'
185 His dictis.peplum tollens adit arboris umbram
et primo vesti basia multa dedit.
Post hoc mucronem solvens superincubat illi
et penetrare sua viscera tota iubet.
Piramus ut fuerat lesus, sanguis salit alte
190 et dicte mori poma rubere facit. —
Piramum ne fallat, Tisbe prodivit ab antro,
quo latuit fugiens, ne fera ledat eam.
Et, dum processit, oculis vestigat amantem,
hic ubi sit querens, voce nec aure minus.
195 Eger ut optatam gaudet reperire salutem
et requiem fessus esuriensque cibum,
ut potum sitiens, genitos pater, aridus umbram,
naufragus ut portum, cecus habere diem,
sic multum Tisbe viso gauderet amante,
200 et nichil hanc posset letificare magis.
Huic narrare cupit, vitarit quanta pericla,
ut foret erepta morsibus ipsa fere.
Sed nescivit adhuc, quod amans in morte gravatus
esset ; nullus enim scire futura potest.
205 Si presciret homo mala, forsan cautior esset
nec sineret ledi pectora sepe sua.
Ad morum Tisbe veniens ignorat, an hec sit;
namque color fructus hanc dubitare fecit.
175 Quid non] cur non H loca prius K 214I, 2233 178 morte] dente K zıqr
179 crudeli K 2115, 214I, 2233 in me] nunc me K 2115, 2I4I, 2233 182 sum K 2115
183 posco] opto H simili) timide 7, timida Faral more] morte H 184 Nam]
Iam H autor AM ero] ego K 2175 mucro michi tribuat, non vocis autoritas
K 214I 185 adit) addit 7, adiit X 2147, 2233, adivit X 2115 187 hec H solvens]
tollens K 2115, 214I superincubit X 2147 189 saliit K 214I, 2233 ıg9ı Pyrame,
ne Tisbe te fallat 7 prodit X, prodit K 2775, 2141 192 quo] que H 193 Et]
que H 194 minus] vivus A 195 aptatam H 196 et] ut X 2141 197 genitum
pater H, pater genitos K 2115, 2I4I, 2233 199 viso multum — — — amantem K
2141 gaudens X 2115 2oıvitaret X 2233, vitarum K 2115, 2147 203 in fehlt K 2141,
2233 204 futura scire H 2115, 2I4I, 2233 206 siniret H 207 ignorat] ignorans
K 2233, non novit K 2115, 214I hec] hicH 208 fructus] ferus H facit H
Pyramusdichtung Dietrichs 43
Cumque foret dubia, respexit, et ecce flagellat
210 corpus humum, pena precipitante necis.
Quo viso Tisbe terretur, sed tamen illud
aggreditur temptans, an foret eius amans.
Corpore perspecto novit, quod Piramus esset.
Unde dolens nimium debilitate cadit.
213 Ipsa cadens pectus cum palmis tundere cepit
et lanians crines unguibus ora secat.
Tandem mentis inops se de tellure levavit
ac ita singultu prepediente refert:
‘Me miseram Tisben, que tanta potentia divum,
220 que me quam mori vult graviora pati ?
‚OÖ superi, michi cur infertis tanta pericla ?
Cum sit pena michi vivere , posco mori.
Opto mori, quia vita gravat; dilacio mortis
penas maiores accumulare potest.
225 Plus quam fari possit me mora necis angit.
Vivere vita negat; fas sit obire cito!
Atrox Fortuna, crudelior aspide surda,
que sola semper mobilitate viges,
in me quid sevis? Cur in me spicula torques,
230 nec sinis vita nec sinis morte frui ?
In me crudelis dudum non esse valebis,
armabo proprias in mea fata manus?
His dictis, gelidis in vultibus oscula figens
perfudit lacrimis vulnera cruda viri,
235 os aptans ori sic respiramina vellet
oris sentire, nec tamen illa potest.
Amplectens iterum corpus sic vociferatur:
“Tisben responde, Pirame care michi,
Pirame, responde, tua te carissima Tisbe
240 nominat, ob cuius erige vota caput!’
209 prospexit K 2115, 2233, prospicit K 2233 210 humum] humanum X 2747, huius
K 2115, 2141 necis precipiente K 2233 2zıı quo] cum K 2115, 2233 illa K a2ııs5,
214I, 2233 212 an] si X 2/15, 214I, 2233 amans] amicus K 2175 213 prospecto
K 2115, 214I, 2233214 debilitata H cedit K 2141 215 tondere K 2233_ 217 leva-
bat K 2115, 2141, 2233 2ı8atque ita K 2233, sic quoque K 2115, 214I 220 quam
mori] quum moriar H 221 cur infertis mihi 7 224 maiores penas K 2233
225 Preter uam H posset K 2115, 214I, possum K 2233 mora me H 226 fas
sit] possit K 2115, 2I4I, 2233 abire K 2115, 2141 aspida K 2115, asside H
229 In me quid seviens quid K 2141, In me me quid sevis in me quid K zıı5
229 torquens H 230 nec sinis morte frui] me sine morte frui H, frui nec morte
perirem K 2233 vitam H 232 properas H fata] vota H 233 in vultus K 2141
235 sicut spiramina H 236 illa] ipsa H 237 vociferabat K 2175, 214I 239 tua
te carissima Tisbe] supplico voce tibi K 2115, 214I, supplicat voce tibi K 3233 Vor
240 noch der Vers: Sed quia te propter vellem inire necem K 21/75, 2I14I, 2233 240 ob
cuius] optime K 2175, 2141, opimus K 2233
44 | Pyramusdichtung Dietrichs
Cum Tisbes vocem novisset Piramus huius,
ad vocem relevat lumina pressa nece.
Ouam cum vidisset, rursus sua lumina celat,
que, veniente cito morte, gravata iacent.
245 Tisbe pepla sua cognovit et aspicit ensem
sanguine perfusum; protulit ista dicens:
‘Pirame, me causam necis istius reor esse;
propter me miseram, Pirame, nece peris.
Pirame, te propria tribuit manus impia morti,
250 Pirame, nece peris auxiliante manu.
Nos quoniam socio fueramus amore ligati,
Condecet, ut tecum seva pericla feram.
Te manus atque Venus tradiderunt, Pirame, morti,
perdere debebunt me manus atque Venus.
25 Nos nox una duos, o Pirame, perdet amantes
nec quos coniunxit dissociabit amor.
Ante tamen quam morte cadam, prece supplice posco
votis supplicibus, si deus ullus adest,
ut, quos coniungi non permisere parentes,
260 horum disiungi non sinat ossa rogus.
Nos tegat urna duos, qui non in morte revelli
possumus, et tumulus nos velit esse simul.
Que tectura duos es morte, geras nigra poma
inque nigro fructu cedis habeto notam!’
265 Hec Tisbe verba cum dixerat, arripit ensem,
qui babilonico sanguine tinctus erat;
sanguis inherebat gladio, qui cede recenti
fit tepidus, per quem vulnera fecit amans.
Arripit hunc Tisbe nec difformidat inire
270 mortis discrimen, mortis acerba pati.
241 Tisben K 3115, 2233 242 ad vocem relevat] et lumen elevet K 21175, ad lumen elevat
K 2233, ad vocemluminaelevat K 2141 243quumH celat] claudit X 2115, condit K 3141
245 aspicit] conspicit 7_ 246 dicens] dolens H 247 Pirame, me] Postea me K 2115, 2233
istius] huius X 2115, 214I 248 nece] morte AH 250 nece] morte H 25I socii
K 2115 252/253 fehlen K 2233, 2115 nachgetragen condecet] condam ÄK 2141 253 at-
que] ac K 214r tradiderunt] tribuerunt 7255 oJ] hec H 256 coniunxit] conveniet
H 257 tamen fehlt K 2141 quam morte cadam] nece quam moriar H 259 ut]
et H quos coniungi] cum nos iungi K 2115 260 disiungere K 214I Horum
non sinant disiungi ossa rogare K 21I5 ossa] una K 2141 261 urna] una K 2115
qui] quod K zı15 262 possemus K 214I et] ut H cumulus X 214I nos
simul esse velit A 263 es morte] eis in ore X 2115, eius more K 2141, more K 2233
geris K 2115, 214I, 2233 265 Hec verba cum Tysbe dixit K 2115, Hec Tisbe verba cum
dixit K 214I, Hec Tisbe cum verba dixit X 2233 arripit] accipit K 2115, 2233, accepit
K 2141 266 babilo meo H, babiloneo Hart et Faral 267 inherebat] habebat ÄX 2233
268 trepidus ÄK 2115, 214I, 2233 268 volnera H 269 AccipitK 2115, accepit X 214I
hunc] tunc K 2175 difformidet K 2115, eo formidat H 270 mortis discrimen] mentis
discrimen K 2141 amara K 2115, 2149I petiK 2233
Pyramusdichlung Dietrichs 45
Morte gravata iacens dat amanti basia multa.
Quo vivo vixit quoque perempto perit.
Piramus et Tisbe gravi morte tunc moriuntur,
quorum causa necis ensis amorque fuit.
275 Suadet amor primo, quod tempore noctis adirent
morum, qua proprio Piramus ense cadit;
illiusque casus fit Tisbe summa doloris,
quod monstrans vitam terminat ipsa nece.
Intempestiva mors hos rapiebat amantes
280 nec mors seva tamen dissociavit eos.
Mors non virtuti, mors nulli parcit honori:
Morte cadit dives, pauper inopsque simul
Omnia, mors equat, mors omnibus una vocatur,
omnia mors delet, omnia morte cadunt,
285 mors rapit reges, mors est, que fortia frangit.
Quisque potens debet mortis subire genus.
Si non communis esset mors omnibus una,
quisque potens factus posset habere magis.
Sed, quoniam dives cum paupere debet obire
290 adventum mortis quisque timere potest.
Oue Tisbe fudit tetigisse precamina divos;
nam color in fructu cernitur esse niger.
Sunt etiam Tisbes moti per vota parentes,
quodque rogo superest condidit urna capax.
293 Ultima mutarum sit littera prima, sequatur
tercia vocalis, post illas littera quarta
est ponenda, sed huic sociabitur ecce secunda
vocalis, sequitur quam finalis liquidarum,
cui rursus debet vocalis tercia iungi,
300 tercia littera tunc, vocalis et ultima finem
semivocalis retinet penultimam post hanc.
272 vixi — — — peri K 2115perempto] pereunte K 2141, moriente #__273 gravi morte
tunc moriuntur] nece gravi hunc mor. K 23115, gravi morte tunc perierunt K 2141,
necec rudeli perimuntur 7 277 que fehlt K 2141, 2233 asus] causa K 2115, 2233 fit
Tisbe] est Tisbe X 2175, 2141, Tisbe est K 2233 278 qui K 2115, 2233 ipse K 2115,
2233 280 tamen]) tum H 281 nulli parcit honori] nulli nobilitati X 2115, 2I4I,
2233 ° 282 Parcere vult pauper dives K 2115 obitque (abitque X 2115) simul K 2175,
2I4I, 2233 283—288 fehlen K 2115 283 omnibusque K 2233 vocatur] vaga-
tur H 284 nach 285 K 214I 285 fregit H 286 fehlt K 2141 subire] inire HM
288 quisquis K 2741 factus] fame K 2147 289 obire] abire H 290 potest] debet
K 2115 291 tetigere H 292 Nam color fructum HM, Namque color fructum Faral
293 mori pernote parentes K 2233 294 quidquid K 2241, quod K 2233 roga
K 2115 295 bis 310 fehlen H 295 sit] fit K 2233, si K 214ar 297 est] et K 2233
huic] hinc K 2233 301 penultima K 2147
46 Anonyme Pyramusdichtung
Sillaba si recte totum coniungit, habebit
nomen dictantis, sed non vult inde beari,
qui corde fixus est firmiter, hoc quia fecit.
305 Quidam proferre nomen cuius mirus audet,
sufficit hic, nomen ut vobis fiat manifestum.
Si quis amore gravi torquetur, compaciatur
Piramo et Tisbe, quod morte gravi perierunt.
His ego compacior et, si phas est rogitando,
310 deprecor, illorum sint corpora pace sepulta.
b)
Anonyme Pyramusdichtungen.
Kopenhagen, Kgl. Bibl. Kx. 1634, saec. XV (aus Bordesholm), fol.
185’”— 187° (K). |
München, Staatsbibl. lat. 25187 saec. XV, fol. ıgt—2zı*R (mit v.
75—Igı des Gedichtes) und fol. 24’—25 (mit v. I—74); die von dem-
selben Schreiber geschriebenen Teile sind falsch zusammengebunden (M).
St. Petersburg, vormals Kaiserl. Bibl. Lac. XVII q. 18, saec. XV.
Mir nicht zugänglich. Vgl. oben zu IIa).
Wolfenbüttel, Helmst. 622, saec. XV (Erfurter Herkunft), fol. 175 qq.
Von mir benutzt die Wiedergabe bei Hart und Faral (H).
Veröffentlichung: P. Leyser, l. c. p. 2088sq. (nur v. I—Io aus H);
G. Hart, a. a. O. 2. Teil (aus H); E. Faral, L. c. p. 51sqq. (aus H).
Querat nemo decus in quo vult pingere cecus,
cuius pictura decoris nil est habitura.
Si vult saltare claudus vel si iubilare
mutus conatur, hinc neuter honorificatur.
5 Ad mea subtiles metra non voco corde seniles,
vilis ego viles invito, puer pueriles.
Sensus prudentis ad versus insipientis
non convertatur, ne risus verba sequatur;
querant maiores maiora, minora minores.
10 Lac, pueri, vultis; panis tribuatur adultis.
Piramus et Tisbe fuerant cives Babilonis,
ambo decus patrie speculumque sue regionis.
302 coniungat totum K 2115, locum coniungat K 214I 304 hoc] hunc K 2233
305 profert K 2115 audet] audiret K 2114 306 vobis fehlt K 2115 308 quod]
qui K 2233 est rogitando] esset remittendo K 2115, est cogitandus K 2141
finis thiderici de amore Tysbe et pirami anno 1443 in vigilia epifanie K 2115, ex-
plicit carmen tiderici de piramo et tisbe K 2233, finis huius operis X 214I
ı Verat M, mit Lücke für die Q-Initiale, querit K in quo] ibi qui X znil] nichil 7
4 conatur]) cantare M 5 Ad mea non voco subtiles corde seniles M 7 adversus
Faral 8 convertantur M ıı Tispe M fuerunt M
Anonyme Pyramusdichtung 47
20
25
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35
40
45
so
Egregia stirpe pariles dici potuerunt
contiguasque domos, opes multas habuerunt.
Inter eos tantum vicinia fecit amorem,
quod minime poterant huius sopire calorem.
Cipridis in laqueo captivus uterque iacebat,
quem non laxare sine dura morte sinebat.
Tedarum iure commisceri voluerunt,
sed patres ipsis consensum non tribuerunt,
uti colloquiis hos et coitu vetuerunt.
Sed non sic ab eis Veneris iuga deposuerunt;
illis sermonis vice sunt nutus oculorum,
secretum cordis pandunt signis digitorum.
Fissus erat paries domibus communis eorum,
in cuius rima fit eis via colloquiorum.
Aptis temporibus stantes ibi multa loquuntur,
que de pectoribus ipsorum progrediuntur.
A duris genitos se patribus ambo queruntur,
qui desideria peragi sua non patiuntur
Hec inter reliqua dicunt velut improperantes:
‘“Invidus es, paries, qui nos disiungis amantes.
Nollet quippe tibi coniunctio nostra nocere,
aut posses nobis ad basia danda patere,
ex aliqua debes nobis modo parte placere,
cum sic eloquia per te possimus habere.’
Solis in occasu post plurima verba gementes
ambo sue parti dant basia digredientes.
Hos cibus et potus, genus altum, culmen honoris
non iuvat, premit intantum ipsos pondus amoris.
Corpore disiuncti, spernunt lenimina somni,
quorum coniungit mentes hora Venus omni.
Sepius invitis dulcedo tributa soporis
illorum cupidis connectit corpora loris.
In sompnis faciunt, quod non possunt vigilantes,
oscula configunt ad cetera forte labantes.
Cum sompno fugiens similatus ludus amoris
vulnus curare plage nequit interioris.
Stratis exiliunt auroram conspicientes
et rimam repetunt iterum diversa loquentes.
13 e. s. dici poterant pariles M ı4 opas M 17 Cupidis M ı8 laxari K
ı9 comminsceri H 20 tribuerunt] prebuerunt M 2i et] in M 22 iuga deposue-
runt] votum depulerunt M. 25 Scissus MK 26 sit M 29 genitus M 31 inter]
iure MK
dientis M
33 tibi quippe M nocere] placere M 34—35 fehlen M 38 digre-
4ointantum] intentum M ipsos] uos M 42Veneris M 45 somnisMK
46 contingunt M 47 somno MK 47 simulatus M 48 plane M 49 aurora M:
48 Anonyme Pyramusdichtung
Tandem proponunt inter se corde libenti,
"ut clam de tectis procedant nocte sequenti.
Planus campus erat, vernali veste decorus;
. perspicuus fuerat ibi fons excelsaque morus,
55 Esse videbatur aptus Veneri locus idem,
ergo libet, iuvenes ut congrediantur ibidem.
Quod sic complaceat egressus uterque fatetur
et tardis pedibus sol clarus abire videtur.
Mundanis rebus demit iam lumina Phebus,
60 nox est optata lune radiis decorata.
Ad loca prefata velociter ire parata,
veste tegens ora prior exit virgo decora,
impatiensque more morum petit absque timore.
Hanc Venus armare studet et nescit trepidare,
65 quam bene confortat iuvenis, quem pectore portat.
Dum prestolatur illum residens ita fatur:
‘Sit tibi pugna mea commissa, potens Citherea,
tuque, benigna dea, confer michi leta trophea.
Sum tibi devota, nunc perficias mea vota!
70 Pirame dilecte, quid agis?: Quae causa tenet te.?
Dulcis amice, veni! Non sis tardus, quia veni!
Ista sit insomnis tibi nox, absit metus omnis!
Non sis instabilis nec sit tua mens puerilis!
Virgo sum fragilis, sed pro te facta virilis.
75 Dulcis amice, veni! Te corde gerens ego veni.
Campus habet flores cum gramine multicolores,
est arbor plena fructu nec abest philomena.
Diligit hec prata Venus; hec loca sint tibi grata!
Hic pretiosa thorum dat nobis purpura florum.
80 Dulcis amice, veni! Nisi tu venias, male veni!’
Cum sic absentem rogat atque moram facientem
sic vocat, ingentem de silva progredientem
tandem terrificam videt ipsa leonis amicam. .
Illa boum satura de cede venit bibitura
85 de puro fonte, qui notus erat sibi fronte.
Virgo metu plena, seva veniente leena,
que modo secura fuerat, tremit ut peritura.
Surgens abscedit nec dedecus hoc fore credit,
5I perponunt in se M 52 procedeant M sequente M 5s6mnach 583 K_ 56 ibidem]
ad idem M 57 quod] Et K sic] ss HKM utrimque fatetur X, utrimque pare-
tur M 60 optata] apta M 61 prefata] privata M parate M 62 prius M
63 mori M 67 Cytherea H, Citharea MK 69 Sum] Cum M perficies M
72 abestM 73neque M 77phylomenaH 78hecfehiM 79HecM purpera M
80 Nisi] nec M 8ı Cum] um X, Dum Faral 86 venientae M 88 abcedit K
Anonyme Pyramusdichtung 49
si non exspectat, ipsam dum bestia spectat.
90 Cursus velecis ope vitans ora ferocis
est ingressa specum; timor illi damna minatur.
Hec formidantem premit, hec firmat wrepidantem
Pars vestimenti delapsa fuit fugienti. 2
Quam lea, dum repedat, levat ore cruoreque fa De
95 scindens fedatam, sed reiiciens laniatam.
Hec manet et nemorum latebras petit illa suorum.
Ad pactam morum iam Piramus ire volebat
inmanisque fere vestigia certa videbat.
Inde stupens subitum gestabat corde timorem,
100. nec pallor solitum permisit adesse decorem.
Procedens inde Tisbes invenit amictum, | |
fedum nam scissum, velut a comedente relictum.
Hinc viventis adhuc mors est sibi certificata,
et querula voce sic dixit veste levata:
105 ‘Quo pergam? Quid agam ? Mala nunciat hec michi vestis,
Tisben indiciis periisse probans manifestis.
Cerno, quod interiit pravis absorpta ferinis.
Spes mea deperiit, est leticie michi finis.
| OÖ quotiens vita miserando fine recedit!
zıo O quotiens mentes hominum mors impia ledit!
Dulcis amica, tue per me cecidit rosa vite,
nam per mortis iter transmittere non timui te.
Quid michi nunc vita, quid prosunt gaudia mundi?
Cum sis defuncta, michi tempus adest obeundi.
115 Horribiles apri de saltibus egrediantur,
crudeles ursi me vivere non patiantur!’
His dictis morum gemibundus adit memoratam,
dilecte secum portans vestem laniatam.
Cui multas lacrimas infundens oscula fixit
120 et sic, suspirans ex imo pectore, dixit:
‘Gaudia sperata michi non prestat locus iste.
Exieram letus ego, sed modo cor gero triste.
Te placuisse michi prodest nil, ardua more,
optato namque sub te non fungor amore.
89 exspectet — — spectet H gı est] et M 94 lea fehlt K reperat M
95 foedati M laniatam) longata M 96 et] in M illa fehEM 97 pactum M
98 videbat] molebat M 100 solidum M ıoı Tispes M, Tysbes 7 102 ffedam M
fedum scissumque H 103 viventis)] venientis X est fehk H ıo5 mala mihi
nunciet M I0o7 pravis] gravibus M absorbta HZ 108 deteriit M 109 O quo-
tiens mihi vita miseranda M 109 quoties M III propter me M ı12 timui]
tenui M ı14 abeundi M 116 patiuntur M ı17 Hiis K adiit M 118 lenga-
tam M IIg vixit M ı2o ymo K 122 modo] nunc M [123 Hec placuere M
nichil 7
Studien der Bibliothek Warburg 13. Heft: Lehmann 4
50 Anonyme Pyramusdichlung
125 Mallem cum Tisbe rimam solitam repetisse,
per quam colloquia scio dulcia nos habuisse.
Si palme corpus laudabile non: tetigerunt,
aures percipere sua verba mee potuerunt,
que nunc, dico, meum nequeunt sanare dolorem.
130 Corporis ergo mei potabit terra cruorem!’
Dixerat et gladii petit auxilium furibundus;
‚quo se perfodiens procumbit humi moribundus.
Respirans Tisbe predilecti iuvenis spe,
quem nunc exisse sperat.morumque petisse,
135 antro procedit, tremulo quo corpore sedit,
ac visu.lati penetrans loca florida prati
optat spectare iuvenem, quem vellet amare
et.sibi narrare, quam caute mortis amare
penam vitasset, quam secure latitasset,
140 quam bene fugisset, quam velox ipsa fuisset.
‚Talia quem scire vellet, per prata venire
cum non. conspiceret et fallax esse timeret,
arbor quo stabat sublimis, eo remeabat.
Non sic optatum socium iam seminecatum
145 illic cernebat retrocedensque stupebat.
Nemo risisse putet hanc letamque fuisse!
Pectus nudabat niveum, sericos laniabat
crines a capite, iam tristis et anxia vite
» gaudia presentis conculcabat pede mentis.
150 Accedens propius in gramine conspicit huius
ensem fulgentem cum scissa veste iacentem.
Protinus ulnarum connexu mesta suarum
amplectens carum corpus, stilis lacrimarum
hoc rigat, haud modice dicens: “Ach, dulcis amice,
155 que te causa premit? Quis te michi casus ademit ?
Huc veni pro te, tu pro me. Nunc video te
non, ut sperabam, quando prior huc properabam.
Hic non letamur, istic male consociamur.
Heu! Quid fecisti? Cur recte vulnere tristi
160 presens sevivit gladius? Tisbe tua vivit.
ı25 Tispe M_ 127 corpus] colus M 128 verba] vera M_ mee]meK ı129dic M
niequeunt] neque ut M 130 terra potabit cruorem M 132 profodiens M 133 Re-
spirens M ° : Tysbe H, Tisbe M perdilecti 7 134 exiisse M tremulo quo]
tremuloque H 137 velit M 138 amaram M 139 latita sit M 141 brata M
142 perspiceret M et] sed M, sed et K 143 qua HKM ea MK. ı44 Non)
Dum M 145 retrosedensque M 146 Non risisse putent hanc H M, putat K
147 pectusque M cericos plangabat M 151 conscissa M 153 carum] caris M
154 haud] hanc H, hec Faral dicens Ach fehlt M amici M 155 casus mihi M
156 Heu huc H 157 Quando] quum HM, (heu) quum Faral 159 recte fehlt M
volnere H 160 Tysbe H, Tispe M
Anonyme Pyramusdichtung 51
Nunc responsa dare rogo te michi; ER re
. Ad nomen flentis Tisbes visus morientis bi
surgere conatur, sed mors iubet, ut reprimatur.:
Virgo finitam cernens huius fore vitam,
165 plus conturbatur et flens ita vociferatur:. | .
| ‘En michi quam misere marcescis, flos Babilonis!
Non dubito, quin causa tue sim perdicionis.
Propter me scio te subiisse pericula mortis.
Ut moriar pro te, possum modo fieri fortis.'.
170 Diro lesisti nos vulnere, seva Dione,
quos eduxisti morituros de Babilone.
Donativa mala confers tua signa gerenti,
acceptibilia nulli sunt hec sapienti.
Iam modo, ne parias albos fructus, peto, more,
nostre cedis habens in nigro signa colore.
175 Clara, vale, Babilon, miserique, valete, parentes,
interitus nostri causam vos esse scientes! .
Optatis thalamis coniungi nos vetuistis, .
nobis et vobis tali cura.nocuistis.
ı80 Duro coniunctis vinclo necis hoc date munus,
ne disiungamur, sed nos tumulus tegat unus!’
Post hec verba suum tenero de corde cruorem
fundere non metuit finitque dolore dolorem.
Nulli sit dubium fructus atros dare morum,
185 qui miserabilium mortem signant sociorum.
Lugent ipsorum de perdicione parentes,
ossibus amborum solum tumulum facientes.
Optemus tribui nobis finem meliorem,
| .ne pena simili pereamus propter amorem!
190 Sic nos stultorum mores actusque legamus,
ne sectemur eos, sed ut evitare sciamus.
c)
München, Staatsbibl. cod. lat. 237 saec. XV fol. 12IR—ı28V (A);
lat. 416 saec. XV fol. 239&—245' (B). Beide, aus H. Schedels Besitz,
gestatten eine völlig sichere Textfeststellung nicht. Mit metrischen,
ı62 Tispes M 163 reprimetur M 164 huius cernens M 166 En] Heu K,
Eya M mihi fehlt M miserae marcesses M 167 causa tue] tue caste M
168 me] tue M scio ego te M 169 fieri modo fortis 7 170 Dione) Dyana K
172 De nativa malum M 173 hec sunt M 174 A modo M, Ammodo K ne]
non paries M albus M. 175 nostra M in fehlt M 177 vos K 185 qui se
miserabilium K 185 singnant A, servat MK 187 amborum] ipsorum K 190 li-
gamus H 191 sectamur M Am Ende: Piramus explicit Deo gratias HZ, et tantum
de isto Deo laus K, r&Aog 98 M
4*
52 Anonyme Pyramusdichtung
sprachlichen, gedanklichen Unarten ist zu rechnen. Veröffentlichung
fehlte bisher. Auch bei diesem Gedicht half stud. B. Bischoff.
Ocia si veniunt, iam mens torpescit ab intus,
exoritur. prave forte cupido rei.
i Est igitur melius intendere versibus, hostis
ne queat in nostra figere mente pedem.
s Nam cum torpore mens sordet, callidus ille
temptator curas suggerit innumeras.
Sed quia sine te nulla potest domus edificari,
nos, Deus, in castis edifica moribus,
et quia non est urbs bene 1uta, ni Deus illam
10 servet, sis custos, spiritus alme, mei.
Hoc opus incepi, ne me suggestio prave
apprendat vel opus ducat ad illicitum.
Et si forte malum mea mens conceperat, illud
excuciat penitus protinus iste labor.
15 Piramus in verbo est, cui nemo nobilitate,
moribus aut fama forte secundus erat.
Hunc humili de plebe satum generosa propago
denegat et generis linea clara sui.
Nobilis et dives fuerat pater eius et omni
20 consilio pollens conspicuusque fide.
| Qualis erat mater? Respondeo: Non fuit illi
inferior genere nec probitate minor.
Hii duo felices, sed ne quid prosperitati
deficiat, datus est filius unus eis.
23 Solus hic est heres matris patrisque futurus,
si non precidat tercia fila soror.
Unus et hinc carus, quia, quando bipartit amorem,
mater amat pueros pocius ipsa suos
Hunc scola virtutum gremio velut eius alumnum
30 foverat et castis moribus inbuerat
Stando, sedendo, meando, loquendo fuit sic
aptus, ut equalis non fuit ullus ei.
Stando decens, ineundo placens multumque modestus
in verbis, factis providus atque celer.
35 - Incrementa capit morum crescentibus annis
virtutes cumulat temporis usus ei;
inflammavit eum sic pir virtutis amorque,
quod nomen merito Piramus esset ei.
5 corpore B 6 suggerat A 7 Sed quia potest sine te domus edificari B
9 ni] nisi AB ı2 apprehendat A vel ducat opus A 14 iste] ille A
15 nobilitati B 17 satu A 19 fuit A 24 est eis filius unus B 27 quando
(qn)] bene (bn) A 28 parcius’A4B, pocius coni. Bischoff ipse A »| 29 gremium A
inbuerat] nubuerat A 33 ineundoque placens B
Anonyme Pyramusdichtung 53
Quid tibi de forma dicam vultusque decore ?
40 Tinxerat ipsius lacteus ora rubor
Consule Nasonem: ‘iuvenum pulcerrimus alter.’
de Piramo dicit Naso, quod verus erat.
Gratus erat populis et carus utrique parenti.
Nam fuerat clarus moribus et genere.
. Prelucent in eo virtutum insignia clara
auro iuncta velut gemma decora nitet.
Talis erat Piramus. Sed mansit deprope quidam
alter multarum gurgite mersus opum
altus sanguine, magnus nomine, clarus in urbe
50 nec Pirami patri laudibus impar erat,
quem Babilonia, quem vicinia tota celebrat.
Hunc humilis timuit turba dabatque locum;
duxerat hic pulchram primevo tempore sponsam.
Inter plurima mundi prospera prosperitati
ss accessit nata nobilis atque decens.
Hanc sibi fecerunt deus et natura decentem,
ut forma, socias vinceret ipsa suas,
corporeis predives erat sic dotibus hec, ut
preter eam Veneri nulla secunda foret.
60 Arte iacet crinis fulgetque similimus auro
neque eam vagem pulchra corona tegit,
frons generosa nitet, sedet apta nasus, ad instar
ignis prelucet frontis utrumque iubar,
fulget maxilla niveo perfusa rubore
65 respondent in ea nixque ruborque simul.
Os rubeum, dentes nivei, caro lactea, collum
prelucens ut ebur, quatuor ista placent.
Gaudia testatur frontis clemencia, collum
urget ad amplexus, oscula labra movent.
70 Sed quid plura loquar ? Fuit omnibus ipsa puellis
pulchrior et castis moribus apta suis.
Nomen ei Tisbe; qua sola, si bona cuncta
deficiant, dives esset uterque parens,
Carminibus, tu Phebe, fave, qui carminis autor
73 dicere, tuque meum dirige musa, stilum.
Utilitas licet hic sit nulla, valet tamen hiis nam:
mens intenta nimis currit ad illicita.
Piramus et Tisbe, quorum iam mencio facta
est, prope constructas incoluere domos.
39 rubor] iubar A 4I, 42 Nazonem, Nazo B 43 uterque B 44 et genere
atque gener A 47 mansis A 57 vincerat B ipse A socios — — suos A
61 vaget B tetigit B 66 nivei dentes B lacte B 72 Tispe A, TysbeB sit A
74 fave qui] faccieque A 77 nimis] minus A
54 Anonyme Pyramusdichtung
80 Sic quoque contigue fuerant, quod forte videri
una domus poterat, nec tamen una fuit.
Est tamen istarum distancia parva domorum,
nam paries medius dividit inter eas
et quia dilectant animos ludi iuveniles,
85 exercent ludos sepius ante fores
aut tales facjunt simul aut fortasse choreas
ducunt aut certa sunt pila ludus eis.
Quid sit amor, quid sit Hymineus quidve cupido,
quid Veneris tela, novit uterque parum,
90 | Sed quia disposita Veneri duo castra tenebant,
intrat in hoc et ir hiis militat alma Venus;
hec quoque noticia ludique frequencia movebat,
‚ut caperent talem corde repente deam.
Tempore crescit amor, vires pro tempore sumit
05 vixque suas flammas dissimulare queunt.
Sicut succensus ignis tegitur male, quando
obsequiosa manus ligna ministrat ei,
sic vix occultatur amor, cui verba iocosa
dant nutrimentum colloquiumque frequens;
100 sic quoque concipiunt iuvenilia pectora flammas
et rude sic pectus uritur igne novo
et subito stipule si quis submerserit ignis,
ardent, quas solis torruit ante color;
occultare suas igitur nequeunt bene flammas.
105 Est etenim Veneris miles uterque rudis.
Nutibus utuntur patulis nimisque loquuntur
secum per signa forsan aperta nimis.
Nescio, quo casu scierint matres utriusque,
nescio, quo scierint hec referente patres,
110 Sciverunt equidem; sed quid non garrula fama
vulgatur, veris addere falsa sciens ?
Hactenus hiis fuerat concessa licencia larga
ludi, si vellent, intus et ante fores:;
extunc adiuncta fuit hiis custodia, quod nec
113 egressus liber esset, ut ante fuit.
Observat Piramum studiosa cura magistri,
nec sinit hunc solum providus ire cliens;
sedula sic artat nutrix Tisbenque amico
nec per signa potest hac sine teste loqui.
120 Credo tamen tantum, quod vires suppresserit ardor,
quantum cautela strictior apposita.
go quia fehlt A 92 movebant] f, dann leere Stelle A 109 hic AB, hec con!.
Bischoff 116 cura] omnia A 117 sinit] sunt A 120 quot A
De nn mn nl
ni
Anonyme Pyramusdichtung 55
Condicionis enim sic infirme sumus: id quod
non licet, appetimus, quodque licet, fugimus.
Res vilis precii reputatur, si venit ipsa |
125 gratis, plusque placent empta labore gravi.
Exhinc incaluere magis dudumque coissent: -
federe coniugii, sed vetuere patres.
Stultus erat ille rigor, quoniam coeundi
mille vias et mille modos mens querit amantum
130 Anxia, quod custos decipiatur eis.
Ut dixi, paries fuerat communis et ii .
asseris in medio parvula rima fuit.
Cum primo fieret tunc a novitate paries,
ipsi contigerat rima, sed arta fuit.
135 Et yuid non animus investigabat amantum,
quid non inveniet ingeniosus amor,
quid non sentit amor? Dedit hanc rimam reperire
.sors bona, nec forte viderat alter eam.
Istuc conveniunt per eamque loquuntur amantes,
140 verborum sola conscia rima fuit. |
Conscius omnis abest. Nam quis vel credere posset
vel sciret, verbis quod via rima foret ?
Subtilis rarusque fuit modus iste loquendi,
cum sic custodes fallit uterque suos.
205 Oscula dant rime nil proficiencia; namque
tactus oris ad quod denegat illa dari.
Basia rima capit diversa parte, sed illi
non nisi spiramen oris ab ore trahunt.
Talia delectant delectat anhelitus oris,
150 oscula delectant, non bene sumpta tamen, - :
Dicebant eciam “Paries odiose, quid obstas?
quid precludis iter? Rumpe daque viams!
Cur non permittis iungi duo corpora, quorum'
univit mentes firmiter ipsa Venus?-
155 Quid paries in te peccavimus ambo vel‘alter
nostrum, quod per te sic male dividimur ?
Nos quoque coniungi si non sinis, invide, saltem
plena dari facias oscula plena capi. |
Non tamen indignamur ad hoc verbum via verbis,
160 quod patet ex dono, dicimus, esse tuo.’
Sic eciam rime primo convicia, deinde
pro meritis grates blandiciasque ferunt.
126 dudumque] dumque A 131 communis] continuus A 134 contingerat B arte B
138 nec viderat forte A 139 per eumque locuntur 4_ 141 vel] hoc A 151 eciam]
enim A 153 permittas A 156 per te] ex parte A 159 n. A. indign. ab hac
via verbum verbis A Zu = ee Rn dr u WaE
56 Anonyme Pyramusdichtung
Laudant et culpant rimam certe, quia stricta,
culpant et laudant, est quia vocis iter.
165 Cum tali similique diem sermone tenebant,
hoc quoque credebant dulcius erse favo.
Talia conquesti, cum discessere, trahebant
exiguo gemitus pectore consimiles.
“Dulcis amica, vale’, Piramus dicebat et illa
170 -respondit inquens “Dulcis amice, vale',
Non novere patres ac non novere magistri
nec, quamvis fuerat provida, sentit anus.
Nocte modo tali discedunt, attamen ardor
ipsos immemores non sinit esse sui.
175 Nox quoque longa videtur eis tardasque diei
venture secum culpat uterque moras.
Diffugiunt tenebre, rutilans aurora reducit
solis equos, radios Phebus adesse iubet.
| More suo rimam repetunt rimamque loquuntur,
180 .. oscula confundunt, que sinit ipse locus.
Secum discuciunt, qua possint arte coire,
quod liget amplexu dulcis amica virum.
Ars subit, intra se statuunt, quod nocte relinquant
tectaque excedant urbe vel arva petant,
185 Quod si decipiant custodes, quod sine teste
sic compos voti fiat uterque sui;
ne contingat eos latos errasse per agros,
ad bustum statuunt ambo venire Nini.
Huic busto lata ramis, fructu speciosa
100 et foliis pulcra proxima morus erat;
purus et clivis fors stabat deprope, cuius
in fundo motu ludit arena levi.
Intus nec steterant rura nec canna palustris,
extra cinctus erat cespite gramineo.
195 Sunt tria, cur locus hic sit amenus: est umbra
arboris et gramen, fons quoque perspicuus,
Huc placet, ut veniant lateantque sub arboris umbra
et Veneris dulce sic peragatur opus,
Pacta placent, pacta memori sub mente recondunt,
200 oscula multiplicant ingeminantque ‘Vale’.
Ambo discedunt cece caliginis umbra,
et nox grata foret ac odiosa dies.
163 fehlt A 165 sermonemque A 170 respondens inquit A 171 ac non]
hoc nec B . 172 anus] amor A 173 attamen discedunt ardor B 180 con-
tendunt A 183 relinquent A, relinguunt B 184 urbeque B 189 speciosa]
sponsa B 192 nec rura (?) steterant B 198 peragitur B ıgg9 nemori B
Anonyme Pyramusdichtung 57
Sic secum ‘Cur, Phebe, diem sic protahis’, aiunt,
“ut quid propositum sic remoraris iter ?
205 Merge diem sub aquis maris officioque diurno,
fessos quadrupedes excute, Phebe, iugo.
Solve facillantes iam toto pectore, solve
lassos, umbrosam iam dedit alma Thetis.
Nox quoque, tarda nimis gratasque amantibus umbras,
210 surripis et Veneris cur remoraris opus?
Tolle moras, mora nulla placet, quia vero locutus
est is, qui primo talibus usus ait
““Spes, qua defertur animos affligit, egenum
spes cito inveniat, non iuvat, ymmo gravat.'
215 Sed quid plura loquar, lucem, nox ceca, repelle
et tolle, Phebi, cornua, clara soror!?
Nox fuerat, tenuit homines sopor et relevabat
| sompnus, quos fecit cura diurna graves.
Non differt Tisbe, thalamo si forte iacebat,
220 surgit et induitur vestibus ipsa suis,
inponit capiti pepulum, matremque patremqu«
custodesque suos fallit et egreditur;
ostia post claudit, ne forsan senciat intus
mater vel nutrix provida facta sua,
225 et progressa parum portas invenit apertas
urbis et ad dicta busta reflectit iter
Sed quis ei nocte portas reseraverit urbis,
qualiter exierit, discito, causa subest:
Tunc etenim sic clara fuit Babilonia per se,
230 sic secura fuit diviciisque fluens,
sic preclara fuit vicinis urbibus altis,
ferret ut hostiles leviter illa minas.
Ergo non suevit Babilonia claudere portas.
Hinc Tisbe noctis tempore porta patet.
235 _ Quomodo.nocte locum potuit reperire notatum
per tenebras noctis, quomodo venit eo?
Certe luna fuit et gressum luna regebat
et lune radius notificabat iter.
Plena timoris erant loca, nec tamen ipsa leenas
240 aut ursos timuit terribilesque lupos.
Hanc stimulabat amor contra ulla pericula quevis,
audacem fecit igneus ille furor,
204 remearis A 205 Merge] Verge A 206 quadrupes B 208 alma tectus A
209 Nos quoque recida nimis gratasque A gratis B 213 animus A 215 le-
quor B repellit B 216 tolli B 217 revelabat A 224 mater] mulier A
227 Si quis A reseravit AB 229 Babilonis B 231 sic preclara fuit ut omni-
bus altis vicinis A 236 ea A 237 egressum A 241 hanc stimulus ac amor A
58 Anonyme Pyramusdichtung
Ha, quociens per bella, pericla, per arma, per hostes
per tenebras iuvenes precipitabat amor!
245 Ha, quociens visum Babilonis virgo reflexit,
a tergo Piramus si sequeretur eam!
Ha, quociens secum “quid differs, Pirame ?” dixit,
“que tibi causa more quidve retardat iter ?
Ex oculis tenues, si dormis, excute sompnos!
250 Te tua precedit; Pirame, surge, veni!
Quare solivagam me sic sinis ire per agros ?
Dat locus iste michi dampna, pericula, metum;
hac ego parte lupos alia formido leones,
forsan valle sub hac ursus et ursa latent.’
255 Talia cum secum dixisset virgo frequenter,
ad bustum venit fessaque sedit humi.
Sub moro sedit, nox clauserat omnia, nusquam
lux, nisi que lune venit ab officio.
Ecce leena venit saturata cruore recenti:
260 nam tunc forte boves vicine vallis in umbra
repererat geminos et laceravit eos.
Ore cruentato respersaque sanguine fontem
querit, ut ardorem temperet inde sitis.
Virgo videt, timet atque fugit, latebras petit umbram,
265 intrat et in tenebras corde tremente latet,
corpus sic tenerum latitabat virginis; arbor
ut venti leviter flamine quassa tremit;
nescio si cursus, si fecit impetus aure;
nam surgunt venti flamina nocte magis.
270 Cum fugeret, capiti velamen decidit, id quod
virgo resumpsisset, sed timor obstiterat.
Cum sitis ardorem nimia sedaverat unda
et silve latebras vellet adire lea,
ut iacuit late distentum, virginis huius
275 velamen repperit et cito tollit Humo,
huc illucque trahit, maculgso polluit ore,
sanguine defedat, polluit ungue fero.
Pirame, quid faceret tua Tisbe, si reperisset
hanc fera? Quo fugeret, quo duce tuta foret ?
280 Credo, quod ipsius fedasset sanguine campos.
et rapido dente diripuisset eam.
Nec longum, seya laterum velamen ab ore
ponit, ut in silvis conditur ipsa suis.
245 247 Hach B 243 hostem B 244 precipitavit A 259 venit cede cruente
boum A 260 forte fehlt B 261 lacerat AB 264 ac A 265 tremente
lat B . 266 tenebrum A 267 flamina B 274 ut] et A 278 fecerat A
282 ab ore] arbore B u ey
Anonyme Pyramusdichtung
285
290
295
300
305
310
313
323
285 sed] si A
315 fera A
Quo casu tandem fuit remoratus in urbe
Piramus, ignoro, sed remoratus erat.
Nam prior exisset, nisi quod fortasse timebat
custodes; unde tardius exierat.
Forsan non fuerät custodes fallere promptum,
hoc quoque vel simile distulit eius iter.
Egrediens ergo tarde licet urbe relicta
tendit, ubi Tisben noverit esse suanı.
Cum tamen exisset, ut consuetudo virorum
exigit ipsius cinxerat ense latus.
Dum sic incedit, dum premeditatur amores,
quos suscepturus quosque daturus erat,
ecce fere pedibus sculptam cernit arenam
certaque signa pedum monstrat arena fere.
Hoc videt atque dolet, faciem pallor notat et ossa
inglaciat frigus corque dolore pavet.
Ultra progressus velamen reperit illud
et laterum cinctum ingemit idque levat
“Me .miserum’, clamat, ‘quis me furor egit, ut ire
te solam sinerem per loca plena metus!
Peccavi, penas in me, dii, sumite dignas;
ipsa nichil meruit, sum reus ipse necis.
Causa tue sum mortis ego, tua vivere dudum
vita fuit, Tisbe, digna perire mea.
Nox quoque, que care tenebras induxat amice
perpetuas, fiat ipsa suprema michi.
Nox mala, nox peior aliis, nox pessima, vitam
que clausit Tisbes, claudat et ipsa meam!
Bestia que Tisben distraxit queque cruorem,
ipsius effundit, fundat et ipsa meam!
Huc adeste fere, que valle manetis in ista,
morsu diripite viscera nostra, fere!
Heu michi, cur primum non egrediebar ab urbe: ,
Finissemque meos absque dolore dies!’
Talia conquestus procedit et oscula vesti
multa dat et lacrimis irrigat uberius.
Sicut erat multo perfusum sanguine velum,
sic eciam multo proluitur lacrimis
Arbor erat iuxta, de qua prediximus ante,
hanc petit et sub ea stans ita mestus ait
“Sicut non potui preter te vivere, Tisbe,
sic, quod sis sine me mortua nolo diu.’
287 tarde A 292 viro AB 296 fere] vere A
notat ossa A, notat et sa B 306 dudum fehlt A - 307.digne 4
317 Sinissemque B 321 proluitur B (?), per linthea A
59
298 vidit A
314 qu A
325 sis] siat A
60 | Anonyme Pyramusdichtung
Nec contracta “diu’ gladium manus inproba solvit
et proprium stricto transfodit ense latus.
Dum cadit in terram, crudo de vulnere ferrum
extrahit et multo sanguine fedat humum.
'330 Et velut eicitur et in auras spargitur unda,
si plumbi forsan fistula scissa fuit,
haut secus extracti sequitur vestigia ferri
ubertimque rigat arboris yma cruor.
Ast ubi sparsa radix est eius sanguine, statim
335 purpuream speciem pendula poma trahunt.
Duni timor abscedit, audacia.dum redit, antro,
quo latuit Tisbe, protinus egreditur.
Hec redit et iuvenen querit multosque timores
et mala, que fuerat passa, referre cupit.
340 Vult quoque narrare, qua fugerat arte leenam,
et vult narrare gesta modumaque fere,
scilicet ut cede venit saturata recenti,
scilicet ut multo sanguine feda fuit,
| scilicet utque sitim satis sedavit in unda,
345 se quoque sub tenebras isse referre parat.
Dum redit atque videt morum, que candida prima
protulerat poma, sed modo nigra stupet;
accedit proprius, miratur, an illa sit arbor
et locus: incertum fecerat ille color.
350 Credit abermasse, cum conspicit, ac ita secum
“Heu michi, fallere te, Pirame, cogor ego!’
Dum stupet et querit, corpus moribundum
aspicit et tremula membra ferire solum.
Aspicit atque timet tam flebilis inscia fati
353 atque retroducit tacta dolore pedem.
Pallor in ora subit et, ut quatitur morus leni
vento, sic toto corpore quassa tremit.
Ast ubi perfecte iuvenem cognoscit, amaros
effundit planctus, fletibus ora rigat,
360 evellit digitis crines et pectora palmis
percutit et teneras dissipat ungue genas.
Incurvata super morientis corpus amici
innectit collo brachia clara suo,
oscula pallenti gelidi quoque figit in ore.
365 Nam rubor a facie fugerat atque color.
331 in] inde AB 332 haut] hanc AB 333 urbertimque B 336 reddit A
338 que fehlt B 340 ante A 344 que fehlt A 344 satis] sputis B 345 se]
sic A 346 cedit A 349 illus ista B 357 quasse B 358 amaros] amoris A
362 Incurvati B 364 gelidi] geudi B 365 fugiat B 365 morus coniec. Bischoff
more AB
Anonyme Pyramusdichtung 61
Inscia quid preter lacrimas impendat amico,
has impendit ei prorsus et absque modo,
permiscet roseum lacrimarum fonte cruorem, .
u infundit lacrimis vulnera cruda suis
370 denudatque suum per talia verba dolorem,
— maior erat verbis actuum ipse dolor —
“Me miseram’, clamat, “cur, Pirame, sic periisti ?
Quis tristis casus te michi surripuit?
Unde tibi mors hec, mors invida, mors truculenta,
375 mors mala, mors fera, mors flebilis, unde tibi ?
Mors odiosa, mee quoque mortis causa futura,
cur annos iuvenis demitis ante diem ?
Et tu siquid habes in te modo, Pirame, Tisben
nunc affare tuam, stat prope te, quae vocat.
380 Et si non poteris assurgere corpore toto,
surge tamen vultu, lumina tolle tual
Promo tuum nomen!’ Tisbes (vocem) audit, otellos
quamvis morte graves erigit atque vidit;
ut semel aspicit, eterna nocte gravata
385 lumina subtraxit perpetuoque tegit.
Ut tamen attrectat velamen et aspicit ensem,
“Hec mea vestis’, ait, "hic tuus ensis erat.
Nunc scio, nunc video, quia te tua dextra peremit
teque tuus fodit ensis amorque meus.
390 Mortua credebar sine me tibi teste reperta
per que tuum gladius transiit ergo latus.
Sum tibi causa necis, heu, propter me peristi:!
In me vindinctam sumite, celicole.
Vitam demerui, quia per me corruit ipse,
395 | ipsa dedi causam mortis et ipse manum.
Ad cedem modo prompta manus veluti sibi certe,
hunc sequar ad manus, utar et ense suo.
Nec nos disiungit, quamvis mors separat omnes,
reor, sum causa sue mortis et ero comes.
400 Et vos, amborum Piramique meique parentes ee
quos orbos faciet, heu, brevis hora modo,
nox quibus ista dabit, per secula longa doloris
materiam, precibus, oro, favete meis:
Nos nimis frenis univit nexus amoris
405 nec nos disiunget hora suprema necis.
366 quidquid A impendit A 367 ei fehlt B 370 Denudat atque A 371 ac-
tum B 377 cum B 378 si quidem A 380 toto] tuo A 38ı tamen] cum B
382 Promo] Porro AB 384 simul Aaspicit hanc A 386 attractat B 390 tra-
debar B 396 prompta] prescripta A, prompto B 403 fehlt A 404 univit)
sumit B, disunit (?) A, frenis] frenius AB |
62 Anonyme Pyramusdichtung
—— nenn.
Hoc unum rogo, quod tumulo ponamur eodem,
urnaque sola tegat corpora nostra duo. °
Et tu, que corpuüs ramis spaciantibus, arbor,
nunc tegis unius, iam cito bina teges.
410 Tu nostre cedis, tu nostre conscia mortis,
te meus infundet sanguis, ut ante suus.
Uno perfusa sit iam fundenda secundo
sanguine; te facilem precantibus hiis
in signum nostre cedis per secula cuncta
5 ° pro nitidis pomis picta rubore feras.’
Precidensque suas per talia verba querelas
“Cur cito non moriar, sicut oportet’, ait.
“Morte mea pensabo tuam’, nec plura locuta
se, quo fossus erat Piramus, ense fodit.
420 Effluitat sanguis, radices arboris intus
irrigat, ad manes spiritus accelerat.
“Sed quid plura loquor? Dii sic statuere, quod arbor
nigra dabat poma, que prius alba dedit.
Vota sepulture superos movere parentes,
425 hos eodem tumuio deposuere simul. -
Hoc quoque de casu placeat dixisse duorum,
ne quisquam temere rursus amare velit.
O quam flebilia Veneris stipendia, quam sunt,
dura satis, que dat premia militibus!
430 Mens infirma intus, macies premit extra
| artus, perpetuo pallor in ore sedet,
evergunt (?) crure, discedit sompnus, ebescit
visus, sepe parum potus et esca placent.
Hiis septem se iungit amans et ad omnia claudit
+35 mors, donativa Venus dat ista suis,
que septem prima Veneris sunt premia; scire,
qui semel expertus est, sua tela potest.
Mors eciam sepe sequitur, quod morte duorum,
quos prudens dixit pagina, nosse potes.
440 Hoc ergo si quem delectat, fiat amoris
signifer, et Veneris milites obsequiis
et tu qui caperis in amore nove mulieris,
si non 'restiteris, scito, quod eger eris.
Quantum torqueris, qui captus amore teneris
445 quique iugo Veneris subdita colla geris!
. Est igitur melius cum primo sparserit ignes
alma Venus toto pellere corde faces
411 procidensque B 412 secunda A 417 non cito B 428 stupendia B
431 dant A 432 ebescit] obescit A 434 ad fehlt A 435 donatura A
dat] da B 437 et A 440 Hoc AB 444 cor queris B
Ovidius de :somnio 63
quam predicta pati vel deteriora, potentis,
postquam regnare ceperit intus amor.
430 Explicit Piramus von der hubscheit,
wy zweyen liben dick komt leyt,
von ires herzen grunde,
- dy nicht von munde zu munde
mogen clagen iren gebrechen,
455 dick unß daz ir herz zu schechen,
dy nicht an einander mogen gesyn.
‘ Glaube mir uf dy trewe myn:
kommen sy dan eins zusamens beyde, -
so streichen sie uber dy wilden heyde,
460 in gesche auch liebe ader leyde etc.
III.
De somnio.
Frankfurt a. M., Städt. Bibl. Ms. ııo (S. Bartholomaei), p. 26, saec.
XIII. ex. (F) zwischen echten und unechten Oviddichtungen. Ersten
Hinweis verdanke ich Dr. L. Bertalot (München).
London, Brit. Museum, Ms. Harl. 4913, fol. ıı2®—ı138, saec. XV
(H). Erwähnung bei Bartsch S. VI. Photographien verdanke ich J. P.
Gilson (London). | |
Zürich, Zentralbibl. C. 103, fol. 291, 45”—46Y, saec. XV (Z). Abschrift
verdanke ich Dr. Jak. Werner (Zürich), der das Gedicht in der Deutschen
Literaturzeitung 1907, Sp. 3168, genannt hatte. — Vorhandensein anderer
Hss. sehr wahrscheinlich. ' |
Ovidius desompnio.
Nox erat et placido capiebam pectore sompnum
et gravior solito tunc michi sompnus erat.
Tunc mea terrifici presserunt pectora visus
et mea que moveant hesito visa malum.
5 Quatuor a quadris surgebant flabra columpnis,
grandine commixta perfida surgit hiems.
Ecce duae species stabant in nubibus altis
et sibi conflictu prelia mira dabant.
Altera flagranti ridebat vulnera vultu,
10 altera crudeli fuderat ore minas.
448 predicta] delicta A 449 Amor] Amen A 450—461 nur in A 455 Sinn?
Überschrift fehlt Z, Ovidius de sompnio F, P. Ovidii Nasonis de somno H 2 tum,
darüber veltuncF. 35a quadrigis verbessert zu a quadris Z flagra Z 6 permixta Z
8 mira H, dira vel mira F, dira, übergeschrieben dura Z 9 ridebant H
64 Ovidius de somnio
Interdum celso vicere cacumine nubes, . ;
interdum terris alteritate iacent, |
Heu michi, diversa facies diversaque vestis,
non illis vultus, non color unus erat!
3 Altera flammigero lustrabat nubila vultu
aurificisque caput texerat illa comis.
In manibus gravidas plures gestabat aristas,
in pedibus violas, ebria saepe tamen.
Nescio si minio vel qualibet arte siccatus
20 virgineo rubeus haeserat ore color.
Pinguior, Hesperidum germanum credere posses,
continuo risu gaudia magna dabat.
Hanc ergo tenui cupiebam tangere tactu,
sed levis ad nubes illa volabat avis.
25 Altera continuo plorabat perfida luctu,
obscena facie, corpore turpis erat.
Cui caput immensum, collum subtile iacebat,
. sordidum et squalidum pectus habebat iners.
Longior et macies cunctos tenuaverat artus
so stridebatque nimis dentibus atque minis.
Saevior in digitis ignem ferrumque tenebat,
cuius ab ore ferus exit odor nimius.
Quas bona portabat, ferro caedebat aristas,
tunc cito sic caesas igne coquebat eas.
sw sed bona de truncis festinaque grana trahebat
lucique immissa tergere saepe studet.
Saevior illa tamen spicas non caedere cessat,
hoc opus, ille labor intus utramque manet.
Heu male tum subito visa est tetra vincere forma
40 succubuitque tetrae forma benigna deae.
Non potuit tantas species bona reddere spicas,
quas non feda sua caederet illa manu.
Illic conveniunt tanquam ad spectacula multi
et pavidis oculis bella stupenda vident.
45 Vir tamen ex illis veniens de nubibus unus,
hic michi comperta voce locutus ait:
“Quodvis ista manent quae cernis visa, futura
temporis instantis maxima dampna vides.
ıı vincere Z, superabant vertice H ı3 diversae H diversaque tegmina vestis H
14 über vultus noch unus F 15 mendula über nubilaZ ı16.artificis über aurificisque Z
ı9 minio] nimio£2 velF,utZ,seu H 27 cui] quoi H vel manebet über iacebat F
28 sordidum] sordibus 3 30 sedebatque Z minis] nimis A 35 festinam granam
F, alias festina A 36 Immissaque luce H studet über solet Z 38 ille] iste Z
39 tum] cum Z est fehlt HZ 44 stupenda] darüber miranda F, miranda nachge-
ragen H 45 Vir) Ut H 47 quodvis] quodputas H 48 vide H
Hevoiden des Baudri de Bourgueil 65
Quatuor a quadris, quae surgunt flabra columpnis,
30 2... mors sunt, ira, metus et gemitusque simul.
Haec sunt pestiferae coniuncta ferocia dextrae
et se connexo saeva furore tenent.
Hanc bene quam cernis spicas adsurgere densas,
| divitiis species dissimulata tenent.
55 Hanc male cedentem quam ferro cernis aristam.
Heu, heu crudelis est mala forma famis,
quod bona succubuit visa est mala vincere forma,
Praevalet haec nostro tempore saeva fames. ’
— Talia dum senior pavido michi verba dedisset,
tum michi nec sensus vox neque mens fuerat.
60 Hunc quoque dum saeva superatam sternere iactu
pertulit et totam mandere dente parat,
dumque ferox comitem crudeli dente vorari
ructuat et putrido sulphure complet aer,
hinc cito per cunctos ceciderunt corpora campos
65 et iacet infesto sulphure magna cohors.
Exitus hic sompni, tremor hinc ferus ossibus haesit
deseruitque color, membra pavere mea.
Explicit Ovidius sompnia visa ferens. |
IV.
Heroiden des Baudri de Bourgueil.
Rom (Vat.), Reg. Lat. 1351, saec. XII!, fol. 12’—24R (a), 53R—58R (b),
nach Delisle vielleicht Dedikationsexemplar des Autors.
Veröffentlichung fehlte bisher. Die Anfänge mitgeteilt durch L. Delisle
in der Romania, I 36. '
a)
PARIS HELENAE.
Quae vestrum nomen latum vulgavit in orbem,
si qua fama meum vestram spiravit in aurem,
quis sit Alexander Paris, est res cognita vobis,
formarum iudex, quem signat epistola praesens.
5 Scribere quod scripsi deitas inulta coegit,
fata Iovis, vates Phoebus Frigiique penates,
immo coadiutrix Venus et praesaga futuri,
quae dea votivis nequit esse iugalibus absens,
49 flagra Z 50 fehlt FZ 53 Hac H 55 nach 56 Z 56 forma est mala H
unter Auslassung von famis, fama vel famis Z 58 hoc FZ 60 quoque fehlt H
61 protulit H 62 Cumque H 63 eructuat Z 65 cohorsjchoros F color verb.
aus calor Z, calor H 68 Ovidius] pxkdkxs Z vissa Z Regine celi qui servit
‚mente fideli ab omni pena trahet eum virgo serenaZ: r&loc H
Studien der Bibliothek Warburg 13. Heft: Lehmann 5
66 Heroiden des Baudri de Bourgueil
quippe Venus semper iustos dispensat amores
10 et nichil est, Cipridem quod disparet atque Hymeneum:
ex aditis igitur vel vox delata sub auras
vel dii praesentes; nec enim me fallere possunt;
nam nec adhuc aliquem cortina fefellit eorum.
Saepe quidem numero super hoc me commonuerunt.
15 Hi michi dixerunt, quia Teucro nubet Achiva,
nubet Alexandro Troiano filia Ledae.
OQuae deducta potens a gentis origine Graiae
femina praepollens a nobilitate Pelasga
transferet Argivas ad Troiam sola Micenas
20 et multis annis regno regnabitur uno,
ultro continuus Tirio miscebitur Argus.
Ergo praemonitus diis vaticinantibus, ecce
ipse tibi pando, quod rettulit augur Apollo,
quod tibi portendunt per me responsa deorum.
25 Et tibi, ni fallor, mens iam divinat id ipsum,
digna quidem res est, ut dii tibi vaticinentur,
et decet, ut tecum praesagia diva loquantur.
. Ergo fave fatis neque fata morando retardes,
ad maiora vocant, quam sedulo fata reposcunt,
30 quam superi vocitant, quam Delius augurat ipse,
quam Citherea rogat, quam sidera cuncta loquuntur.
Ergo deos omnes metuas offendere sola;
offenduntur enim, siquis dilator obedit
differ — — — — — differat ipsa,
35 tu tardare potes, sed non avertere fata
parcendo tolerant ipsi prolongantque futura.
Nam neque differtur ipsorum impune voluntas,
sed cumulat paenas tolerantia longa deorum.
Ergo velis potius fatisque deisque favere
40 quam prius iratos vix tandem pacificare.
Ad te, si pro me supplex orator adessem,
ipse per orandi genus altius alter adissem
atque meis alios intermiscere colores
curarem scriptis, ut possent scripta placere,
45 quatenus insertus color affectare valeret
alliceretque michi te carminis ordo saporus.
Addere carminibus quaedam munuscula nossem,
corda puellarum quibus attemptare solemus.
Non modo res rogat haec, modo non sunt ista necesse,
50 vix aliquid pro me, potius loquor omnia pro te;
ipse revelo tibi, quod provida numina mandant.
34/35 nur noch z. T. entzifferbar
Heroiden des Baudri de Bourgueil
55
65
70
75
80
85
Ha, timeo, ne lenta deos et sera molestes;
gaudeo, quod merui super hoc diis gratificari,
quippe revelavi, quod mandant, ore fideli.
Nil michi plus ad te nisi diis te mando favere;
si vero tibi vis repeti mandata deorum,
aut quia fortassis nondum bene verba notasti,
aut quia vis aliter breviusque videre, quod instat,
red<d)ita verba michi rescribere non pigritabor.
Nam neque legato pudor est, ut verba notentur,
denuo metiri mandata iubentis ad unguen.
Dii tibi significant, ut mox spreto Menelao
et, quas imbellis frater veneratur, Athenis
Troica regna regas; Asie dominaberis omni,
quae caput est Asiae, si Troiae vis dominari.
Ergo veni Troiam, Troiae dominare roganti!
Nam genti nostrae sunt haec oracula nota:
“Ex Graecis Helenam pensant abducere fata
abductamque volunt muris inducere Troiae
inductamque parant Asiae preponere toti.’
Estque diu, Priami quod vox haec perculit aures
patris, laetatur super hoc matura senectus,
congaudens Hecuba pridem michi sollicitatur.
Patres, matronae suspenso pectore dicunt:
“Quid regina diu quam fata dedere moratur ’?
Aut haec nostrorum nescit responsa deorum,
aut timet aequoreas pectus muliebre procellas ?
Omnes ergo simul ventos placemus et auras
cum libaminibus mites et plena precemur
carbasa, que Paridi reddant conubia nostro.
Non etenim poterunt mentiri numina nostra,
sed neque fatorum praesagia vana putemus.’
Taliter Iliadum votis precibusque vocaris,
ipsa deos timeas, si publica vota moraris.
Sique diu spernis pia numina, seva mereris.
Augure fibriloquo tua Grecia semper abundat;
consule nec pigeat te consultare peritos,
quid sit, ne deitas tibi constringetur agendum.
Quod si sermonem vis ex me consiliumque,
do tibi consilium: diis incunctanter obedi,
huc ad nos venias, conubia Greca refutes.
Quod si forte venis uxoria femina nobis,
toto Troiano dotabere femina regno.
60 nicht mehr zu entziffern, vollständig übermalt
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zoo
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135
Heroiden des Baudri de Bourgueil
Nec tibi conubio grave sit succedere nostro.
Non mea nobilitas a nobilitate Pelasga
discrepat aut unquam superat Lacedemona Troiam.
Si tibi sunt fratres Castor Polluxque gemelli
Ledaque divina pro fertilitate superbit,
nam sua progenies dii condita transit ad astra,
et mea progenies diis adnumeranda nitescit,
et mea diis atavis praepollens floret origo,
et michi sunt fratres, est armis inclitus Hector,
alter cui parili nequeat probitate parari;
sunt alii, sua quos sustollit in aethera virtus:
his Phoebi tripodas, datur his cognoscere fibras,
his indagari stellas sedesque deorum.
Sed quid eos memorem nisi quod, quicunque mei sunt,
sintque tui fratres simul et tibi subiciantur.
Immo nec Argivam grave sit tibi linquere gentem;
Cycropides inbelle genus, gens dedita fanis!
Fabula nulla fuit, quam non tua Grecia finxit!
Hii iuvenes madide docuere vacare palestrae,
hii furibunda satis docuerunt orgia Bacchi.
Et laberintheum Grecus furor edidit antrum,
Icarus infidas, ut credunt, induit alas.
Hi quoque, quid resonet vacuis in rupibus echo,
et docuere simul, quanti sit adhuc Ganimedes.
Quod facinus, quoniam scripserunt in monimentum
attribuendo Iovi crimen, quod Iuppiter odit!
Illud in exemplum puerisque virisque dederunt
virginibusque mares ex magna parte tulerunt.
Quo solo facto debes quecunque, puella,
hos odisse viros, et neglige nomen Achivum.
Quid quod virgineos homo Grecus gestat amic<t)us,
suppara magna gerunt et terram sirmate verrunt
et crinalis acus revocat ducitque capillos,
imponunt capiti nocturno tempore mitras;
coniugibus parcunt, ut cum Ganimede laborent,
unguine virgineo refovent sua corpora Grai,
pene suis nuribus fas et ius deliciarum
eripuere mares propriumque sibi tenuerunt,
indigetes Grai, quod non sunt, esse laborant.
Forsitan et quidam vellent magis esse puellae,
quod si forte sibi pariendi competat usus.
Finibus a patriis coniunx arcebitur omnis,
Graiugenae steriles uteros orate virorum
et de semiviris superos querimonia tangat.
Has igitur terras, hanc funditus effuge gentem.
Hervoiden des Baudri de Bourgueil .
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Letabunda tibi plaudet Neptunia Troia.
Pergama facta manu divinae prolis habebis,
Troia, flos Asiae, totum tibi suggeret orbem,
si divum monitis, si sis quoque credula nobis.
Non eris in culpa, si divum iussa sequaris,
si dedigneris Danao fore concuba pelex;
qui terit aetatem barbamque comamque colendo,
damneque coniugium dici haec cöniunctio debet.
Confracti maculant opprobria nulla pudoris,
nulla superficies, actus infamia nulla,
quam vis magna deum vel dat vel cuilibet aufert.
Ipse pudor, fastus tibi dissuadere iugales |
mentis et inculte pecualia foedera debet.
O si Teucrorum praecelsa palatia cernas,
o si sydereas venias genitoris in aulas,
o si marmoreas videas sub tecta columnas,
sique struem thalami quandoque videbis eburnam,
si quoque fulcra domus nitidis interlita gemmis
Pergameosve lares vel cuiuscunque penates,
pro modico Danaas poteris deducere pompas,
immo casas humiles sua celsa palatia dices,
quodque putant aulas magalia parva vocabis.
Sic res Argolicae sunt nostris aequiperandae,
Quilibet ut nanus est aequiperandus Olimpo,
milvus ut accipitri vel tanquam corvus olori.
Preter tantarum memoranda cacumina rerum
quando quidem Troiae de nobilitate superba
fando vix aliquam conitor stringere summam,
cum nequeant nostris tot res lucescere verbis.
Teucros haeroas molimina magna virorum
Grais dissimiles, ut Graios pomiliones,
Troianos autem moderatos esse gigantes
laudando dicas. Horum regina videbis
caesarie flava stellata fronte decoros,
consilio claros a diis magnis oriundos,
pectore robustos — — manuque potentes;
matronis, nuribus, uxoribus atque puellis
integritas aevi formaeque decentia tanta est,
ut decor aetatem deceat aetasque decorem.
Munere divinae decorantur compositurae
impubes pueri vel quos aetas adolevit
pubetenus, tanta faciei compositura
vernant, aetati quae congruat et speciei
175 2. T. unleserlich
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Hervoiden des Baudri de Bourgueil
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exuperet quorum Narcissum gracia vestrum;
quos a diis genitos moderata decentia signat.
Solis coniugibus spreto Ganimede vacamus,
nobiscum alterius non est violatio sexus.
Quis memorare situm memoratae desinat urbis ?
Est siquidem Troiae situs ipse saluber et aptus;
dives enim tellus cerealia farra quot annis
vomere culta levi cupidis messoribus affert.
Ipse etiam tractus hilari dilectus Hiaco
exhilarat gentes geminata commoditate
Bacchia; non similes generat Praeneste racemos;
immo nec ille locus, qui dicitur Area Bacchi,
urbi vicinus, quam dicunt Aurelianem,
talia vina bibit nec talia vina refundit,
quae rex Henricus semper sibi vina ferebat,
semper ut in bellis animosior iret et esset.
Pauperibus siquidem velut addit cornua Bachus,
sic ignit tepidos et dextras armat inermes.
Arbore pomifera passim plaga nostra redundat,
nec desunt fontes nec prata virentia desunt,
pascua non pecori, non altrix silva ferinae;
insequimur cervos, scutatos figimus apros,
auritos lepores, damnas et rinocerota.
Quis praetermittat Simoentis clara fluenta ?
Quis Xanthi vitreas non admirabitur undas,
cui praeter Ligerim nullus similabitur amnis
et qui Burgulii rigat ortos Cambio felix ?
Hic quoque piscose sapor est et copia predae
et resonant unde stagnantes alite multa.
Pinus auricomas quis numeretur in Ida,
quercus glandiferas, tangentes sidera cedros ?
Fraxinus in silva rigidis hastilibus apta,
omnis ager nobis hac fertilitate redundat
sicut in autumnis ut totus rideat annus,
aut mixtum speres autumno perpetuum ver,
dum flores semper, dum fructus semper habemus.
Ne me falsa putes mandatis inseruisse,
tu veniens videas, quod erit testare videndo.
Non melior testis, quam qui conspecta profatur;
testis ego verus et adhuc mea dictio constat.
Has alternantes direxit Iuppiter ad nos.
noverat is nostra, quia sit sententia iusta.
Iudicium feci, nequeat quod iure refelli.
185 coniugimus Hs 212 numeretur] nomiretur As
Heroiden des Baudri de Bourgueil
Crede modo Paridi, Paridi quia numina credunt,
in nullis fallax, in cunctis sum tibi verax!
Sique venire cupis, timeas tamen ipsa venire,
ve] quia flat Boreas et quassant aequora pupim
2 30 vel quia vir presens nolentem te retineret,
altera sit nobis, diis altera sollicitudo:
ipse virum reprimam, dii flamina turgida placent,
implebo, si vis, armato milite classem,
obvius ipse viro pugnantes ense repellam
235 et predam pugnans intra mea Pergama ducam.
Nobilis o preda, semper memoranda rapina,
quae michi pluris erit, si sit mea sanguine fuso,
quae michi plus placeat nostro pensata cruore,
quam potius caram reddent commercia dura;
240 gracius est etenim, quod quis sibi vindicat armis.
O nimium felix, quem talis preda preibit,
pro tali preda Stigias innasse paludes
vel quemvis vellem durum superasse laborem,
aurea multa michi non essent vellera tantıi.
245 Attamen expetiit IJason non multa, sed unum,
sique venire velis potieris compote voto;
nam nisi si nolis, veniendi non eris impos,
non virtutis inops erit umquam filia Ledae.
Est opus incepto, si vis te credere ponto,
250 si mare sit placidum, si vela Favonius inflet.
Te committe rati, si vir tuus hinc procul absit.
Credo, quod superis industria vestra favebit.
OQuocirca securus ego certusque perorTo,
credo velis nolis oracula certa deorum;
255 nam veniet, veniet quicquid cecinere futurum.
Si vis illud, erit et erit, si forte repugnas.
Pena repugnantem spectat, pax grata volentem.
Ergo velis cum diis, quia diis obstare nequibis,
me quoque venturum tua littera significabit
260 atque tuum pernix ad nos iter anticipabit.
Nostraque legato mandetur epistola fido
nostraque versetur latitans sub pectore vestro.
Sique deest aliquid quod oportuerit magis addi,
addas. Nam subito, quo littera iusserit ibo.
265 Ibo pedes vel eques vel, si placet, ibo liburnis,
ibo solus ego vel fretus remige multo,
id michi difficile, quod nolis ipsa iubere.
Sique iubere velis, nil est grave nilque molestum.
258 obtstare Hs 259 venturam Hs
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270
275
283
290
295
300
3 sprarsit As
Heroiden des Baudri de Bourgueil
Nam michi sunt classes, michi sumptus et michi vires
Et michi sunt comites, nostri quoque dii miserentes
sunt adiutores. Nichil obstat, uterque velimus.
Dic michi sic “venias’, veniam quo carta notabit;
in Paridis thalamos dea migratura, valeto.
Terque quaterque vale, valeas, ut et opto valere.
Sic michi rescribas, ut me iubeasque valere
et per te valeas tua scripta michi recitare.
Attamen amplectar, in me quoque pene recondam,
quae veniens Helenae recitabit epistola nomen.
Carta quidem felix nimium, quae tangere vestras
in scribendo manus meruit, felicior autem
haec mea, si recubans Helenae sub pectore pauset.
OÖ tunc carta Paris, Paris autem carta fuissem,
atque modo possem, poterit quo carta latere
atque meus subito rursus michi sensus inesset
et scires, quis ego, quis ego, quoque dicere possem,
carta domi remaneret, ego quoque mitterer ad vos,
essem legatus pro me bonus atque fidelis
interpres Paridis Paridisque vicarius essem
et propter Paridem tecum causas agitarem
et responderem, si respondere iuberes,
et sapidos oculos et verba sapora notarem
et de te raperem, quod me rapuisse deceret.
Quam citius poteris, Paridem tua carta revisat,
ut fessum recrees et sanes debilitatum.
Et, rogo, dulcisono resonet te carta boatu
sitque michi speculum, per quod te cernere possim.
Florida verba michi deleget florida virgo
quae michi Ledeae vultum mentemque figurent.
Verbaque mellito tua sint condita lepore
et potius scribas, michi quae placitura videbis.
HELENA PARIDI.
Fama tuum nomen nostram celebravit in aurem
estque diu, Paridis quod res et commoda novi:
iudicium factum te totum sparsit in orbem.
Nam quis conticeat de iudice dicere tanto?
Diis quasi praelatus est iam, qui iudicat ipsos,
iussus es edictum libripens proferre deabus,
ut sopirentur mentes ita litigiosae.
Iuppiter astute subduxit iudicio se,
Heroiden des Baudri de Bourgueil
et tamen ipse satis litem discernere posset,
10 quam dictarat eis pomo discordia iacto,
amens a mensa quod erat seclusa deorum,
sed neutram voluit sapiens offendere divus;
iussit eas Paridis demum decreta subire.
Iudex iudicio finem superapposuisti.
15 Sic intellexi rem, sic ex ordine novi,
quin etiam, quae sit merces tibi debita, novi,
quid Venus et Iuno promisit quidve Minerva
vel quam vel cuius promissum preposuisti.
OQuam puto, quam spero, melius dii fata secundent,
20 spernque metumque meum dii mutent in potiora.
A superis melius liceat sperare timenti,
ha, nimium timeo, quia sit tibi perfida Iuno,
quod tibi sit deitas gravis atque molesta Minervae.
Ira fuitne, rogo, magnae Iunonis inulta ?
25 Turbata Iunone simul turbabitur aer,
aere turbato tellus infida manebit.
Iuno maritat humum, si nobis pacificetur
et male suada Iovis subducet commoda nobis.
Dissentire nequit coniunx a coniuge tanta,
32 Iunonem nunquam non exaudire valebit
Iuppiter atque Iovi semper sua Iuno favebit;
qua re Iunonis omnino est ira timenda.
Praeterea tua nobilitas et gloria Troiae
et Priami nomen antiquatumque volumen,
35 sceptrigeri multas dominatus in regiones,
Hectoris et nomen nostras devenit ad aulas,
totius mundi nobiscum machina vivit.
Nam quid igniti lateat tot lumina solis ?
Aut ad nos mittit aut nobis subditur orbis,
40 vix locus est ullus, cui non dominemur in orbe.
Aethiopes, Indos devicit nostra iuventus
et domuit linguam, quam dicit Greca Latinam.
Thebarum noster prostravit moenia miles,
fragmina fumiferos reddunt huc usque vapores.
45 Nescio quo pacto vires evasit Achivas
atque suo potiatur adhuc tua Teucria sceptro.
Nescio quid patula michi nunc versatur in aure,
nescio quid secum mea mens pensando susurrat
et res ex rebus quasi presagando volutat.
so Tu causam queris, tibi qua dominentur Achivi,
qua prosternantur nisi fallor moenia Troiae.
Nec michi fibrarum nec prepetis omina pennae
nec sacra Iunonis incognita nec sacra Phoebi.
74 Heroiden des Baudri de Bourgueil
Tu michi fatorum, michi tu responsa deorum
55 affers, et rerum magnarum volvitur ordo.
Est etiam nobis augur Dicteus Apollo
atque futura michi stillavit cordis in aure.
Is mutanda michi conubia sepe profatus
et natale solum dixit pariter fugiendum
60 me regno Troiae dotandam precinis esse.
Audio res ınagnas, iacet hic mutatio rerum,
Hoc siquidem pacto Troiae dominabitur Argus,
ne quid inexpertum, ne quid sit nonsuperatum
virtuti nostrae. Dii res ita regnaque pensant:
65 vel duo coniungam vel ego duo regna resolvam.
Causa rei magnae conservor femina sola,
si mutabo solum, si federa prima refutem.
Hoc itidem dudum michi vates insinuarunt,
terque quaterque michi seriatim rem recitarunt.
70 Sed me Iunonis multum deterret imago;
nusquam commota vadam secura Minerva.
Forsitan explebo fatis auctoribus hanc rem.
Tristibus inceptis deitas infensa favebit,
ut male perfectis olim malus exitus instet
75 et peccatores exterminet ultio dira.
Id cave, ne nobis in crastina tempora fiat,
sed dices: verum placari numina possunt,
Esto. Placentur. Placabilis hostia fiat
et dimittatur facta pro fraude reatus.
80 Dii placabuntur, si crimina destituentur,
Sed si crimen erit, Paridi quod adultera nubam,
restituarne viro? Repetam conubia spreta ?
Sed qua despectum prospectem fronte maritum ?
Nunquid despectus vir me dignabitur ultra ?
85 Placarine potest polluta coniuge coniunx ?
Nec cito dimitti pollutio publica quibit,
numina, ni redeam, nusquam michi conciliabo.
Velle redire grave est, gravius quoque nolle redire.
Sed potius peream quam, si tibi nubo, revertar.
90 Eripiarne tibi michi vel magis eripieris ?
An te desererem infelix et vivere possem ?
Siccine divellar Paridis complexibus unquam ?
Heu semel innexus solvetur nexus amoris.
Hoc solo verbo mea iam precordia marcent.
95 Taliter has pensans mecum delibero causas,
at desolatam rursum res consulit ipsa,
non id preciperent superi, si culpa fuisset,
crimen adulterii non numina sancta monerent,
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caelicolae tales occasio criminis essent.
Ipsi discernunt, rem tractant altius ipsi.
Non debemus eis torpenti corde favere;
ipsi principium, medium, finemque serenent.
Et tamen et superos aliquid fecisse fatentur:
Iuno Iovi summo, si creditur, insidiata est.
Insidiata virum de pelice sepe notavit.
Argus vivit adhuc custos, ne Iuppiter erret.
De Ganimede quidem penitus decerno tacere,
illicitos Veneris complexus sol reprehendit.
Et nimphae faciles diis consensere frequenter
et sibi sepe favent nec non sibi numina parcunt.
At nos censura sua, nos correctio dura
continuo cohibet, quatit asperitate severa.
Sed contra superos quae nos presumptio movit ?
Aequanimi voto patiamur facta deorum;
quicquid agunt etenim, non est reprehendere nostrum.
Diis liceat facere, nobis liceat tolerare,
nos quoque de nostris sollicitemur agendis.
Ut scribis, Troiam si venerit hospita coniunx,
coniunx alterius, coniunx de gente superba,
in quam si veniam, quia de me carta profatur,
infestabor ego quandoque furore tuorum
et tua plebs nimiam pro me fervescet in iram
et tua progenies, tua copia magna parentum
in me consurgent, cum bellis afficientur,
quae modo non sperant incommoda, cum patientur.
Namque meae gentis michi magna superbia nota est,
sunt genus infractum, gens invictissima bello,
quae perferre queat duros nimiosque labores,
provida consilio, gens plurima, gens opulenta
nec thalamo Paridis patientur me sociari,
dii licet annuerint, sedato pectore Grai.
Ulciscenda sibi superest iniuria tanta
et coniurabit propter me Grecia tota;
nam sic amissam Tex efferus ipse dolebit
et populos omnes dolor altus in arma ciebit.
Sique meus nolit quasi dedignando maritus
hoc scelus ulcisci, tegat iram dissimuletque,
at non hoc eius frater pateretur inultum
Cycropidaeve duces Aiax et durus Achilles
presignansque patris animum iam Pirrus Achillis,
Thessandrus, Stelenus, Palamedes et Diomedes,
130 Verbessert aus Nec poterunt Paridis me federibus sociari
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76 Heroiden des Baudri de Bourgueit
consiliis pollens et fraude malignus Ulixes
atque duces alii, quorum dare nomina longum est.
Hii Troiam longa vallabunt obsidione
145 atque manu dira miscebunt prelia multa.
Tunc dare terga prius discet Troiana iuventus
et, quos assuetos armorum ferre laborem
scribis et invictos et diro Marte potentes,
imbelles videas et vulgus inhers reprehendas,
150 frigida corda putes gentemque vocabis inermem.
Nam Dolopum tanti constabunt agmina vobis,
ut, si pugnetis, vos non pugnasse putetis,
quosque pusillanimes nunc asseris et muliebres,
magnanimos videas et confiteare viriles.
155 Parcius ergo suo suus hostis deroget hosti.
Accinctis et discinctis est gloria dispar,
lauda victores tandem certamine facto.
Mutua pax nobis, modo gens utrinque togata.
Confligent acies, ensem res ipsa rogabit.
160 Laus neutri parti nisi laus, quam vindicat ensis.
Ensis parturiat, non verba volantia, laudem
et minus audaces res, non bene gesta, refrenet.
Victores autem res gnaviter acta coronet,
quos neque convinxit vel necdum pugna diremit
165 et necdum potitur gens haec aut illa triumpho,
parcius extollas hos, parcius hos reprehendas.
Nec tamen obliquis anfractibus invehor in te
nec Teucrum Paridem regina redarguo regem,
sed tamen eventus belli foret inspiciendus
176 et tunc emerito potiretur quisque triumpho.
Tunc quoque namque mei me maxima cura remordet,
cum belli instabunt propiora pericula Teucris.
Tune prius illicitos abiurabunt hymeneos,
tunc omni populo coniunx odiosa videbor.
175 Cum vero natos matres nuptaeque maritos
et cum virgo suum bellis amittet amicum,
cum funestabunt sua Pergama sanguine cives,
cum cadet exanguis puer ante oculos genitoris,
Tindaridis facies invisa videbitur atque
180 totius belli furialis noxa dicabor,
et cinerata phalanx reliquorum armabitur in me
atque retorquebunt in me dispendia pugnae.
Tuncque ligata manus, Atridae restituenda
exolvam poenas, quas dictet adultera Troia,
185 quae me pellexit per multa oracula vatum,
quae precibus votisque suis mea corda subegit,
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quae rea pollutae nostrae fuit integritatis.
Namaque tibi parcet sanguis tuus et tua Troia
atque meus sanguis surget crudelior in me.
Haec Elenam reprimunt, Helenam hec metuenda coercent
Immo iugalis amor, etiam tenor integritatis,
haec me dissuadent, ne muter ad extera regna.
Attamen a superis sperare licet potiora,
propitiabuntur dii, si diis (quoque) gratificemur
et meliorabunt sua vel presagia nostra.
Pro re tantilla fortassis non Menelaus
aut alter multum super hoc Atrida dolebit
seu pro Ledea iurabit Grecia tota
seu prohibebuntur, ne vadant omine duro
seu mnare fluctivagum sevis aquilonibus actum
obruet in pelagus disperso milite vulgus
sive Joquax Itacus multo cecabitur auro
et solus faciet pacem venalis Ulixes.
Dives et a Grecis Priamus redimetur avaris
Aut etiam optato potietur Troia triumpho
atque minor numerus disperget milia multa
vel finem pugne pugnando differet Hector
sive molestati longe nimis obsidionis
casibus Argivi gladioque fameque subacti
illesa Troia remigrabunt ultro Micenas.
Quando volunt superi vel parcere vel misereri,
quis queat effari, numerare, sed et meditari,
quot signis, quot portentis, quanta ratione
secreta subito rerum mutatio fiat ? |
A superis ergo quisquis speret meliora.
Semper enim superi sunt indulgere parati,
lenit decretum lenis clementia divum
consiliumque suum clementer numina mutant,
nec tamen iniuste, sed secreta ratione.
Ergo confisa plus de bonitate deorum
quam diffisa meis vel factis vel faciendis
ipsa favere simul diis et tibi credula possem,
si non obstaret res altera, res nocitura,
res michi quae gravis est, feralis et intoleranda:
me nimis angustat violandi fama pudoris.
Et licet ipse pudor, si venero, non violetur,
— nam me fata vocant et sic rem numina pensant —
attamen humanas infamia polluet aures,
‚quae legem nescit neque ius edicere novit,
quae bona vel reticet aut inficit aut male mutat,
res male mutatas vacuas dispergit in auras.
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Hevoiden des Baudri de Bourgueil
Id timeo, gravis est infamis fama superstes.
Nam mea forma velut terrarum splendet ubique,
utque meum nomen decor unicus extulit orbi,
sic levis aura meos mortalibus efferet actus
nec dicet, quanta vel qua deitate coacta
hospes ad externum transivi femina regnum,
quam facie tristi, quam pectoris integra casti,
quam diris divum terroribus expavefacta,
pene minis monitisque patentibus exanimata.
Tantum dicetur: Rupit Ledea pudorem
atque iugale viri violavit adultera fedus.
Hac turpi populos aspergine fama replebit
et Ledam laedent eadem contagia matrem;
fata simul fratrum iamiam divina meorum
rumor et infestus et fama volans viciabit.
Tunc autem matris faciem pudibunda videbo ?
Aut rogo, qua facie supplex fraterna rogabo
numina, dum pro me tulerunt obprobria dura ?
Hunc eciam poterit ratio lenire timorem.
Nam michi nil aliud nisi tantum fama nocebit.
Nam quia divino, iusto res ordine fiet,
hanc saltim fratres rem noscent utpote divi
et geminum sidus paulo post ambo futuri.
Aequanimes igitur fratres materque benigna
remque serenabunt et sic decuisse probabunt.
Nil nocet ergo michi nisi fama modo popularis,
scilicet in populos haec turpia verba refundet,
culpas augebit, de diis taciturna silebit.
Nam velut infamis velit omnis fama volare,
haec bona quaeque tegit, mala vero spargit in auras.
Non tamen id timeo, si fama quod est fateatur,
ut probitas Helenae nosterque pudor maculetur,
sique velit falsos intermiscere colores,
inficiet verum, nigro superinduet album.
Si tamen est iustum plenumque viget rationis,
nisibus ut totis faciamus iussa deorum
Scilleos strepitus ut surdi pretereamus,
vulgaris ventus non est diis anteferendus.
Sic placeamus diis, ut vulgo displiceamus,
si tamen est a diis longe sententia vulgi
sique potest fieri, parti placeamus utrique.
Sin autem deitas audacter preficiatur,
— sic deitas loquitur, ut nunquam falsa loquatur,
sic et homo loquitur, nonnunquam ut falsa loquatur —
ergo caelicolis constat magis esse favendum,
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qui nunquam fallunt, nunquam falluntur et ipsi,
quam qui terrigenae fallunt, falluntur et ipsi.
Diis igitur faveo, sequor ad quaecunque vocabunt.
Heu, Menelae meus, quam lugubris avehor a te,
quam lacrimosa tuis rapior complexibus uxor,
heu quam dura meum patitur suspiria pectus!
OÖ utinam vel nunc diis non parere liceret
vel non essent dii, quibus ut faveamus oportet!
. Ut furibunda loquor, quia torquet viscera meror,
anxietate gravi facies pallendo liquescit.
Eripiarne meo vivens mulier Menelao ? -
En violabo fidem, quam debeo nupta marito ?
Saltim testis erit lacrimarum vena mearum
insomnesque oculi, dolor et suspiria cordis
et, qui cuncta videt, sol et nox conscia luctus
conscius et lectus libatae virginitatis.
Quod penitus nolens patriis divellor ab agris
quodque viri tandem thalamos invita relinguam.
Attamen ipsa meum sub corde feram Menelaum
nec poterit nostrum removeri pectus ab ipso.
Et sit testis amor me non violasse pudorem,
nec tamen ipsa fidem tibi conservabo minorem
nec minus in Paridem, quam debet, sponsa movebor.,
Immo iugalis amor, tenor inconvulsus amoris
libatique suo complexus more vicissim
dandaque mox nobis occasio collogquiorum
re vera poterunt mentes unire duorum.
Ergo non ultra claras visura Micenas
ad michi promissum Paridem fatis properabo.
Iam mea terra vale dulcesque valete Micene
tuque meus thalamus, michi conscius et Menelao,
ipse maritali quem foedere sepe sacravit!
Vadam gente mea caritura simulque propinquis,
vadam sceptrigeri Priami visura penates.
Nec iam me retinet pudor aut labor ullus ituram.
At discessurae clam non est duxque comesque,
hanc cum presertim scierit rem nemo meorum
nec cuivis mandare velim secreta deorum.
Ergo, quem super hoc totiens dii premonuerunt
et cui fata favent, Paris obvius ipse venito.
Nam tibi res agitur, tibi femina Greca paratur
curaque maior ei, cui res erit utilitatis.
Ille labor placeat, cui merces grata subinstat.
En ego mando tibi, tua sicut epistola dixit.
Te, sicut vellem, venturum significasti.
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Heroiden des Baudri de Bourgueil
Ecce volo venias, venias velut institor alter,
res citius fiat quam rumor preveniat rem
et malo ramus superappendatur olivae.
Sic urbi pacem, michi designabis eundum,
ut vero tanges portus et littora nostra.
Tu lateas intus, socii nautaeque loquantur,
quae deceant reges, vos res dicatis habere
nec nisi reginae vel regi ostendere velle
nec vos posse rates hinc vestras exonerare. |
Sed veniat rex et regina vel alter eorum,
interea lateant, ne possint arma videri
et superaddatur armis quaecunque supellex.
*Nuncius, ut mos est, veniet festinus ad aulam. | |
Ipsa domi subito faciam remanere maritum,
cum paucis adero, qui sitis et unde, rogabo.
Troiam vos, aliud simulantes, dissimulate,
ascendam navem, vos autem rumpite funem
et velox placide remus lentetur in unda
et mox in plenos vertantur carbasa ventos,
ut fugiat navis velocior alite quavis
et faciat pernix fuga desperare sequentes.
Si tamen ira meos armabit et efferet in nos,
ille meus, quicunque licet tua sentiat arma;
precedat, que me portaverit, uncta carina
sustineantque duae bellum pondusque sequentum.
Ista licet non sic res insperata pararit, |
nec quid opus factu gens noverit obtupefacta
ocius ergo, sibi quam possint consuluisse
accelerate fugam, quin ventos anticipate.
Tunc iubeas toto remis incumbere nisu,
tunc a me prudens oculos averte parumper.
Tempus erit, de me cum sit tibi tota facultas
et queat expleri nobis alterna voluptas.
Ecce tuae cartae respondit cartula nostra.
Nostra locata tuo sub pectore littera pauset.
Nam tua pausabit nostro sub pectore semper,
a sinibus donec nostris avulseris ipsam.
Littera, queso, mea, Paridem michi sepe saluta,
sepe salutato Paridi me gratificabis;
non tardabit enim si gratificabimur illi.
Expectate, veni, Paris, ut pariter redeamus,
“ ne faciendo moras ortantis vota retundas,
ne michi mentem dii vel mutent aequora venti.
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Sic michi rescribas, ut tu tua carmina reddas,
quatenus exponas non intellecta legenti,
praesenti praesens ut possis dicere: sic est.
Immo, quod expecto, michi dicas illud: aveto,
suscipiasque meum tibi me dicente: valetol
b)
FLORUS OVIDIO.
Fletibus irriguam mitto tibi, Naso, salutem,
qua tamen omnino, dum careas, careo.
Ipse salute cares in Ponti finibus exul,
Romae sum lugens ergo salute carens.
Quis procul a patria patriae non semper anhelet,
ad natale solum nec cupiat reditum ?
Nullus pauperibus locus est, habitatio nulla,
nulla sibi propriae mentio fit patriae.
At qui civis eras Romanae nobilitatis,
ipsis non impar sanguine caesaribus,
pulsus ad extremos, Parthus quos excolit, agros
immerito meritis iungeris exulibus.
Ut reus iniustam fers duri Caesaris iram,
inde nec iniustas ipse fero lacrimas.
Ecce cares Roma, gelidum removeris ad Histrum,
annum dimidiat qua glacialis hiems.
Orbis Roma caput, qua totus convenit orbis,
orbis imago tibi deliciosa domus,
nota theatra tibi, tibi cognita porticus omnis
omnis et ipsius nota platea tibi.
Quo populi coeunt, quo fundunt vota puellae
et loca nota tibi, tu quoque notus eras.
Fallere te nungquam potuit venatus amorum,
retia forte tibi tendere si libuit.
Femina nulla tuis fuit impenetranda sagittis,
cedebat iaculis femina cuncta tuis,
suspectusque viris nec eis tamen invidiosus
affectare ipsos ipse tibi poteras.
Nulli odiosus eras, sed eras gratissimus omni
excepto, quod te non bene Caesar habet.
Quippe gravis rumor pulsavit Caesaris aures,
de te deque sua coniuge rumor erat.
Nullus amicorum sedavit Caesaris iram,
nil tua profecit musa vel eloquium;
Caesar enim nunquam magis implacabilis ulli
quam tibi tantilla pro levitate fuit.
Studien der Bibliothek Warburg 13. Heft: Lehmann
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Nulla viro est tanti res quam de coniuge fama,
nulla ingrata sui fama pudica thori est.
Nec tamen ad sanctum sunt haec delata senatum,
communi famae carmen amoris obest.
Communi famae res livida dissimulatur,
quod noceat, dicit esse poema tuum.
Nec tamen exilio te dignum musa peregit,
sed tibi plus musa Caesaris ira nocet.
Sexus uterque diu sine carmine novit amare,
quod tenuere prius secula, tu recitas.
Non tu secla doces, sed secula te docuerunt:
Argus decipitur versibus absque tuis,
versibus absque tuis delentur moenia Troiae,
novit amare Venus versibus absque tuis.
Naturam nostram plenam deus egit amoris,
nos natura docet, quod deus hanc docuit.
Si culpatur amor, actor culpatur amoris;
actor amoris enim criminis actor erit.
Quod sumus, est crimen, si crimen sit, quod amamus.
Qui dedit esse deus, prestat amare michi.
Nec deus ipse odium fecit, qui fecit amorem;
namque, quod est odium, nascitur ex vicio.
Tu recitator eras nec eras inventor amoris,
nulla magisterio flanıma reperta tuo est.
Scriptor comedus pereat pereatque tragedus,
si levis aura tuae paginulae pereat.
Denique quod pulsus patria, quod factus es exul,
id Caesar potuit, non calamus meruit.
Ecce michi reduces facit haec querimonia fletus
et nunquam veteres en renovat lacrimas.
En renovat lacrimas Nasonis casus acerbus,
ha, nimium doleo, quod tibi nil valeo.
Nil valeo et doleo, quia sis michi causa dolendi;
quod tamen et doleo, hoc vehementer amo.
Participare tuis quantum licet opto querelis
—- causa querelarum nec tamen ipse fores —
in lacrimis saltim si nobis participemus,
non nos a nobis arbitror esse procul.
Corpore sum Romae, sed votis exulo tecum;
nam nulli potius quam michi carus eras.
Roma michi locus est, tibi Pontus, vel michi Roma
sit Pontus, Pontus vel tibi Roma foret.
Heu, nos a nobis omen grave cogit abesse,
attamen absentes spiritus unus alit.
Irrequietus ego terras metibor et aequor,
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ut saltim tecum demorer exul ego;
sım Nasonis ego, Naso sit Caesaris exul,
Naso potestatis, exul amoris ego.
Debeat inscribi nostro res ista sepulchro:
Exul Nasonis sponte sua iacet hic.
Tunc laetabor ego, tunc molliter ossa quiescent,
si superaddatur hic tumulo titulus.
Reges edomiti vim Caesaris experiantur,
experiar liber foedus amoris ego.
En alii timeant sibi verba tonantia regum,
‚fretus praevalido pectore nil timeo.
Nil aliud timeo, nisi claudat ut aequora Caesar
abdicatque michi protinus orbis iter.
Ecce malum duplex, heu, si me segreget a te,
si nos a nobis separet impietas.
Immo nos unus capiat quicunque locellus,
ambo vivamus, vivere dum liceat.
Alter si moritur, subito moriatur et alter,
nos ambos unus suscipiat tumulus.
Aurae vitales a semet non dirimentur,
carnibus expositae spiritus unus erunt.
Tu quoque, tu Caesar, tunc non dominabere nostri,
lurida sub te sunt corpora, non animae.
Quid moror in verbis? Promissa est solvere tempus.
Dum quoque Caesar abest, acceleranda via est.
Nunc etenim Morinos et fines fulminat orbis,
sed iam praeproperat fama redire virum.
Vadam nec veteri posthac fraudabor amico
nec nos a nobis mors etiam dirimet.
Attamen anticipet praenuntia cartula, nostrum
adventum dicens: en tuus ille venit.
A lacrimis ergo, dum venerit ipse, vacato,
ne nimis expensis tunc careas lacrimis.
Nulli signa viae per te sint cognita nostrae;
explorator enim Caesar ubique sedet.
Nomine quod nostro mutiletur epistola nostra,
optinuit Caesar, quem nimis ipsa timet.
Ipsa timet, ne visa semel non sentiat ignes
sive manus lacerae discidio pereat.
Nec tamen a solito fraudabitur ipsa: Valeto.
Immo refert audax: Naso meus valeas.
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OVIDIUS FLORO SUO.
Quam michi non habeo, mitto tibi, Flore, salutem
exul ab urbe mea Naso poeta tuus.
Exul ab urbe mea, toto magis exul ab orbe,
orbis barbaries cui proprius locus est.
Hic intemperies caelorum conglomeratur,
hic locus est alter, alter et ipse polus,
hic situs est alter, alter glaciemque nivemque perennans,
hic riget antiquo putrida gleba gelu,
hic me revera semovit Caesaris ira,
vivo quod exul ego, Caesaris ira potest.
Nec tamen emerui, quod Roma refutat alumnum,
civis Romanus exulat immerito.
Si Caesar mitis michi iudicium pateretur,
Caesaris ipse libens iudicium paterer.
Non me iudicium damnat, sed dura voluntas;
nam quod vult Caesar, Caesaris est ratio.
Sed tempta, si forte tui deferbuit ira
Caesaris huncque tuum taliter experiar.
Quod si fervet adhuc nec me velit ipse reduci,
ex his me saltim gentibus amoveat.
Leniet exilium, si me removebit ab Histro;
si mutabo locum, iam quasi liber ero.
Ad me venturum te carmine significasti,
sed te venturum non mea causa rogat.
At rogat, ut maneas, ut pulses Caesaris aures,
quandoque proficiet res iterata michi,
Ipse videre potes, quia saxum perforat imber,
non vi, sed quadam sedulitate ruens.
Nolo fatigeris, poteras veniendo perire,
multa viatores mortis imago tenet.
Obsunt praecipites porrecti in sidera montes,
plurima vallis obest, ipsum Acheronta petens.
Ingeminare meos quid vis, periture, dolores ?
O utinam peream, si veniendo peris!
Nunc doleo de me, de te tunc ipse dolerem.
Portio tu vitae dimidiata meae es.
Nervi, iuncturae tabescunt, ossa medulle.
Te solum nostri viscus amoris alit.
Nos antiquus amor nobis inviscerat estque
expertum nobis foedus amicitiae.
De te non dubito, de me quoque non dubitabis,
non est ambiguus noster habendus amor.
Ergo crede michi: maneas cum Caesare Romae,
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te michi, te quaeso Roma meum foveat.
Contemplare igitur tibi post convivia ternpus,
tempore quo reges incaluere mero.
Contemplare sui monimenta, recensa triumphi,
rumores laetos laetaque colloquia.
Tunc aliquid caute ludens intersere de me,
nil intemptatum quaeso relinque tibi.
Compella socios, compella quos valituros
praenosces et agas rem prece vel precio.
Si potes, ipsius tantummodo verba coerce,
pro qua, quem nosti, me reveretur adhuc.
Attamen iniuste de coniuge me reveretur,
quem natura facit coniugis inmemorem.
Nostra puellares exponunt carmina mentes
nosque puellarum non quatit ullus amor.
Quod si vivat amor aliquis vivatque voluntas,
horum iam neutrum subcomitatur opus.
Garrula lingua michi moresque fuere pudici,
ex utero cecidi castus et inpos ego.
Sed me virginibus mea pagina gratificavit,
quippe docet, quid amans sexus uterque velit.
Id Caesar noxe reputavit nec reputavit,
quod docet haec eadem, qualiter absit amor.
Nec docui iuvenes, ut amarent, sed magis illud,
si quid amare libet, qualiter aut quid ament,
Curans ut civis civiliter omnis amaret,
urbis seducta rusticitate meae.
Fac igitur semper, ut sis cum Caesare noster,
noster cras esto, sicut heri fueras.
Noster sis, ut te spondet tua pagina nostrum,
sis bonus et melior, uam michi promerui.
Aut michi sis talis, qualem tibi me voluisses,
si sortis nostrae te tetigisset onus.
Aut michi sis talis, tibi qualis et ipse fuissem,
si veniat casus alter in alterius.
Ecce tibi fortuna favet, faveatque precamur.
Me quoque transverso respicit intuitu.
Sint mea fata michi, tua vero divide nobis.
Attamen ipse michi iam mea dimidias,
tu comes et socius, tu nobis fidus amicus,
assumis lacrimas participando meas.
Sed rogo lamentis modicum te subtrahe nostris,
sed neque te nostris subtrahe subsidiis.
Ingere Caesareis te totis nisibus alis,
ingere te mensis, ingere te thalamis,
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ingere colloquiis de me, que digna videbis!
Multi vicerunt improbitate sua,
sed de me taceat velut invida Caesaris uxor
nec quicquam de me suggerat ipsa viro.
Attamen ipsi viri poterit tibi pandere verba,
haec tibi verba viri, tu sua pande michi.
Si quid decernet Caesar quasi mitius in me,
mox sua iussa tuus nuncius anticipet.
Nam nichil esse potest, quod possit durius in me.
Si placet, occidat; nam michi mors levior.
Sunt tria quae vellem, quoniam leviora videntur:
solvi, transferri sive necando mori.
Haec tria quaeso michi faciat, michi de tribus unum;
praeter quod fecit, nil faciet gravius.
Aggravet ipse manum, semper leviabitur ipsa,
quippe gravare nequit, sed leviare potest.
Forsan ut infidum me mendacemque veretur;
attamen istorum me fateor neutrum.
Ecce fidem de me sacramentumque paciscor
tuque paciscentis proximus obses eris.
Sı sibi sint odio mea carmina, carmina vito.
Exilium peperit improba musa michi.
Si quoque Caesareos iubear narrare triumphos,
sidera contingam pectine doctiloquo.
Grandia dico satis, sed grandia dicere debet,
ut sic evadat, quem premit exilium.
Nec tamen ultra me sum Naso poeta loquutus,
omnibus ingenii cognita vena mei est.
Ingenium dives me regum duxit ad aures;
me plus quam volui sustulit ingenium.
O utinam ingenium hoc latuisset Caesaris aures!
Ingenium exilii fit michi causa mei.
Ingenio didici formas inducere formis
et quicquid volui dicere musa fuit.
Forsitan haec olim tibi me dixisse iuvabit,
haec aliis itidem dicere cum poteris.
Simpliciter nostram si dicas utilitatem,
forsitan eiusdem Caesar amator erit.
Nullorum muse vatum sibi sunt odiose
excepto, nostrum quod male carmen habet.
Sed de me maior michi quam de carmine nostro
est labor et cura sollicitusque dolor.
O me diligeret nec amaret carmina Caesar!
Haec me cura mei non sinit immemorem.
Heu, me revera comedint incommoda dura,
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heu, gravibus morbis afficior lateris!
Gentis barbaries et lingua profana Latinis
terraque vere carens me nimis afficiunt.
O quantum vitae perdit, qui floribus agri,
qui volucrum dulci garrulitate caret!
Hic avium vox nulla sonat, flos nullus habetur,
albicat omnis ager sedulitate nivis.
O vita infelix morte infelicior omni,
cui diuturnus inest continuusque dolor!
Tot michi sunt mortes, quot sunt michi tempora vitae;
donec vivo miser, semper ego morior.
Proh dolor, in paenis hominem durare dolendum est,
morte quidem paenas anticipare leve est.
Intempestivis algoribus ecce rigesco;
ve michi, Naso tuus frigore depereo.
Nec quenquam timeo nec quenquam carta timebit,
idcirco nomen sepe frequento meum.
Id sapiat Caesar, id non abscondere possum:
esse nimis cuperem liber ab exilio.
O mea Roma, tuis si reddar menibus unquam,
o si forte tuis uberibus recreer,
o michi si sanctum detur spectare senatum,
si reliquos patres sique tuam faciem,
proruerem supplex in quelibet oscula patrum,
in tua flore magis oscula proruerem!
En nunc effundo, quos tunc effundere fletus
debueram; tantus me dolor exagitat.
Observant nullum mea iam suspiria tempus;
tempus enim totum substitit in lacrimis.
Sed rogo te, rogo te, mi Flore, mei miserere
atque memento mei, cum tibi tempus erit.
Tu solus spes una michi, res ipse salutis,
in te singultus colloco, Flore, meos.
Verterer in truncum potius velut altera Fillix,
quam mala sentirem, que facit exilium.
Invenere dei meliores Laodomiam,
Piramus et Tisbe numen habent melius.
Passeris extincti non parvula defleo damna.
Me deflent oculi non sine rore mei.
Iam quoque deficio, ne versus versibus addam,
extremumque ‘Vale’ vix ago, Flore, tibi.
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88 Venus verteilt die Frauen
V.
Venus verteilt die Frauen.
Rom (Vat.), Vat. lat, 1602, saec. XIV, fol. 48%“V zwischen anderen
Ovid zugeschriebenen Gedichten, ohne Titel mit der Randbemerkung
als saec. XV: non est Ovidii, in der unten (alsNr. VIB) veröffentlichten
Liste als Ovidius de distributione mulierum, versus 44. Bisher meines
Wissens unbekannt; Text nicht in allem verständlich.
Rebus in humanis non est res altera talis:
Si fuerit totis pulcra puella modis,
hec facit, ut placeat; quam plures querere certat.
Si perit hec, quid erit? Quisquis amare velit;
5 non aurum, non gemma placet, rubra purpura pellet
vir, quoque sordebit et sibi turpis erit.
Hec precium rebus dat, quas in honore tenemus.
Hec placent e reliquis, nulla suis meritis.
Felices, belle quorum sunt forte puelle,
10 munere vel Veneris que dominantur eis.
Namque volens dignis illas sociare maritis
et dare preterea, que decoravit, ea
celitus advenit media testudine, sedit
alta sub templi, quod Numa fecit ei.
15 Mox passis portis intravit clericus omnis
et fecit lentam quisque salute deam.
Tunc inquit ‘Pulcras, vos cleri, sumite nuptas’
et cepit sponsam tradere cuique suam.
Quas cum tradebat, sicut dea precipiebat
20 ‘Semper vos clerus possit amare meus
et clerum belle possitis amare puelle.
Femina dum fuerit, iussio semper erit.’
Post hec Mercurii properant et Martis alumpni
ad Venerem pulcrum poscere coniugium;
25 ‘Has ego non aliis,’ inquit, ‘copulabo maritis,
quas statui clero semper habere meo.
Atque reverentes et hii (?) mala cuncta ferentes
iussit mundanum semper habere malum.
Pleps eciam, pullo que senper operta cucullo,
30 post laicos venit, munus idem peciit;
nam metuunt monachi federa coniugii.
Dixit divina Venus ‘Meruit connubia clerus.’
3 querere Ergänzung durch andere Hand 3 certant Hs 5 place Hs 8 reli-
quis] requiis Hs 8 placet Hs 21 et clerum] e cellerum Hs
Listen ovidianischer Dichtungen 89
Tunc illi Grecum dixere ‘Kirie leyson’.
Et Venus ‘Hoc verbum dicite perpetuum.
35 Venisti tardi, non do “possitis amari’”.
Do vobis salsas sepe comedere fabas.’
Cesserunt fratres, cum dedit illa iugales;
unde manent clausis collacrimantque locis.
Res fuerant Veneris sub numine mille (salutis,)
40 qua dotare fecit et tibi, clere, dedit.
Sic homo quisque suum retinet per secula donum,
clerus et laicus et monacus tacitus.
Clerus habet pulcras rerum quascunque figuras
et mala sunt laicis, Kirie dat monachis.
VI.
Mittelalterliche Listen ovidianischer und pseudo-ovidia-
nischer Dichtungen.
„Die handschriftlichen Vitae Ovidii sind ohne Wert‘ sagt Teuffel!)
und hat recht für die Lebensgeschichte des Dichters, nicht für sein Nach-
leben. Ich hebe wenigstens zwei mittelalterliche Listen der Schriften
heraus, die besonders reich an untergeschobenem Gut sind, sehe einst-
weilen von den weniger reichhaltigen Verzeichnissen bei Guiglielmo da
Pastrengo und in einem Codex Malatestianus?) ab.
A.
Krakau, Univ.-Bibl. Ms. 2115, saec. XV”«. pn. 2:
Hic continetur numerus librorum quos composuit?). |
I. Primo librum heroidum qui sic incipit Hanc tua Penelope mittit
tibi lento Ulixe; |
2. fecit librum amoris q. s. i. Si quem forte iuvat subdi en
amori.
3. fecit librum sine titulo q. s. i. Qui modo Nasonis fueramus quinque
libelli; .
4. fecit librum de cuculo q. s. i.t) Conveniunt cuncti <subito> de
montibus altis;
5. De philomena q. s. 1.5) 3 Dulcis amica veni noctis solacia drestans;
1) Geschichte der römischen Literatur II® $ 247, 5.
2) Jos. M. Mucciolus, Catalogus codicum mss. Malatestianae Caesenatis bibliothecae.
II (Cesena 1784 p. 231 sq.)
3) Nur die mittelalterlichen Ovidiana und die Ausschnitte aus echten Oviddichtungen
werden hier von mir mit kurzen Anmerkungen versehen.
4) Vgl. oben S. 4 ff.
5) Vgl. oben S. 3 f.
00 Listen ovidianischer Dichtungen
6. De pulice q. s. i.!) Parwa pulex ei amara lues inimica Puellis;
7. De sompno q. S. 1.2) Nox erat et sompnis lapsus submisit ocellus;
8. De nuce q. S. i. Nux ego iuncta vie cum sim sine termino vite;
g. De medicamine aurium q. s. 1.?) Ne tibi displiceam quia sum corbore
parwus;
IO. De medicamine faciei q. s.i. Discite que faciem comendant cura
buelle;
11. fecit librum De psitaco q. s. i.t) Psitacus <Eois> imitatrix ales a
lumbis;
12. Duodecimo de Jove q. S.i.?) Lucus amenus erat quem [ons fasiebat
amenum;
13. De fastis q. s.i. Tempora cum causis Latium digesta der annum;
14. De ibin q. s. i. Adhuc lustris bis iam mihi quinque peractis;
15. fecit Ovidium puellarum q. s. i.°) Summi victoris cum fueram ego
viclor amoris; |
16. DePontoq.s.i. Naso Tomitane iam non novus incola terre;
17. Tristium q. Ss. i. Parve, nec invideo, sine me iam ibis hiber in
urbem,
18. Methamorphoseos q. Ss. i. In nova fert animus multatas dicere formas;
19. Ovidium de remedio amoris q. s. i. Legerat huius amor nomen titu-
lumque libelli;
20. Librum de vetula q. s. i.”) Ovidius Naso Peligni ruris alumnus;
21. De anulo q.s.i. Anule formose, digitum iunctum Puelle.
B
Escorial, Ms. V. III. 10, saec. XV, bietet folgende Liste mit z. T.
schlecht überlieferten Verszahlen, nach Hartel und Loewe:
Libri compilati per Ovidium:
Ovidius epistolarum, continens versus 3800,
O. de sine titulo, v. 2372,
_— — — — - OÖ. de ybin, v. 642,
OÖ. de vetula,!®) versus 2362, O. de pulice,!!) v. 34,
ı) Vgl. oben S. 6.
2) Amor. III 5. Vgl.oben S. 2 u. 8£.
3) Vgl. oben S. ı1ı.
4) Amor. Il 6. |
5) Ps.-Ovidius de luco. Vgl. oben S.o9.
6) Vgl. oben S. ııf.
7) Vgl. oben S. 13 ff.
8) Amor. II ı5.
9) Bibliotheca patrum Latinorum Hispaniensis. I (Wien 1887) S. 256.
10) Vgl. oben S$. 13 ff.
ıı) Vgl. oben S. 6.
Listen ovidianischer Dichtungen 0I
OÖ. de sompno,!) v. 46, O. de senectute,?) v. (?),
OÖ. de nuce, v. 200, O. de puellis?), v. 404.
O. de philomenaf), v. 72, O. de rebus®), v. (?) 44,
OÖ. de ludo®), v. 80, O. de cuculo’), 54,
O. de vino®), v. (?), O. de medicamine aurium?, v. 28,
O. de quatuor humoribus!”, v. (?), O. de osea et ciconial!, v. 48,
O. de distributione mulieruml?), v. 44, |
O. de libro Iovis!?, v. (?) gı, O. de schachis!*),
O. de mirabilibus mundi!°), v. 118.
ı) Am. Ill 5.
2) ?
3) Vgl. oben S. ııf., der "Ovidius puellarum’, der hier gemeint sein dürfte, hat in den
Drucken 297, in einigen Hss. mehr bis zu 375 Versen, in keiner mir bekannten Überlieferung
404 Verse.
4) Vgl. oben S. 3f.; Pascal, Poesia p. 127 sqq.; Letteratura p. 35 sq.
5) Wohl identisch mit dem Gedichte De distributione mulierum, vgl. oben S. 88.
und hier Anm. 15.
6) Ein Gedicht über das Schachspiel ?
7) Vgl. oben S. 4ff.; Pascal, Poesia p. sqq.; Letteratura p. 84 sq.
8) Vgl. oben S. 6. Ovidius de Bacho z.B. in den Handschriften Basel F. VII. ı
saec. XV, Zürich C. 103 saec. XV, Frankfurt 110 saec. XIII; eine Hs. auch in Maihingen.
9) Vgl. oben S. ıı.
10) Vgl. oben S. ıı; Pascal, Poesia p. 113 sqq.; Letteratura p. 81.
ıı) Bisher nicht wiedergefunden. |
ı2) Text erstmalig oben S. 88 f. veröffentlicht.
13) = Ovidius de luco. Vgl. oben S. 9 u. 95. Noch unveröffentlicht, in der mir
bekannten Überlieferung 8ı oder 82 leoninische Hexameter.
14) Vgl. oben S. ı5; Pascal, Poesia p. 137 sqq.; Letteratura p. 88 sqq.
15) In der Überlieferung 128 Verse, vgl. oben S. 6£.
ANMERKUNGEN.
ı) Noch immer nicht ersetzt ist die Einleitung von Karl Bartsch, Albrecht von
Halberstadt und Ovid im Mittelalter, Quedlinburg 1861. Aus der neueren Literatur
seien außer den Abschnitten bei Sandys, Schanz und Teuffel hervorgehoben: E. Faral, vgl.
meine Anm. 10; A. Graf, Roma nella memoria e nelle immaginazioni del medio evo. II (1883)
p- 296 sqq.; M. Manitius, Philologisches aus alten Bibliothekskatalogen: Rhein. Museum.
N.F. XLVII. Ergänzungsheft (1892) S. 3ıff.; ders, Ovid im Mittelalter: Philologus
Suppl. VII (1899) S. 72ff.; ders., Zu römischen Schriftstellern im Mittelalter: Philo-
logus. LXI (1902) S. 464f.; Jos. de Morawski, Pamphile et Galatee par Jehan Bras-de-
Fer, Paris 1917, p. 3 sqq.; F. Novati, Attraverso il medio evo, Bari 1905, p. IIg sqq.;
G. Paris in der Histoire litteraire de la France. XXIX (1885) p. 455sqq.; C. Pascal, Poesia
Latina medievale, Catania 1907, p. 87sqgq-; ders., Letteratura Latina medievale, Catania
1909; R. Schevill, Ovid and the renascence in Spain, Berkeley 1913; Willib. Schrötter,
Ovid und die Troubadours, Halle 1908 (dazu K. Voßler im Literaturbl. f. germ. u. roman.
Philologie. 1909, S. 63) ; H. Sedlmayer, Beiträge zur Geschichte der Ovidstudien im Mittel-
alter: Wiener Studien. VI (1884) S. ı42ff.; S. Tafel, Die Überlieferungsgeschichte von
Ovids Carmina amatoria, Tübingen ıgıo; K. Voßler, Der Minnesang des Bernhard von
Ventadorn, München 1918: Sitz.-Ber. der Kgl. Bayer. Akademie d. Wiss. 1918. Abhandl.
2 S. ı22ff. und die von mir in anderen Anmerkungen genannten Arbeiten. Nachträglich
verweise ich noch auf das gefällige und anregende Buch von E. K. Rand, Ovid and
his influence, Boston 1925, das aus gelehrten Studien erwachsen sich doch nicht aus-
schließlich an Gelehrte wendet.
2) Die meisten Pseudo-Ovidiana durch Melchior Goldast, Ovidii Nasonis Pelignensis
erotica et amatoria opuscula etc. (nicht ‘Catalecta Ovidii’, wie Teuffel und Schanz den
nie von ihnen gesehenen Titel geben), Frankfurt 1610 herausgegeben, von welchem sehr
seltenen Werke ich ein Exemplar in der Zentralbibliothek zu Zürich benutzen konnte.
In neuester Zeit hat besonders C. Pascal Notizen über Ps.-Ovidiana zusammengestellt.
3) Außer den in Anm. ı genannten Arbeiten vgl. beispielsweise Hennig Brinkmann,
Geschichte der lateinischen Liebesdichtung im Mittelalter, Halle 1925; H. Unger, De
Ovidiana in carminibus Buranis quae dicuntur imitatione, Straßburg 1914.
4) Es gibt allerdings auch ein pseudo-ovidianisches Gedicht gleichen Titels, vgl.
im Anhang 63 ff.
5) Ovidius ad amicum de inconstantia verum in Rom Bibl. Angelica Ms. 1472 saec.
XV. Vgl. H. Narducci, Catalogus codicum mss. praeter graecos et orientales in Bibl. An-
gelica. I (Rom 1893) p. 633. Diese aus Ovid. Ex Ponto IV 3, 49f. stammenden Verse
ohne Autorbezeichnung auch in den Carmina Burana (ed. Schmeller p. 50 no. LXXXVI?°)
und in Zürich C. 58/275 saec. XII ex. fol. 36R u. ı5ıV (vgl. Jak. Werner, Beiträge zur
Kunde der latein. Literatur des Mittelalters, Aarau 1905, S. 76 u. 137.)
6) Hier alle Hss. aufzuzählen, die den Herausgebern und Bearbeitern entgangen sind,
wäre leicht, würde aber hier zuviel Raum in Anspruch nehmen. Ich erwähne nur einige
Textzeugen. Wenn einmal jemand eine kritische Ausgabe oder ausführliche Untersuchung
aller Ovid fälschlich zugeschriebenen Stücke unternimmt — was lohnend wäre —, stehen
ihm meine, keineswegs schon vollständigen Notizen zur Verfügung.
Anmerkungen 7—II | 03
7) Vgl. die Ausgabe bei A. Riese, Anthologia Latina. Nr. 762, dazu C. Pascal, Poesia
p. 127sqq.
8) Compendium part. III lib. III rubr. 12.
9) Nicht nur der eine junge Ambrosianus, den Pascal, Letteratura p. 85, ohne Hin-
weis auf Montagnone anführt, sondern auch Berlin Phill. 1796 und Lat. 2°49; Rom. Vat.
lat. 1602, 9657 und gewiß noch andere.
ı0) Vgl. Georg Hart, Ursprung und Verbreitung der Pyramus- und Thisbe-Sage,
Passau 1889; ders., Die Pyramus- und Thisbe-Sage in Holland, England, Italien und
Spanien, Passau 1891; J. Bonnard, La l&gende de Pyramus et Thisbe en vers frangais
du XIII® siecle, Lausanne 1892; Picot, Moralit€ nouvelle de Pyramus et Thisbe, Paris
1901; A. Schaer, Drei deutsche Pyramus- und Thisbe-Spiele, Tübingen 1911; E. Faral,
Recherches sur les sources Latines des contes et romans courtois du moyen äge, Paris
1913, p. 5—71; Piramus et Tisbe, po&me du XII® siecle. ed. C. de Boer, Paris 1921.
ıı) Baudri von Bourgueil schildert unter den Gobelins, die angeblich den Palast
der Gräfin Adele von Blois (um 1100) schmückten, auch Ovidteppiche; vgl. L. Delisle in
den M&moires de la soci&te des antiquaires de Normandie. VIII (1873) p. 194 v. ıgısq.:
Piramus et Thisbe gladio moriantur eodem,
ex ipsis aulem fabula picta manet.
Als ich 1925 im Regent-Theatre zu London bei einer Aufführung von B. Shaws Saint
Joan die Nachbildung eines mittelalterlichen Gobelins mit Pyramus und Thisbe gesehen
hatte, forschte ich nach und stellte schließlich, dank vor allem der unermüdlichen Hilfe
von Dr. F. Saxl, einen solchen Bildteppich im Victoria and Albert Museum zu London
fest. Auch an anderen Darstellungen ist kein Mangel. Nachdem bereits Ch. Cahier,
Nouveaux Melanges d’arche&ologie etc. I (Paris 1874) p. 228 sq. die Basler Reliefs, die
in manchem von Ovids Darstellung abweichen, erörtert und abgebildet hatte, gab
A. Goldschmidt, Der Albani-Psalter in Hildesheim, Berlin 1895 S.7off. die richtige
Deutung, fand jedoch in dieser Hinsicht nicht so bald genügende Beachtung. Die
überholte Anschauung bot E. P. Evans, Animal symbolism in ecclesiastical archi-
tecture, London 1896, p. 303. Dagegen ist vor wenigen Jahren Konrad Escher mit
Recht nachdrücklich für Goldschmidts Erklärungen eingetreten, vgl. Basler Zeitschrift
für Geschichte und Altertumskunde. XIV 165— 174.
Aus dem Codex Paris. lat. 15158 vom Jahre 1289 hat R. Stettiner. Die illustrierten
Prudentiushandschriften, Berlin 1895, S. 147, eine Bilderreihe zu Pyramus und Thisbe
hervorgehoben, die er dann, Berlin 1905, in seinem Tafelbande I. 200 Abb. ı9 in
Verkleinerung hat reproduzieren lassen. St. führt diese Buchillustrationen auf Elfen-
beinskulpturen zurück und erinnert dabei an den in der Schatzkammer der Krakauer
Schloßkirche aufbewahrten Elfenbeinkasten saec. XIV französischen Ursprungs, wozu
J. v. Antoniewicz in den Romanischen Forschungen V (1890) mit unzulänglicher Bild-
wiedergabe S. 252 und die besseren Reproduktionen bei Raymond Koechlin, Les ivoires
gothiques Frangais (Paris 1924) pl. CCXIX nr. 1285 (Catalogue t. II, 453sq.) zu ver-
gleichen sind, und an die Darstellungen eines italienischen Elfenbeinkastens, Tresor de
numismatigue et de glyptique II (Paris 1836) pl. 33 —35. Französische Elfenbeinkästchen
saec. XIV mit Szenen aus Pyramus und Thisbe im South Kensington Museum zu
London, vgl. J. ©. Westwood, A descriptive catalogue of the fictile ivories in the
South Kensington Museum, London 1876, p. 274sq. Italienische ‘coffrets d’ivoire re-
presentant le recit d’Ovide’ erwähnt Ch. Cahier, 1. c. p. 229. Koechlin verzeichnet unter
no. 1212 und 1299 noch andere Plastiken. — Grell aquarellierte Federzeichnungen
deutschen Ursprungs saec. XV .. findet man in der Handschrift 16. o. 9 des Ferdinan-
deums zu Innsbruck, vgl. H. J. Hermann bei F. Wickhoff, Beschreibendes Verzeichnis
der illuminierten Handschriften in Österreich. I (Leipzig 1905) S. 103, und am Schluß
; einer im Anhang abgedruckten mittelalterlichen Dichtung, München lat. 25187. Plan-
mäßige Sammlung und Behandlung des seit der Renaissance immer reicher werdenden
Materials sei dem Kunsthistoriker überlassen.
04 | Anmerkungen 12—-33
ı2) Histoire litteraire de la France XV. (1820) p. 427; R. Peiper im Archiv für
Literaturgeschichte. V (1876) S. 536; W.Cloetta, Beiträge zur Literaturgeschichte des
Mittelalters und der Renaissance. I (Halle 1890) S. ı22; Joh. Bolte in der Deutschen
Literaturzeitung. 1893 S. 523f. Peipers Behauptung S. 536, das Gedicht existiere in
vielen Hss., muß ich einstweilen für irrtümlich halten.
13) Les arts poetiques du XII® etdu XIII® siecle, Paris 1924 (Biblioth&que de l’&cole
des Hautes-Etudes. fasc. 238) p. 10.
ı4) Faral, Les arts poetiques p. 331—335. Incipit:
Consulte teneros non claudit tulor amantes.
15) Faral, l.c. p. 10. Incipit:
A cunis mens una duos amor unus ulrumque.
16) Daß er eine Pyramusdichtung verfaßt habe, sagt er selbst, vgl. E. Faral, Les
arts poetiques p. 7. Da Stil und Sprache vortrefflich zu Matthaeus passen, dürfen wir der
Randbemerkung des Cambridger Codex Vertrauen schenken.
17) Vgl. die beiden Schedelhandschriften saec. XV München lat. 237 fol. 1ızı8—
128Y und 416 fol. 239®—245V, Abdruck im Anhang IIC S. 51 ff.
18) Selbst 1924 scheint F aral von der Reichhaltigkeit der Überlieferung nichts
gewußt zu haben.
ı9) Vgl. J. Huemers Ausgabe in den Sitz.-Berichten der Wiener Akademie. CXVI.
20) Vgl. Anhang S. 46 ff.
2ı) Darüber schon Faral p. 39.
zıa) Vgl. Comoediae Horatianae tres, ed. R. Jahnke, Leipzig 1891, p. 16.
22) MG. Poetae. I 270ff.; H. Walther, Das Streitgedicht in der lat. Literatur des
Mittelalters, München 1920, S. 35f. -
23) Ausgabe von E. Voigt, Kleinere lat. Denkmäler der Thiersage, S. 58—-80.
Vgl. auch Pascal, Poesia p. 142sqg.
24) Gedruckt z. B. in den Poetae Latini minores, ed. Lemaire. VII275sqq. Vgl. auch
Pascal, Poesia p. 97sqq. Handschriftliche Überlieferung reich und alt. In Escorial T.
II. 16 saec. XV als Ovidius de doctrina pulicis!
25) Handschriftlich in Bern 505, Paris lat. 84294 , Troyes 879 usw.
26) De lumaca et Lombardo, hrsg. von H. Sedimayer in den Wiener Studien. VI
ı51f., besser von F. Novati, Attraverso il medio evo, Bari I9o5, p. 1Igsgqq. Unbenutzte
Hss. in München, Leiden, Schlägl u. a.
27) Die “‘Altercatio ventris et artuum’ zuletzt gedruckt bei C. Pascal, Letteratura
p. gısqq. Beste Erörterung durch H. Walther, Streitgedicht S. 60ff., wo viele Hss. nach-
getragen sind. O. Clemen im Zentralbl. f. Bibliothekswesen. XXXIX (1922) S. ıoıff.
hat leider Walthers Arbeit übersehen.
28) Vgl. Jak. Werner in der Deutschen Literaturzeitung 1907 Sp. 3168; C. Pascal,
Letteratura p. 82. Daß die Verse aus Eugenius Toletanus (MG. Auctt. antt. XIV 236,
233, 238) genommen, also nicht ungedruckt sind, hat mir J. Werner (Zürich), sich selbst
berichtigend, am 9. IX. 1924 mitgeteilt.
29) Gute Ausgabe und Besprechung durch M.R. James in den Essais and studies
presented to William Ridgeway on his sixtieth birthday, Cambridge 1913, p. 286sqg.
30) Migne, Patrol. lat. CLXXVII.
31) ed. A. Le Prevost. III (Paris 1845) p. 275.
32) Es ist also bedenklich, wenn M. Manitius, Die Gedichte des Archipoeta, München
1913, S. 29 von einem „mittelalterlichen Sprichwort‘ ‘Parcere subiectis scit nobilis ira
leonis’ redet, noch weniger richtig, wenn er dieses aus Dracont. Romulea V 310 entstan-
den sein läßt. M.R. James hat die Verse mit Recht auf Lucan. VI 487 und Ovid. trist.
III 33 zurückgeführt.
33) W. Meyer in den Nachrichten der Kgl. Ges. d. Wissenschaften zu Göttingen.
Phil.-hist. Kl. 1914; P. Lehmann, Die Parodie im Mittelalter, München 1922, S. 156ff.
Anmerkungen 34—55 95
34) Archiv der Ges. f. ältere deutsche Geschichtskunde. X 627 und Neues Archiv.
II 398f. | Ä
35) Z.B. bei J. de Morawski, Pamphile et Galatee p. 5.
36) MG. Poetae I 601.
37) l.c. II 364.
38) 1.c. III 238.
39) Jakob Werner, Beiträge zur Kunde der lat. Literatur des Mittelalters, Aarau
1905, S. 5ıf.
40) Ausgabe von M. Manitius in den Romanischen Forschungen. VI 4ff., vgl. auch
Manitius im 11. Bande seiner Literaturgeschichte S. 603 ff.
41) Abdruck des Gedichtes im Anhang S. 63 ff.
42) Ungedruckt! Inhaltsangabe bei H. Walther, Streitgedicht S. ızıf. In der
Hoffnung, daß Walther den Text veröffentlichen wird, unterlasse ich fürs erste einen Ab-
druck. Jedoch gestatte ich mir hier einige Kleinigkeiten zu bemerken. Die sechs pseudo-
ovidianischen Nobilitas-Verse
Nobilitas hominis mens et deilatis imago,
Nobilitas hominis virtutum clara propago
usw. sind nicht erst von Jeremias de Montagnone zitiert worden, sondern stehen bereits
in der Sammlung der Carmina Burana (Schmeller S. 41); von den vier in den C.B. vor-
ausgeschickten Versen trifft man die ersten beiden
Posiquam nobilitas servilia cepit amare,
cepit nobilitas cum servis degenerare
Bj
in einem Wiener Codex wieder, vgl. M. Denis, Codices mss. lat. theol. lat. II 2, 1162. In
der Hs. der Stadtbibl. Frankfurt a. M. Barthol. ııo saec. XIII hat, laut Mitteilung von
Dr. L. Bertalot, das Gedicht den Titel Ovidius de nemore, in der Liste ovidianischer Werke
in Krakau Ms. 2115 saec. XV De Jove, in der Liste Escorial. V. III. 10 De libro Jovis.
Ob im Hamersleber Bibliothekskatalog saec. XIII Ovidius de luco gemeint ist? Bethmann
las, Serapeum VI 38, Ovidius de lino, G. Becker, Cat. bibl. ant. no. 56, Ovidius de Licia,
M. Manitius, Rhein. Museum. XLVII. Ergänzungsheft S. 35, emendierte Ovidius de
Livia (= Consolatio ad Liviam), nach meiner mehrere Jahre vor dem Kriege gemachten
Abschrift kann man schwanken zwischen Ovidius de litio, licio, lino, luco. j
43) Gedr. bei A. Riese, Anthologia latina. no. 26.
44) Riese, 1. c. no. 682.
45) Vgl. Henri Pasquier, Un potte chretien & la fin du XI® siecle, Baudri, abbe de
Bourgueil etc., Angers (these) 1878. _
46) Als klassischen Zeugen der Freundschäftsepistel hat ihn H. Brinkmann im Neo-
philologus IX 56f. behandelt. — Was Marius Pieri, Quaestiones ad P. Ovidii Nasonis
epistulas heroidum, Marseille 1895 (Pariser These), p. 90 sqq. über Benutzung und Nach-
ahmung der Heroiden im Mittelalter sagt, genügt ganz und gar nicht.
47) Vgi. auch oben. Anm. 11.
48) Romania. I 38 sq.
49) Vgl. die Erstveröffentlichung im Anhang S. 65 ff.
50) Rhein. Museum. XXXIV (1879) S. 474ff.
51) Liber de supplenti vescriptionum ad dictas epdistolas Ovidii, ad quas scilicel ipse
non vescripserat, Delisle, Le cabinet des manuscrits. II 531; Al. Birkenmajer, Bibljoteka
Ryszarda de Fournival, Krakau ı922 (Polska akademja umiejetnosci wydzial filo-
logiczny. Rozprawy. LX 4) p. 82.
52) Pascal, Poesia p. 100 sqq.
53) Pascal, l.c. p. 107 sqq.
54) Hersg. von W. Wattenbach in der Zeitschrift für deutsches Altertum. XXXIV
(1890) S. 277ff.
55) Hersg. von W. Wattenbach, a.a.O. ıS. 270ff.
1) 6 Anmerkungen 56—76
56) Mit diesen Titeln in Halberstadt Domgymn. Hs. 7ı (am Schluß: Procatoria
explicit ars) und in München Lat. 11601 (im Inhaltsverzeichnis fol. 250Y: Poeta de arie
procandi).
57) Verzeichniss der lat. Hss. der Kgl. Bibliothek zu Berlin. II 3 (1905) S. 1260 u.
1261.
58) Unbenutzt von Wattenbach z. B. die Hss.: Berlin Lat. qu. 94 und Diez. qu. 79;
Breslau J. f.ız8; Kopenhagen Kx. 1634; Krakau Ms. 2115 u. 2233; München Lat.
18910; Paris Arsenal Ms. 898; St. Petersburg Lac. XVII. qu. 18; Wien 3114; Zürich
C. 56.
59) Vgl. Th. Gottlieb in den Wiener Studien XII 145f.
60) Ovidius de nuntio sagaci alias puellarum, so im Bordesholmer Katalog, ‚Sera-
peum. X 54; Ovidius puellarum z. B. beiHugo von Trimberg v. 734, so auch oft in Hss.,
z. B. Krakau Ms. 2233. Ausgabe des Gedichtes von R. Jahnke in den Comoediae
Horatianae tres, Leipzig 1891. Der Herausgeber hat nur einen kleinen Teil der Hand-
schriften benutzt.
61) Veröffentlichung von mir erfolgt i in der Zeitschrift f. roman. Philologie.
62) Vgl. Des Minnesangs Frühling, hersg. von F. Vogt, Leipzig 1914, S. 264 (schon in
M. Haupts Ausgabe, S. 224). Jahnkes Datierung saec. XI ist nicht ohne weiteres glaubhaft.
Die von ihm beobachtete Mischung von einsilbigen Reimen und zweisilbigen und ihre Un-
reinheit kommen auch nach ııoonoch als keine Seltenheit vor; der Briefcodex, München
Lat. 19011, der das Zitat bringt, ist gegen Mitte des ı2. Jahrhunderts entstanden. Ent-
stehung des Gedichts nach 1150 dagegen erscheint freilich so gut wie ausgeschlossen.
63) Es gibt viele, aber ungenügende Ausgaben, die letzten stammen von Baudouin,
Paris 1874, und Ulrich, Zürich 1893. Kritische Ausgabe beabsichtigt A. Hilka (Göttingen).
Außer W.Creizenach, Geschichte des neueren Dramas. I (ıgıı) S. 3ıff., vgl. jetzt be-
sonders Jos. de Morawski, Pamphile et Galatee par Jehan Bras-de-Fer, Paris 1917,
p- 7 849.
64) Auch bei R. Jahnke, Comoediae Horatianae tres, veröffentlicht ohne volle Aus-
nutzung des reichen Handschriftenmaterials.
65) Grundriß der romanischen Philologie. II ı (1902) S. 413.
66) Vgl. Germania, hersg. von F. H. von der Hagen. V (1843) S. 184.
67) Vgl. die Hs. Berlin Phill. 1796 (Rose no. 210) mit Ovidius de Birria.
68) Vgl. Hipp. Cocheris, La vieille ou les dernieres amours d’Ovide, Paris 1861;
Fr. Haase, De medii aevi studiis philologicis p. 17. Zu den Scherzgedichten hätte Teuffel
$ 251 Ovidius de vetula nicht rechnen dürfen. Es ist ernst gemeint.
69) aligui asscribunt sibi (scil. Ovidio) De vetula — — — quem librum scripsit ma-
gister Richardus de Furnivallis cancellarius Ambianensis et imposuit Ovidio. So Arnoldus
Geilhoven von Rotterdam 1424 in seiner großen, leider noch immer nicht ganz veröffent-
lichten beachtenswerten Enzyklopädie, dem sogen. Vaticanus in Paris Bibl. Mazarine
Ms. 1563 im Kapitel über Ovid. Darauf fußend H. Cocheris, l.c. und G. Paris in der Histoire
litteraire de la France. XXIX 456.
70) Über die Auffindung vgl. auch B. Nogara in den Miscellanea Ceriani (1910)
P- 431.
71) In der Biblionomia.
72) Spec. hist. lib. VI (VII) cap. 120.
73) Opus maius ed. Bridges. I (Oxford 1897) p. 256, 263 sqq.; Metaphysica, ed.
R. Steele, Oxford 1905, p. 45, 51 SQ.
74) Das umfangreiche Testamentum Ovidii Nasonis, quod repertum fuit in eius urna in
lapide plumbeo nec ulla vetustate consumptum, das H. Sedlmayer im Laur. Gaddian.LXXXIX
inf. 35 fand (Wiener Studien VI 145) ein scholastisches Lehrgedicht nannte und veröffent-
lichen wollte, ist nichts anderes als De Vetula. |
75) Vgl. P. de Nolhac, Petrarque et l’humanisme. I (Paris 1907) p. 179.
76) 1907 teilte C. Pascal, Poesia p. 144 mit, ein junger Gelehrter bereite eine Aus-
gabe und Erklärung vor. Meines Wissens ist das Werk aber bisher nicht erschienen.
Anmerkungen 77—94 97
77) Vgl. Pascal, Poesia p. 137 sqq., ders., Letteratura p. 88 sqq. Gedruckt ist es
schon durch J. A. Schmeller in den Carmina Burana, Stuttgart 1847, no. 185. Text-
zeugen gibt es fast in allen Ländern, Pascal hat nur die italienischen herangezogen. Die
älteste mir bekannte Überlieferung bietet München Lat. 14836 saec. XI ex., hier ist das
Gedicht, das mit dem Verse
Qui cupit (oder vult) egregium scacorum noscere oder discere ludum
beginnt, anonym. Als Dichtung Ovids z. B. in Oxford (Bodl.) Ms. D’Orville 168; Volterra
204; Wittingau Ms. A.4. — DieVerse, die man im ı. Buche von De vetula über das Schach-
spiel fand, gehen für sich beispielsweise in Neapel. IV. F. ı2; ebenso wie De vetula III
31—46 als Ovidius de coniunctione planetarum in Rom Reg. Lat. 314.
78) CLM. 18910 saec. XV fol. 100 —ıIoıV, inc. Mensae doctrinam da nobis discere
Christe mit der Randbemerkung: Presens liber intitulatur Liber Ovidii de facecia mense.
Non enim Ovidius Naso qui gentilis fuit hunc librum conscripsit, sed qui in brandio de
Christo salvatore loquitur, qui nondum incarnatus erat tempore Ovidii Nasonis. Ohne Autor-
namen auch in Escorial K. III. 24 und T. II. 16 und anderwärts. Die Behauptung bei
Hartel-Loewe, Bibliotheca patrum Lat. Hispaniensis. I (Wien 1837) S. 245, daß diese
pseudo-ovidianische Tischzucht 1838 aus einer Lübecker Hs. durch Fr. Jacob heraus-
gegeben wäre, beruht auf einer Verwechselung.
79) Inc. Ardua virtutum faciles carpe, lector, ad usus. Über die Überlieferung dieses
in Wahrheit von einem Abt Johannes stammenden Gedichtes s. H. Walther, Das Streit-
gedicht S. 119.
80) Vgl. Wiener Studien. VI 144.
81) Giraldi Cambrensis opera. VIII 54.
82) Liber consolationis et consilii, ed. Th. Sundby, Kopenhagen 1873, p. 26 (= Godefr.
no. CCVII), 44 (= Godefr. no. LIII), 5ı (= Godefr. no. CXXIX), 53 (= Godefr.
no. CLIV), 7ı (= Godefr. no. L.), 102 sq. (= Godefr. no. CCXIX), 103 (= Godefr. no.
CXTI). In De dilectione Dei et proximi kommen unter Martials Firma vor Godefr. no.
CCVII, CLXIV, III, CCXXIX, CLIV, LIIL, CLXIII, XXII, LIV, CXL, CCXVI, CLVIII,
CLXIV, XVIL, LXXVIIL CCXXXIII, CXI u.a.; in De arte loquendi et tacendi Godefr.
no. XII u. XXXIII. Überall rühren die Identifizierungen von mir her.
83) Vgl. R. Sabbadini, Le scoperte p. 220.
84) Vgl. Avena in den Atti dell’ accademia d’agric., scienze, lett. di Verona. IV 7
(1906). i
85) Ausgabe auf Grund unzureichender Kenntnis der Überlieferung durch Thomas
Wright, The Anglo-Latin satirical poets and epigrammatists of the XIIth century. II
(1872) p. 103 sqq.
86) Vgl. Schneidewins Martialausgabe. I (Grimma 1842) p. IX und 638. — Mazza-
tintis Angabe, Inventari di mss. delle bibl. d’Italia. IV 9, in dem Isidorcodex saec. XI.
Ivrea 37 (LIII) stünde auch ‘Martialis poete profetia’, hat R. Sabbadini, II 235, verleitet
darin ein Stück Pseudo-Martial zu vermuten. Nach Bethmann, Archiv der Ges. f. ältere
deutsche Geschichtskunde IX 618, stehen in der Hs. Xenia Martialis poetae cocique, d.h.
lib. XIII 1—ı10 des echten Martialis.
87) Opuscula I.
88) Philologus. XLVII 434 ff.
89) Apuleii, L. Caec. Minutiani, de orthographia fragmenta et Apuleii minoris de
nota aspirationis et de diphthongis libri duo, Darmstadt 1826.
90) Vgl. R. Sabbadini, Spogli Ambrosiani Latini: Studi Italiani di classica.
XI (1903) p. 289.
g9ı) Pädag.-philol. Literaturblatt zur Allgem. Schulzeitung. 1827 S. 325. j
92) Der Hiat bei Plautus usw. Marburg ıgoı S. 165: ‚‚Sie liegen in Hss. des 15.
Jahrhunderts vor, können aber nicht älter als das Jahr 1400 sein. Daß man dies verkannt
hat, ist schwer begreiflich.‘
93) Geschichte der römischen Literatur. $ 367, 10.
94) Le scoperte p. 178.
Studien der Bibliothek Warburg ı3. Heft: Lehmann 7
98
Anmerkungen 95—Ioo
95) Geschichte der römischen Literatur. III? S. 183.
96) Orthographica; Index lect. academ. Marpurgensis 1894/95.
97) erechtho im Codex Gemblacensis der Annotationes super Lucanum, ed. J. Endt,
ad VI 519 und 635. Ob bei VI 549, 575, 652, 658, 663, 693, 705, 762, 825, 830 auch Doppel-
aspiration geschrieben ist, sagt der Herausgeber leider nicht, wie überhaupt viele Aus-
gaben für Orthographica nicht zuverlässig sind.
98) Vat. Urbin. Lat. 1180.
Catania 1896, p. 73.
vgl. R. Sabbadini, La scuola e gli studi di Guarino,
99) Pars I (De orthographia), cap. De litera: /dem (quod Priscianus) sentit Apuleius,
qui dicit, quod vicium Jacit, qui aspirat “pulcer’ vel “sebulcrum’, quia nec ulla consonans
debet apud Latinos consonari.
Sed contra hoc potest obici de 'michi’ et 'nichilum’. Sed dicit
Apuleius, quod debet dici “mici’, licet communis usus habeat “michi’
. De 'nichilum’ dico,
quod componitur a 'non’ et 'hilum’, unde non per se aspiratur. Vgl. Apuleius de nota aspir.
cap. 45 (ed. Osann p. Iı3 sq. und 117).
— — Dellitera s ante e.
‘Sepulcerum’ — — ut dicit Apuleius, vicium Jacit, qui post c ponit asdirationem in
Latinis dictionibus; unde viciose aspiratur 'sepulcrum’ et “pulcrum’ vel ‘pulcer’.
P ante u.
Non debet aspirari ‘Pulcer'.
Unde dicit Apuleius: errant qui “pulcer’ et 'sepulcrum’
per ch scribenda existimant, quia in Latinis dictionibus post c nota aspirationis scilicet h
nunguam reperitur.
Von diesen drei Stellen stimmt die letzte wörtlich mit Ps.-Apuleius überein. Wenn
um 1400 eine Orthographie italienischen Ursprungs sagt (R. Sabbadini in der Rivista di
filologia e d’istruzione classica. XXVIII 530):
‘dulcer’ et “sepulcrum’ vitium facit et addit, quod debet dici “mici’ et non “michi
munis usus habeat dicere “michi
Unde bene dixit Apuleius, quod aspirans
’, licet com-
’, verrät er durch ‘'mici’ und das nichtwörtliche Zitieren
von Apuleius, daß er nicht auf diesen selbst, sondern auf die erste von mir angeführte
Stelle des Catholicon zurückgegangen ist.
100) Roger Baco.
Opus tertium cap. LXI (ed. Brewer
P- 245):
Si igitur nulla consonans aspiratur in
Latinis dictionibus, tunc, cumdicitur ‘michi’
‘nichil’ in usu modernorum, male apponi-
tur c litera in ultima syllaba, quia Latinae
dictiones sunt, habentes aspirationem in
ultima syllaba. Et patet in omnibus bibliis
et aliis libris antiquis recte scriptis, quod
non invenitur c litera in istis vocabulis, sed
solum dicitur “mihi’ et ‘'nihil’. Sed cum
sint ibi duae vocales breves, oportet quod
in sono, propter hiatum, causa euphoniae
coincidant in unam longam; et ideo recte
dieitur ‘nil’ et ‘mi’.
Compendium studii philosophiae cap. XI
(ed. Brewer p.5ıosq.): Nulla vero dictio
Latina, ut dixi, habet aspirationem con-
sonantem, quia non est instantia in huius-
modi dictionibus ‘nichil’, ‘michi’. Non
enim debent scribi per c, sed sine c ‘nihil’,
“mihi’. Et quia ibisunt duoi brevia, coinci-
dunt propter brevitatem in unam vocalem
longam melius, ut dicatur ‘nil’, ‘mi’.
Vgl. auch Grammatica Graeca, Pars Il
Apuleius.
De nota aspirationis cap. 45 (ed. Osann
p. 113sq.):
Quaeritur utrum ‘michi’ et ‘'nichil’ perch
an per hsinec scribidebeant. Etusus quidam
modernus obtinuit, ut c interponatur, sed
rationabilius sine c scribuntur, cum in Lati-
nis dictionibus post c nota aspirationis num-
quam reperiatur; unde errant, qui ‘pul-
cher’ et ‘sepulchrum’ per ch scribenda
existimant. Ad haec numquam ‘mi’ pro
‘michi’ et ‘nil’ pro ‘nichil’ invenirentur.
l.c. cap. 8 (l.c.p. 90):
A ante r aspiratur in ‘'harum’ genitivo.
‚In ‘hara’ quoque, quando stabulum signi-
ficat porcorum, et ut discrepet ab ara deo-
rum. Dicit praeterea Servius, quod ‘hara’
aspiratum avem augurialem significat; a
quo nomine “haruspex’ et “hariolus’ asserit
derivata, eosque falsitatis arguit, qui
‘aruspex’ et ‘ariolus’ ab ara deorum
astruunt derivari.
l.c.cap. 2 (l.c.p. 88):
“Abundo’ quod in plerisque locis aspira-
tum invenitur, scriptorum vicio tribuendum
est, cum ‘ab’ praepositio aspiratione careat,
Anmerkungen I00—104 | 09
Dist. VII cap. A (edd. Noland et Hirsch unde componitur ‘undo’ ‘-as’. Quod deri-
p- 131). - vatur ab eo, quod est ‘unda’.
Opus tertium cap. LXI (l.c.p. 246):
‘Hariolus’ et ‘haruspex’, quae saepius
sunt in biblia, aspirantur in omnibus
libris antiquis; ergo non dicuntur de ‘ara’,
quod est altare, quia ‘ara’ non aspiratur.
Quandocunque enim derivatum vel com-
positum aspiratur, oportet quod eius primi-
tivum aspiretur et e converso. Et ideo du-
cuntur ab ‘hara’, quod est avis augurialis.
Propter igitur inconsiderationem aspira-
tionis mutantur non solum voces hae, sed
significata.
Et per haec eadem patet, quod ‘abunde’
adverbum et ‘abundo’ verbum et omnia,
quae his attinent, non habent aspirationem
in principio. Nam secundum omnes auc-
tores nulla praepositio Latina aspiratur.
Sed haec componuntur de ‘ab’ et ‘unda’.
ı01) Vgl. P. Lehmann in den Miscellanea Francesco Ehrle. V (1924) p. 378sqq.
102) Weit ist man bei diesem Problem über Hugo Schuchardt, Vokalismus des Vulgär-
lateins, nicht hinausgekommen. Einige Nachträge bieten Rönsch, Birt, Bechtel, Grandgent,
Löfstedt u.a. Da Schuchardt sich auf nicht immer zuverlässige Textwiedergaben stützen
mußte und seit Erscheinen seines Werkes viele Sprachquellen neu erschlossen sind, dürfte
es sich lohnen, dem Gebrauch von michi und nichil in der Antike planmäßig nachzufor-
schen. — Für die Charakteristik der mittelalterlichen Praxis hat man sich gewöhnlich mit
nichtssagendenVerallgemeinerungen begnügt. So muß man bei Birtinseinem auch für die Ge-
schichte der mittelalterlichen Orthographie nicht unwichtigen Buch über den Hiat bei Plau-
tus und die lat. Aspiration S. ızı lesen: „Bekannt ist, daß das Mittelalter regelrecht michi
und xichil schrieb.‘‘ Er hätte sagen müssen „dasspäteMittelalter.‘‘ Esisteine Ausnahme,
wenn man in einem Codex des 9. Jahrhunderts wie Paris Arsenal Ms. 483 (vgl. Feder im
Corpus Scriptorum ecclesiasticorum Latinorum LXV p. XXXIJI) michi, nichil, conchilium
findet. Auch hundert Jahre später bevorzugt man mihi und nihil. Dagegen drängt sich
michi, nichil etc. seit dem ıı. Jahrhundert sehr stark vor. In Montecassino z. B. wird die
aspirierte Schreibung mit großer Regelmäßigkeit gebraucht, ja ältere Codices, die noch die
ältere Orthographie hatten, werden abkorrigiert, vgl. E. A. Loew, The Beneventan Script p.
283sq. Wie schnell man sich in Frankreich, Deutschland, England zu michi usw. bekehrt
hat, ist noch festzustellen. Ich will hier nicht meinen ganzen Zettelkasten umstülpen und
anderen vorgreifen.
103) Dictiones multe sunt— — — que aspirantur in medio velin quibus aspiratio poni-
tur post predictas quatiuor consonantes c p tr, quales sunt: prehendo, michi, nichil, Philippus,
Rhenus, chorus et similia; ed. Ch. Thurot in den Notices et extraits. XXII 2 p. 142.
104) Vgl.oben Anm.100.— Aus der spätmittelalterlichen Theorie wähleich zwei Stellen
aus, um das Interesse für das Schreibungsproblem zu belegen. In einem “Tractatulus Ulrici
Eberhardi de Neuburga Claustrali’, CLM. 16450saec. XV, heißt es (fol. 248°): ‘Michinichil
nichilum’ quidam per c scribunt, quidam sine c. Unde, si usum grammaticorum inspexerimus,
sine c pocius quam cum illa scribere poterimus. Accedit eciam ad hoc, quod c in Lalinis
diccionibus aspirari non patitur. Johannes Hus in seiner ‘Orthographia Bohemica’ (M.
Murko in ZTPQMATEIZ. Grazer Festgabe zur 50. Versammil. deutscher Philologen und
Schulmänner, Graz 1909, S. 148): |
Illa autem litera (chet und chir) carent Latini, sed utuntiur in prolatione et scribunt c
cum h, ut patet in his dictionibus “chamus, michi, nichil, Michael’, quem sonum non faciunt
illae literae; et hinc Latini diversarum gentium varie has dictiones pronunciant, ul quidam
g7*
IOo Anmerkungen IOo4—I29
dicunt “‘kamus, miki, nikil, Mikael’, alii dicunt ‘c-hamus, mic-hi, nic-hil, Mic-hael’, reser-
vantes sonum proprium ipsius c; alii subticent c et dicunt “hamus, mihi, nihil, Mihael’.
105) Varro de lingua Latina, Leipzig I91o, p. X.
106) Rom (Vat.) Reg. lat. 1650 mit einer einzigen aus alten Vergilscholien stam-
menden Stelle. Ich kenne ihn seit mehreren Jahren aus Photographien, die mir
W.M. Lindsay freundlichst verschafft hat, und bereite Veröffentlichung im Philologus vor,
107) Apuleius de nota aspirationis cap. 5, 13, 30, 38; De diphthongis cap. 3,9, 11,
I2, 15, IQ, 20, 22, 23, 26, 29.
108) Die unteritalischen Dialekte, Leipzig 1870, S. 358 Anm. 7.
109) Der Hiat S. ı65f., 260, 281.
110) Gedruckt Migne, Patrol. Lat. CLXXVII ı3ff.
ııı) Expositio Virgilianae continentiae, ed. R. Helm (Bibl. Teubneriana) p. gısq.
ı12) Vgl. Pitra, Spicilegium Solesmense. III p. XLIX.
113) Verzeichnis astrologischer und mythologischer illustrierter Hss. des lateinischen
Mittelalters in römischen Bibliotheken, Heidelberg 1915: Sitz.-Ber. der Heidelberger
Akademie d. Wiss. philos.-hist. Kl. 1915. Abh. 6 u. 7.
114) Fulgentius metaforalis: Studien der Bibliothek Warburg. Heft 4, Leipzig 1926.
115) Vgl. die Hss. Fulda B. 3 saec. XI1I/XIII (K.Löffler, Die Handschriften des
Klosters Weingarten, Leipzig ı912, S. 102), Kolmar 18 saec. XIII (nach Mitteilungen von
+R. Wackernagel und J. Gabler). Beachtenswert ist auch die Verbindung von ‘Fulgen-
cius de fabulis poetarum’ mit einem ‘liber de ymagine mundi’ in einem Codex, den 1513
die Wiener Dominikaner besaßen, vgl. Mittelalterliche BibliothekskatalogeÖsterreichs. I412.
116) Hs. 164 (2707) saec. XV fol. r—ıı®; vgl. Serapeum VI36. Näheren Aufschluß
verdanke ich Dr. L. Bertalot (München).
117) Poetria36. Item commentum solempne Fuigencii insignis viri super duobus libris
Marciani de nupciis Mercurii et philologie. Idem Fulgencius de astronomia quam Marcia-
nus bangit in secundo; W. Schum, Beschreibendes Verzeichniss der Amplonianischen Hand-
schriftensammlung zu Erfurt, Berlin 1887, S. 793.
ı18) Vgl. Cambridge Trinity College Ms. 884 und Oxford Digby Ms. 221.
119) Vgl. Pitra, Spicilegium Solesmense. III. p. LXXXIV.
120) So verzeichnet der alte Katalog der St. Augustine’s Abbey Canterbury (M.R.
James, The ancient libraries of Canterbury and Dover, Cambridge 1903, p. 369) Mithologie
Fulgencii et in eodem liber de gestis Romanorum. Heute enthält diese Hs., London Brit.
Mus. Harl. 5369 saec. XIV, vor den Gesta Romanorum nur noch eine tabula super methalo-
gias Fulgentii, vgl. J. A. Herbert, Catalogue of romances in the department of mss. in the
British Museum. III 146, 183sq.
ı21) Jahrgang ı914 Sp. 990.
122) Das ganze Werk mit Prolog gedruckt in Martin Gerberts Scriptores de musica
medii aevi. II 230sqq., Nachdruck bei Migne, Patrol. lat. CL 1391 sqq.
123) Dictionary of National biography XII (1887) p. 305. Dort werden 6 Hss. er-
wähnt; die Zahl der erhaltenen Textzeugen ist aber viel größer. Vgl. auch Gerbert.
124) In CLM. 2599 saec. XIII heißt es nur Musica Johannis Fulgentio episcopo.
Joannis Cottonis ad Fulgentium episcobum Anglorum de musica im 17. Jahrhundert
bei den Jesuiten in Antwerpen, vgl. A. Sanderus, Bibliotheca Belgica manuscripta.
I (Lille 1641) p. 334.
125) MG. Poetae. III 708.
126) Vgl. P. Utto Kornmüller, O.S.B., im Kirchenmusikalischen Jahrbuch f.d.
Jahr ı888, redig. von F. X. Haberl S. ıff. und Rob. Eitner, Biogr.-bibliogr. Quellen-
lexikon der Musiker und Musikgelehrten. III.(1900) S. 81.
127) Bellermann in der Allgemeinen Deutschen Biographie. XIV (1881) S. 453f.
128) Patrol. lat. XXX 262sqq. Handschriftlich mit dem Namen des Hieronymus
z. B. in Basel E. II. 62 saec. XIV/XV; Florenz Magliab. VII 1064.
129) Vgl. M. R. James vor seiner Ausgabe von Walter Map, De nugis curialium, Ox-
ford 1914, p. XXXI.
Anmerkungen 130—I57 IoI
130) 1.c.p. XXXIV.
Ähnlich führt der Katalog der Erfurter Karthause saec. XV ex. ans Werk als Schrift
des Valerius Maximus auf.
131) James, l.c.p. XXXVI.
132) Jahrbücher für klassische Philologie. XCV 790.
133) Publications of the Modern Language Association of America. XXXII ı (1917)
p. 81—132.
134) James l.c. p. XIIlsq.
135) Studies in philology. XX (1923) p. 448—468.
136) An diese Stellen erinnerte mich freundlichst Kollege M. Leumann (München).
137) Corpus glossariorum Latinorum. IV 185; V 486, 517, 612.
'138) Joh. Saresber. Policraticus. ed. C. Webb. Ip. XLVI.
139) XVI (1861) S. ı2ff.
140) Die Sammlungen der Shuchverss des Publilius Syrus, Leipzig 1877, S. 44ff.
141) De sententiis quas dicunt Caecilii Balbi, München 1879.
142) Vgl. Teuffel $ 428, ı.
143) De Aristotelis librorum ordine et auctoritate p. 253.
144) M.R. James, The ancient libraries of Canterbury and Dover p. 378.
145) Vgl. Pitra, Spicilegium Solesmense. III p. LXXXV.
146) L. Bertalot, Humanistisches Studienheft eines Nürnberger Scholaren aus Pavia,
Berlin 1910, S. 78f.
147) ed. James p. 260sgq.
148) London Cotton Ms. Vespasianus E. XII (vgl. Tas p. 271) und Harleian.
7322 (vgl. Hinton in Studies in philology. XX 466.)
149) Hinton |.c.
150) Ed. C. Webb. Ip. XLVI.
151) Ep. 14, 3, gelegentlich verwechselt mit Cassius Etruscus, den Horatius Sat.
I ıo, 62f. verspottet.
152) Letzte Ausgabe bei Migne, Patrol. lat. LXIV. Wertvolle Bibliographie bieten
Erman und Horn, Bibliographie der deutschen Universitäten. I no. 6037sqq. Nach
M. Manitius, Geschichte der lat. Literatur des Mittelalters. I 36 kommt der Titel bereits
1247 im Katalog von Glastonbury vor. Im 13. Jahrhundert kennen das Werk ferner
Vincentius Bellovacensis, Richard von Fournival (L. Delisle, Cabinet des Mss. II 530),
Guibert von Tournai (Revue Celtique I 265), Albertus Magnus (M. Grabmann, Forschun-
gen über die lat. Aristotelesübersetzungen des 13. Jahrhunderts. S. 82), Roger Baco (vgl.
hier Anm. 154). Textzeugen des 13. Jahrhunderts sind beispielsweise Cambridge Trinity
College Ms. 598, ibidem S. John’s College E. 17, ibidem Gonville and Caius College 136
und 341, Oxford Bodl. Digby 56, ibidem Auct. F. 5. 28. — Deutsche Paraphrase in Wien
Nationalbibl. Hs. 3223, französische in Lille (vgl. A. Scheler in der Revue de l’instruction
publique de Belgique. XXII 25sq.).
153) Migne, l.c. 1238.
154) Vgl. Roger Baco im Opus ein cap. XV (ed. Brewer. I 54), im Compendium
studii philosophiae (ed. Brewer. I 410), im Compendium studii theologiae (ed. Rashdall
p. 29, 38), in der Metaphysica (ed. Steele. I 9). Von modernen Gelehrten nenne ich J. de
Morawski, Pamphile et Galatee, Paris 1917, p. 105; O. Scheel, Martin Luther. I passim;
Hugo Lemcke im Register zu seiner Ausgabe des Liber beneficiorum des Karthäuser-
klosters bei Rügenwalde, Stettin 1922, S. 224: „ob von ihm (d.h. von Boethius) oder von
Joh. Scotus Erigena ?‘“
155) Vgl. auch Ella Bourne, Classical elements in the Gesta Romanorum: Vassar
mediaeval studies, New Haven 1923, p. 345 sqgq.
156) Blätter f. d. bayer. Gymnasialschulwesen. XXVII (1891) S. 1g9ff.
157) Nicht benutzt hat Schepss die Karlsruher Hs. 403 saec. XIII, Leiden B.P.L.
201I saec. XV, auch nicht Antwerpen Muse Plantin-Moretus Ms. 126 saec. XI, von dem
er aber wußte, nur unvollkommen Wolfenbüttel Helmst. 237 saec. XV. In der Hs. des
102 Anmerkung 157
Museum Plantin-Moretus ist fol. 69V die Erzählung in der Form eines Gesprächs zwischen
L. und Beda wiedergegeben.
L. Quid spectas, Anglice bos?
B. Specto ruinam urbis vestrae.
L. Vides, sed non intelligis.
B. Virum intelligam, veni et audi:
P.P.P. S.S.S. V.V.V.V.V.V.V. F.F.F.F.F. R.R.R.R.R. et est:
Pater Patrie Profectus est,
Secum Salus Sublata est.
Venit Victor Validus, Vicit Vires Vrbis Vestrae
Ferro, Flamma, Frigore, Fuga, Fame.
Regale Regnum Ruit Romanorum Ruina.
In Wolfenbüttel Helmst. 237 steht die Anekdote in folgender Weise auf einem hinten ein-
gehefteten Pergamentblatte, das die Form eines gleichschenkligen Dreiecks hat und
die Anfangsbuchstaben der Inschrift bietet: Sibilla prophetissa dedit Rome presentem
clippeum, sic hiteris clippeo inscriptis decoratum:
Princeps Pacis Perditur,
Sapientia Secum Suffertur,
Regna Ruunt Rome,
Ferro, Flamma, Fame.
Beda venerabilis interpretabatur similiter has litteras ut supra, quia, antequam Beda veniebai
Romam, nemo novit nec excogilare potuil interpretationem solummodo litterarum in clippeo
signatas.
Anders wieder Leiden B. P.L. Ms. 2011, fol. 220V.
Item nota, quod hee litere scripte erant Rome in porta ferrea PPP. SSS. RRR. FFF.
Quarum interpretationem nullus exprimere potuit doctorum, sed adveniens ille venerabilis
Beda eas sic interpretatus est. Nam primas tres sic exposuit: |
PPP. Idest Pater Patrie perditus est.
Secundas sic:
SSS. Sapiencia Secum Sublata est.
Tertias sic:
RRR. Roma Ruina Ruet.
Quarias sic:
FFF. Flamma, Fame, Ferro.
Eine längere Fassung als in den gedruckten ‘Gesta Romanorum’ findet sich in
London Harleian. 7322 saec. XIV fol. 49V, der auch die Karthagoanekdote überliefert.
Die Abbildungen von Pyramus und Thisbe sind ausgewählt, um zu weiterer Be-
schäftigung anzuregen. Es ist von mir weder Vollständigkeit des mittelalterlichen Bild-
materials noch seine Einzeldeutung angestrebt worden. Die Verwandtschaft zwischen
den Elfenbeinarbeiten in Krakau und London wird jedem Betrachter auffallen. Auch
das ist deutlich, daß die künstlerische Behandlung (z. B. Flucht der Thisbe auf einen
Baum, Tötung der Löwin durch Pyramus) gelegentlich von Ovid abweicht, dagegen mit
Texten des Mittelalters (vgl. z. B. die mittelhochdeutschen Erzählungen) übereinstimmt.
Angesichts der mannigfaltigen Verwertung der tragischen Lebensgeschichte von Pyramus
und Thisbe in der bildenden Kunst des Mittelalters kann man sagen, daß Hartmann von
Aue nicht einfach nach Belieben und ohne Anschauung aus Ovid schöpfte, als er im
_Erec (v. 7704ff.) das Sattelkissen Enitens Reitpferd folgendermaßen beschrieb:
Anmerkung 103
Swaz man sin vor dem satel sach,
daz was gesteppet dicke.
Ze guoten anblicke
was daran entworfen sus,
wie Tisp& und Piramus
betwungen von der minne,
betert rehier sinne
ein riuwic ende namen
dö zi zem brunnen kämen.
Bildende Kunst und Literatur zeigen in gleichem Maße die Beliebtheit der Ge-
schichte von Pyramus und Thisbe bei den mittelalterlichen Gebildeten, mochten sie in
ihr eine Symbolisierung von Christi Opfertod sehen, wie der Bildhauer im Basler Münster
und der Sammler oder der Gewährsmann der Gesta Romanorum (ed. Oesterley p. 633sq.),
oder sie einfach als ergreifendes Beispiel menschlicher Liebeskraft, menschlichen Liebes-
leides betrachten, wie das immer und immer wieder geschehen ist. Erinnern wir uns zum
Schlusse der eindrucksvollen Stelle, wo Dante seine Augen von der Feuerpein nicht ab-
wenden kann, bis ihn sein Führer Vergil an Beatrice mahnt (K. Voßler, Die göttliche
Komödie, Heidelberg 1925, S. 762):
Wie bei dem Namen ‚‚Tisbe‘‘ Pyramus
im Tode noch das Auge öffnete,
indes sein Blut dahinfloß, zu ihr aufblickt. —
So ward ich aufgeweckt aus meiner Starrheit,
sah meinen Führer an, da ich den Namen,
der ewig jung in meinem Sinn ist, hörte!
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I
2
3
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Io
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I2
VERZEICHNIS DER. ABBILDUNGEN
. bis 4. Basel, Münster, Reliefs von einem Kapitell des Chores, Ende ı2. Jahrhunderts.
. Thisbe hat sich auf einen Baum geflüchtet, Pyramus begegnet dem Löwen.
. Pyramus tötet den Löwen.
. Thisbe findet den Geliebten, der sich mit dem Schwerte durchbohrt hat.
. Pyramus und Thisbe im Tode vereint.
. bis 8. London, Victoria- and Albert-Museum, Elfenbeinkasten, 13. Jahrhundert.
. (Unten links.) Thisbe wird von ihren Angehörigen ins Haus getrieben.
. (Oben links.) Die Liebenden unterhalten sich durch ein Sprachrohr.
. (Oben rechts.) Thisbe hat sich auf einen Baum geflüchtet, der Löwe zerreißt ihr Tuch.
. (Unten rechts.) Pyramus und Thisbe im Tode vereint.
. München, Staatsbibliothek, Cod. lat. 25187 fol. zıR, 1498.
In der Mitte: Der Löwe am Brunnen; rechts: Thisbe flieht; links: Pyramus und
Thisbe im Tode vereint.
. Krakau, Schatzkammer der Schloßkirche, Reliefs an einem Elfenbeinkasten, 13. Jahrh.
Mitte rechts: Thisbe hat sich auf einen Baum geflüchtet, der Löwe zerreißt ihr
Tuch; ganz rechts: Pyramus und Thisbe im Tode vereint.
. Paris, Bibl. Nat. Ms. lat. 15158, Federzeichnungen, 13. Jahrhundert.
Pyramus und Thisbe klagend an der Hauswand; die Liebenden verständigen sich
durch die Mauer; Thisbe wartet auf dem Grabmal des Ninus; der Löwe naht.
. London, Victoria- and Albert-Museum, Gobelin 14. Jahrhundert.
Thisbe ersticht sich angesichts der Leiche des Pyramus.
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Studien der Bibliothek Warburg ı3. Heft
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Abb. 3 und 4. Basel, Münster, Reliefs an einem Säulenkapitell
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Abb. 5—8. London, Victoria and Albert-Museum, Reliefs an einem Elfenbeinkasten
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Abb. 9. München, Staatsbibl. cod. lat. 25187,
Farbiges Bild am Schluß der oben S. 46 abgedruckten Dichtung
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Abb. ı0. Krakau, Schatzkammer der Schloßkirche, Reliefs an einem Elfenbeinkasten
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London, Victoria and Albert Museum, Rest ei
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PERSONEN- UND SACHREGISTER
Adele von Blois 10, 93
Aethilwulf 8
Akrostichon 28
Albertanus von Brescia 16,
97
Albertus Magnus 101
Alcuin 6
Alexander Neckam 20, 21,
28
Algebra 14
Amplonius Ratinck 2ı
Anekdoten 26, 28f.
Antoniewicz, J. von 93
Apuleius 16—20, 97ff.
Archipoeta 7, 94
Arithmetik 14
Arnold von Rotterdam 21,
96
Aspiration ı7ff., 97ff.
Astronomie und Astrologie
15
Augustinus 6, 24
Avena 97
Baco, Roger ı3, ı8f., g8f.,
IoI
Balbus, Caecilius 25, 27,
101
Bartsch, K. 5, 92
Basel, Münster in 4, 93, 103
Baudouin 96
Baudri de Bourgueil 10,
65—87, 93
Beda 20, 29, 102
Bellermann 100
Bertalot, L.63, 95, 100, IOI
Bestiarium 7
Bethmann, K.L. 95, 97
Bibelzitate 24
Birkenmajer, A. 95
Birt, Th. 17, 20, 99
Bischoff, B. 31, 52
Boer, C, de 93
Boccaccio 28
Boethius de disciplina sco-
larium 27£.
Bolte, J. 94
Bonnard, J. 93
Bordesholm, Bibliotheks-
katalog 96
Bourne, E. 101
Briefwechsel, literarischer
ıof., 23f., 96
Brinkmann, H. 92, 95
Brückner, A. 35
Buchillustrationen 4, 7, 93
Caesar 24
Cahier, Ch. 93
Canterbury, Bibliotheks-
katalog von 100
Carmina Burana 92, 95, 97
Cassius Etruscus Ioı
Catullus 16, 27
Catulus Parmensis 27
Chaucer 28
Chrestien de Troyes 3
Cicero 24
Cloetta, W. 94
Conradus 28
Cocheris, H. 96
Cotto vgl. Johannes
Creizenach, W. 96
Crusius, O. 17
Dante 103
Decknamen 22, 23, 24, 27
decreta pape Nasonis 8
Deidamia an Achilles 1ıo
Delisle, L. 93, 95, IOI
Dietrich, Dichter von Pyra-
mus u. Thisbe 4, 35 ff.
Dionysius Rickel 27
Dioscurias I
Diphthonge ı7f.
Dracontius 94
Eitner, R. 100
Elegienkomödien ııf.
Elfenbeinplastik 4, 93
Erfurt Karthause, Biblio-
thekskatalog 101
Erechtho 98
Erichthonius 17
Erotica 17
Erziehungsliteratur 27f.
Erzählungsliteratur 27 ff.
Escher, Konr. 93
Eugenius Toletanus 6, 94
Evans, E.P.93 _
Fälschungen ı, 10, 17, 30
Faral, E. 4, 5, 36, 46, 92ff.
Feder, A. 99
Federzeichnungen 93
Feifalik, J. 35
Flaccensius 26
Flaccianus 26
Flavianus 25 ff.
Flores morales 26
Florilegium Veronense 16
Florus 81fl.
Fresken 7
Fulgentius von Afflighem 22
Fulgentius, Ehrentitel 22
Fulgentius Planciades und
Pseudo-Fulgentius 2off.,
100
—, de aetatibus mundi et
hominis 21
—, de contemptu mundi 21
—, expositio Virgilianae
continentiae 20
— fabularum 20
—, de fugiendis litteris 21
—, de gestisRomanorum 21
106
Fulgentius, de imaginibus
deorum 20f.
—, in Marcianum Capellam
2I, IOoO
—, de musica 22
—, Mythologiae 2off.
—, de naturis rerum 20
— , de ornatu orbis 21
Fuscus u. Dicheophilus, Ge-
dicht von 9
Gabler, J. 100
Gerbert, Martin 100
Gesta Carthaginiensium 26
— Grecorum 26
— Romanorum 21, 26, 28f.
Ioo, 102
Gilson, J. P. 63
Giraldus Cambrensis 16, 97
Glastonbury, Bibliotheks-
katalog ı01I
Glossare 25
Gobelins 4, 7, 10, 93
Goetz, G. 19
Goldast, Melchior 3, 92
Goldschmidt, A. 93
Gottfried von Winchester
16
Gottlieb, Th. 96
Gottschalk, Haeretiker 22
Grab Ovids I, 13
Grabmann, M. 101
Graf, A. 92
Gregorius Magnus I7
Grey, W. ı8
Groeber, G. 12
Grotefend 17
Guarino 18
Guibert von Tournai 101
Haase, F. 96 |
Hamersleben, Bibliotheks-
katalog 95
Handschriften: Antwerpen
ıoıf.; Basel 100, Berlin g,
93, 96; Brüssel 98; Bern
94; Breslau 96; Cambrid-
ge 4, 7, 31, 94, 100, IOI;
Cesena 89, Erfurt 22;
Escorial 90, 95, 97;
Florenz 16, Ig, 100;
Frankfurt a. M. 63, 95;
Fulda 100; Glasgow 4;
. Halberstadt 96; Inns-
bruck 93; Ivrea 97; Je-
na 26; Karlsruhe ı01;
Kolmar 100; Kopen-
hagen 4, 46, 96; Kra-
kau 4, 35, 89, 95; Leiden
9, 94, IOI, 102; Lille 101;
London 63, 100, I0I, 102;
Lübeck 97; Mailand 93;
München 4, 9, 17, 20,
46, 5ıf., 93, 94, 96, 97,
99, I0oo; Neapel 97; Ox-
ford 97, Ioo, 101; Paris
10, 16, I9, 26, 93, 94,
96, 99, 1oı; Petersburg
4, 35, 46, 96; Pommers-
felden2ı; Rom 22, 65,88,
'92, 93, 98, 100; Schlägl
94; Troyes 94; Volterra
97; Wien 95, 96; Wittin-
gau 4, 35, 97; Wolfen-
büttel 4, 35, 46, ıoıf.;
Zürich 63, 92, 96
Hannibal 26
Hart, G. 4, 5, 36, 46, 93
Hartmann von Aue Io2
Herbert, J. A. 100
Hartel 97
Helena 72ff.
Hermann, H. J. 93
Heroiden 63ff.; vgl. auch
Ovidius
Hieronymus 23, 24, IoO
Hilka, A. 96
Hinton, J. 24, Ioı
Holkot, Robert 20, 21
Honorius Aug. 2I
Horatius 24
Hrabanus Maurus 20
Huemer, J. 94
Hugo de Folieto 7
— de S. Victore 7
— von Trimberg 5, 96
Hus, J. 99 |
Imagines sec, Fulgentium
21
Liber de ymagine mundi 100
Initia:
A cunis mens una 94
Adhuc lustris bis iam 90
Anule formose digıtum 90
Ardua virtutum faciles 97
Caritas castitas 26
Carmina fingo licet 5, 36
Consulte teneros non 94
Personen- und Sachregister
Consiliabor item 23
Conveniunt cuncti subito
89
Discite que Jaciem co-
mendant 90
Dulcis amica veni 3, 89
Est amor amoris species
31
Fama tuum nomen 72
Fletibus irriguam milto81
Hanc tua Penelope 89
In nova fer animus 90
Legerat huius amor 90
Lucus amenus evyat 90
Mensae doctrinam da 97
Naso Tomitane iam 90
Ne tibi displiceam 90
Nox erat et lentus 9
Nox erat et magni 9
Nox ervat et placido 9, 63
Nox erat et sompnis 9, 90
Nox erat et toto 9
Nux ego iuncia 90
Ocia si veniunt 52
Ovidius Naso Peligni 90
Parva pulex et amara 90
Parve nec invideo 90
Pater patrie perditur 26
Postquam nobilitas 95
Psitacus Eois imiltalrix go
Quae vestrum nomen 65
Quam michi non habeo 84
Querat nemo decus 5, 46
Qui cupit (vult) egregi-
um 97
Qui modo Nasonis 89
Rebus in humanis non 88
Rure morans quid agam 9
Rustice lustrivage 10
St quem forte iuvat 89
Summi victoris fierem 90
Tempora cum causis 90
Tempus erat noctis 8
Tu valeas felix 3
Umbrifera quadam nocte
Inschrift, armenische ı
Inschriften, fingierte I, 29,
ıoıf.
Isidorus 17, 19, 20, 97
Jacob, F. 97
Jagd 14, 15
Jahnke, R. 94, 96
Personen- und Sachregisier
James, M.R. 7, 24, 94, Ioo,
101
Jeremias de Montagnone 3,
16, 93, 95
Johannes, Abt 97
‚— Cotto 22f., 100
— de Janua 18
— Ridewall 20
— von Salisbury 25, 26f.
IoI
— von St. Mathias 23
Johannes Scottus 27, IoI
— Vatatzes 13
Juvenalis 24, 25
Karoch, S. ıı
Karthago, Anekdoten von
26, 102
Koechlin, R. 93
Konstantinopel ı
Kornmüller, P. U. ıoo
Krakau, Schloßkirche 93,
102
Kunst, bildende 4, 7, ıo,
20, 93, 102
Lambach, Bibliothekskata-
log 13
Lehmann, P. 94, 96, 99
Lemcke, H. 101
Leo, protonotarius 13
Leumann, M. 101
Leyser, P. 4, 36, 46
Liebeschütz, H. 20
Liebeskonzil zu Remire-
mont8 _
Lindsay, W. M. 100
Livius ı, 21
Loew, E. A. 99
London, Victoria and Al-
bert Museum (South
Kensington) 93, 102
Lucanus 94
Madvig, J. N. ı7
Manitius, M. 92, 94, 95, 101
Map, W. 23ff., 26, 28
Martialis 9, 16, 23, 24, 25, 97
Martianus Capella 21, 24,
100
Mathematik 14, 15
Matthaeus von Vendöme
4f., 13, zıff.
Maximus Planudes 17
Mazzatinti 97
Meyer, W. 25, 94
micht, nichil ı8£., g8f.
‚Miles gloriosus’ 13 _
Minnesangs Frühling 96
Misogyne Literatur 23f.
Mommsen, Th. 20
Montecassino 19
Moralisierung 4
Morawski, ]J. de 92, 95, 96,
101 i
Müller, Luc. 23
Murko, M. 99
Mythographi II et III zo
Mythologie 20f.
nichil, michi ı8f., g8f.
nobilitas 95
Nogara, B. 96
Nolhac, P. de 96
Novati, F. 92, 94
Ordericus Vitalis 7
Orosiuskommentar ı9
Orthographie, mittelalter-
liche ı7f£f., 97ff.
Osann, F. 17
Oswaldus, o. Carth. ı8
Ovidiuss: im Mittelalter
2ff., g92ff.; Christianisie-
rung 13, 15; Dichtungen
gegen O. ı1; Gebet 15;
‚Grab1,13; Moralisierung
15; Praecepta 8; Testa-
mentum I, 96; Vitae 89;
Schriften (echte und un-
echte):
De aetate 2
Amores 2, 8, 12,89
Anulus 2, 90
Ars amandi 2, 8, ı2
Ars procandi ıı
Aurora 2
De Baccho 6
De Birria 96
Conflictus ventris et ar-
tuum 6, 94
De coniunctione plane-
tarum 97
Cuculus 4, 5£., ıI, 89, 9ı
Decreta 8
De distributione mulie-
rum 88, 9ı
De doctrina pulicis 94
De facecia mensae 15, 97
Fasti go
IO7
Heroides 8, ı0f., 65ff.,
89, 90, 95
De 4 humoribus ı1, 9ı
Ibis go
De immutatione vitae 14
De inconstantia rerum 2;
92
De Jove, De libro Jovis
90, 91,95
De Licia (Livia ?) 95
De lino 95;
De luco 9, g0f., 95
De ludo g9ı
De lumaca
bardo 6, 94
De lupo 6
De medicamine aurium
II, 90, 9I
De medicamine faciei
II, 90
De meridie 2
Metamorph. 2, 3, 15, go
De milite et de Afra ı3
De mirabilibus mundi
6f., g9ı
De nemore 95
De nuce 90, 9ı
De nuntio sagaci ııf., 96
De osea et ciconia gı
De pediculo 6
De philomela 3f., 5, 89,
gI
Ex Ponto 2, 8, 90, 92
Praecepta 8
Psittacus 2, 90
Trium puellarum ııf.
Puellarum, De puellis go,
91, 96
De pulice 6, 11, 90, 94
De Pyramo et Thisbe
'4ff.
De rebus 9ı
Remedia amoris 8, rı,
12, 90
De rustico, In rusticum
gf.
De ludo scaccorum 15,
gıI
De sine titulo 89, 90
De senectute gı
Sittenspiegel ı5
Somnium, De somnio 2,
11, 63ff., 90, gı
Tristia 90, 94
et Lom-
De vetula ı3ff., go, 96f.
De vino 9ı
Pamphilus 12
Pamphblet ı2
Paris und Helena 65 ff.
Paris, G..92, 96
Paris, Universität 27
Pascal, C. 91, 92, 93, 94. 95,
96, 97
Pasquier, H.95 _
Pastrengo, G. da 89
Paulus Diaconus 25
Peiper, R. 4, 94
Perotti, Nic. 18
Petrarca, F. 14
Petrus Blesensis 24
— Diaconus 19
— Helie ıg
Phthia 17
Physiologus 20
Pieri, M.g5 _
Pitra 100, ıoı
Priscianus 19, 98
Procatoria ars 96
Pyramus u. Thisbe 4ff.,
3ıff., 93, 102.
Quintilianus 25
Rätsel 14
Rand, E. K. 92
Reifferscheid, A. 25
Reime 96
Rhodiginus, Caelius 17
Richard de Fournival ıı,
13, I4, 15, 95, 96, IOI
Riese, A. 10, 93, 95 |
Romanekdoten 26, 28f., 102
Rose, V. ıı, 25
Rügenwalde, O. Carth. 101
Sabbadini, R. 17, 97, 98
Säuleninschriften 28f.
Sanderus, A. 100
Sandys 92
Saxl, F. 20, 93
Schachspiel 15, gI, 97
Schaer, A. 93
Schanz, M. 17, 22, 92
Schedel, H. 51
Scheel, O. 101 :
Scheibmaier 25
Scheler, A. 101
Schepss 29, I0I
Scherzgedichte 2f., 6, 88f.
Schevill, R. 92
Schiller, F. v. 28
Schneidewin 97
Schoell, F. 19
Schriftstellernamen im Mit-
telalter 6, 27, 29f.
Schroetter, W. 92
Schuchardt, H. 99
Schulze, W. 17
Scott, W. 28
Sedlimayer, H. 92, 94, 96
Sentenzensammlung 25, 27
Shakespeare, W. 28
Sibylle 102
Sittl, K. 22
Spiele 14, 15
Stettiner, R. 93
Streitgedichte 6, 9
Symbolisierung von Christi
Opfertod 4, 102
Syrus, Publ. ıoı
Tafel, S. 92
Teuffel 17, 22, 89, 92, IOI
Thomas Aquinas 6
— Cantimpratensis 27
— de Hibernia 23
Thurot, Ch. 99
Tierdichtung 6f.
Tischzucht 15, 97
‚Personen- und Sachregister
Tongilius 25
Traumbilder 8f.
Triveth, Nic. 23
Trithemius, Joh. 23
Trouveres und Trouba-
dourss8
Tugenden und Laster 2ı
Ulrich, J. 96
Ulricus Eberhardi von
Klosterneuburg 99
Unger, H. 92
Vagantenpoesie 8
Valerius 23f., 281.
Valerius Maximus 23, 101
Varro Igf., IOo
Vatachius 13
Venus verteilt die Frauen
88 f.
Vergilius 2, 26
Verse von einem eifersüch-
tigen Priester 8
Vincentius Bellov. 13, Ioı
De viris illustribus 22£.
Vittorino da Feltre ı8
Vogt, F. 96
Voigt, E. 94
Voigt, G. ı8
Voßler, K. 92, 102
Wackernagel, R. 100
Walahfrid Strabo 9
Walther, H. 94, 95, 97
Warburg, A. 20
Warner, G. F. 16
Wattenbach, W.95
Webb, C. 101
Weine der Loireufer 10
Werner, Jak. 63, 92, 94, 95
Westwood, J. ©. 93
Woelfflin, E. 25
Wright, Th. 97
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